Die Vernichtung von Dersim - Haydar Isik

"Gule wollte aufstehen, zog an ihrem eingeklemmten Kleid und versuchte auf die Füße zu kommen. Ihr Haar, ihr dichtes schwarze Haar, war in sechs Zöpfe geflochten, die sich halb gelöst hatten und wirr herunterhingen. Widerspenstige Strähnen fielen ihr auf die Brust. Sie schaute auf die Richtung, aus der das Knattern der Maschinengewehre gekommen war. Niemand war zu sehen. Als sie sich halb umdrehte, sah sie die auf den Boden liegenden Menschen. Ein Reflex schloss ihr sogleich die Augen. Dann schaute Sie sich erneut mit ängstlicher Neugierig auf dem Feld Todes um. Schließlich sah sie ihre Mutter Zeyne, deren Kopf war in den Nacken gefallen. Augen und mund weit geöffnet. Gule fürchtete sich. >Daye! Mutter!< wollte sie rufen, doch kein Ton kam hervor. Gleich daneben Seyxidir und Sivan. Alle waren sie da. Reglos und still. Außer Großvater Alibinat und ihrem Vater Mirzali war ganz Mergasur versammelt. Nebeneinander, übereinander. Ihr wurde schwindelig. Sie sah Ringe im Sonnenlicht tanzen. Leich wie ein Blatt fiel sie über die Mutter."

Haydar Isik
Die Vernichtung von Dersim

aus dem Türkischem von Sabine Adatepe roman
Edition arArat Bd. 3
farb. Hardcover, Efalin-Bezug,
344 S., 16 EUR [D]
ISBN 3-89771-852-9


Verlag: UNRAST-VERLAG
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Fax: (0251)666120
E-Mail: mail@unrast-verlag.de


DEMOKRATISCHER BRÜCKENSCHLAG (Zwischen Kurden- Türken- Deutschen)
und
SEIDLVILLA
laden zur LESUNG
mit
Schauspieler JOACHIM HÖPPNER
und
dem Autor HAYDAR ISIK
ein.
Sie lesen aus dem neu erschienenen Roman
DIE VERNICHTUNG VON DERSIM von Haydar Isik


Eine literarische Verarbeitung eines Völkermords:

Es handelt sich um einen historischen Roman über die Niederschlagung des alevitisch-kurdischen Aufstands von Dersim/Türkei, heute Tunceli, 1937/38. Im Zentrum der Handlung steht das Schicksal des Dorfes Mergasur in Ost-Dersim, einsetzend im Winter 1937/38. Die türkische Militäraktion gegen West Dersim ist bereits in vollem Gange, nach einem außerordentlich harten Winter werden auch die Dörfer Ost-Dersim geräumt, ein großer Teil der Bevölkerung wird umgebracht, wer überlebt wird in den Westen der Türkei deportiert. Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Geschichte auf das Schicksal einer jungen Frau, die als kleines Mädchen das Massaker überlebt hatte.

Haydar Isik, geb. 1937 in Dersim, kam nach Pharmazie -und Lehramtsstudium 1974 nach Deutschland. 1982 wurde er ausgebürgert aus der Türkei und sein Hab und Gut dort versteigert. Er arbeitete zuletzt als Lehrer für Türkisch an der Ludwig Thoma Realschule und ist jetzt Rentner. Isik ist deutscher Staatsbürger und freier Schriftsteller.
Seine Bücher in deutscher Sprache:
Der Agha aus Dersim
Verloren in Deutschland
Die Vernichtung von Dersim

Die Lesung wird von CIHAN YAMAN mit authentischen Liedern aus Dersim begleitet.

ORT: Seidlvilla / Nikolaiplatz Mühsam-Saal, München
Zeit : Mittwoch, den 18.Dezember 2002 um 19.30 Uhr

Eintritt frei

V.i.S.d.P.: Ulla Jarusch, Hilblestr.11, 80636 München