Haydar Isik, Schriftsteller                                                        10. Januar 2004

 

                             Türkisch Israelische Allianz

 

Am 9. Februar hat Torsten Schmitz in der Süddeutsche Zeitung von der Türkisch-Israelistischen Allianz berichtet. Angeblich haben Israels Premier Herr Scharon und Energieminister Zeki Cakan zu Beginn dieser Woche das Abkommen „Wasser gegen Waffen“ in Jerusalem unterschrieben. Die Türkei liefert Wasser aus dem Manavgat Fluss und bekommt militärische Ausrüstung.

Sicherlich hat Israel gutes Recht mit allen Ländern Geschäfte zu machen, aber dieser Art Wasser nach Israel zu importieren, schaut so aus als eine Wassermühle mit Kübeln in Betrieb zu bringen.

In dem Schreiben kommt außerdem vor, dass in der Türkei „Antisemitismus“ nicht zu beobachten ist. Das Gedächtnis der Menschen ist kurz und kann deshalb Fehler begehen, wenn man die Ereignisse so schnell vergisst. Man hat keine Folgerungen aus den in Istanbul hochgehenden Bomben gezogen. Die von dieser türkischen Regierung des politischen Islams begünstigten Terroristen werden niemals Ruhe geben, weil sie in den Moscheen stets mit Hass gegen andere  Gläubige besonders gegen Juden in den Moscheen indoktriniert werden. Als Folge dieser Indoktrinierung findet man leicht Terroristen, die so hasserfüllt sind, um gegen jüdische oder christliche ja sogar gegen ketzerische Kurden Attentate wie in den Istanbuler Synagogen durch zu führen. In den letzten 20 Jahren haben die  von der Türkei geduldeten sogenannten Hisbollahs und ihre Anhänger Tausende Kurden ermordet, da sie sie als „gottlose Kreaturen“ sahen. Die türkischen Generäle haben aus Flugzeugen und Hubschraubern Suren aus dem Koran über Kurdistan „regnen“ lassen, in denen der Krieg gegen Kurden gerechtfertigt wurde.

In der gleichen Woche als das Abkommen in Jerusalem unterschrieben wurde kam Staatspräsident Assad nach Ankara und auch diese beiden Staaten haben eine strategische Allianz gegründet. Zwar basiert diese strategische Zusammenarbeit zwischen Syrien und der Türkei nur auf der gemeinsamen  Feindschaft gegen Kurden, aber sicherlich wird diese Allianz über Israel auch nicht gut denken. 

Ich denke und plädiere, dass Israel die ganze Region betrachten, und nicht nur seine Rechnungen mit der Türkei begleichen solle. Es wäre wünschenswert, wenn Staats-Israel eine Politik für gesamte Region überdenkt und für die für die Stabilität notwendige Demokratie und Achtung der Menschenrechte sorgt. Die Lösung des Palästinenser Problems und die Demokratisierung der Region wird am meisten Israel zu gute kommen, da es das technische Know how hat und demokratische Strukturen besitzt.

 

Allerdings macht Torsten Schmitz einen Kapitalfehler, wenn er die Türkei und Israel in gleichem Atemzug ähnliche Demokratien zuschreibt. Zwar gibt es durchaus Wahlen in der Türkei, die man nicht sehr tadeln kann, aber dieser Staat lässt 20 Millionen seiner Bürger -den Kurden- ihre Muttersprache nicht schreiben, lesen und lernen. Außerdem schreibt AI der Türkei jedes Jahr ein Zeugniss, ein Folterstaat zu sein. Torsten Schmitz vermischt die Dinge und zeigt einen Holzklotz und ein Hälmchen gleich. In Israel gibt es demokratische Strukturen, auf die die  Menschen in der Türkei mit der Sehnsucht warten.

Ich gebe ein Beispiel. Neulich haben mehrere Offiziere und Soldaten des Staats Israel den Kampf gegen Palästinenser abgelehnt. Diese werden höchsten ein Disziplinarverfahren bekommen. Aber in der Türkei hat kein Soldat und Offizier bis jetzt dieses Verhalten gezeigt. Falls sie dies tun würden, würde man sie entweder wie Tausende Kurden verschwinden lassen, oder sie würden gefoltert und eingekerkert.

Hunderttausende Israeli demonstrieren für Frieden und Demokratie Arm in Arm mit Arabern  und Palästinensern. Aber in der Türkei ist das nicht möglich. Herr Schmitz kann mir kein Beispiel vorbringen, dass in der Türkei Demokratie und Menschenrechte wie in Israel beachtet werden. Deshalb denke ich, dass er sich mit diesen Ausführungen unqualifiziert verhalten und  auf arrogante Weise die Dinge vermischt hat.

Herr Schmitz ist außerdem ahnungslos, da er beiden Staaten die Bekämpfung des Terrorismus höchste Priorität zuschrieb. Aber er sieht die Grundrechte der Kurden überhaupt nicht, die ihnen auf zivilem Weg gefordert worden waren, und von der Türkei militärisch unterdrückt wurden. Die Kurden haben übrigens gegen zivile Ziele nur einmal einen terroristischen Anschlag verübt, und dann haben sie sich von dieser Art von Aktivitäten distanziert, um  Menschenleben nicht Schaden zu bringen. In Israel dagegen sind terroristische Anschläge gegen zivilen Ziele fast alltäglich geworden.

Herr Schmitz weiß nicht, dass die Bombenattentäter von den Synagogen in Istanbul vom politischen Islam hochgebracht worden waren, und einst diese Killerhorden gegen Kurden tätig waren. Bevor man solche Vergleiche macht, sollte man die Grundkenntnisse studieren. Die Arroganz mancher westlicher Reporter hat keine Grenzen.

Es gibt einen Spruch: Wenn jemand vierzig Jahre falsch ist, wird er nicht aufeinmal aufrichtig. Die Türkei spinnt ein Netz mit Syrien und Iran, und versucht eine terroristische Achse gegen Kurden zu aktivieren. So lange diese Feindschaft der Türkei und anderer Staaten- Iran und Syrien- gegen Kurden besteht, wird weder die Region noch die Türkei stabil. Statt der Türkei Waffen zu geben, sollte Israel Demokratie transferieren. Ich glaube, nur so kann Israel sein Wasserproblem lösen. Wenn die Region demokratisiert ist, wird eine Pipeline von Tigris, Euphrat und Manavgat das Friedenswasser problemlos nach Israel bringen.