Haydar Isik, Schriftsteller 10.Mai.2004
Wer muss sich schämen?
Es ist Erstaunlich, dass
die Presse, die lange
Zeit die Machenschaften des Saddamregimes nicht gesehen hat und
eigentlich blind war, in den letzten Zeiten viele Artikeln über
die Folterungen der amerikanischen Soldaten bringt. Was hat sich
da geändert, dass die Presse so wachsam wurde! „Es ist nicht
Hochzeit, warum küsst mich mein Schwager“ sagt ein türkischer
Spruch. Diese blinde und einseitige Presse sieht tatsächlich die
Dinge jetzt objektiv oder ist es eine Kampagne, die staatlich
gelenkten Antiamerikanismus beinhaltet?
Als in Saddam Husseins berühmt berüchtigten Gefängnissen die Menschen gefoltert wurden, war er „Mr President,“ und man beugte sich ehrwürdig vor ihm. Fast kein Reporter war interessiert an dem Schicksal Hunderttausender Menschen, die gefoltert und getötet wurden. Sein System durfte die Menschen foltern und töten. Damals spielte die heute sehr wachsam gewordene Presse die „drei Affen“. Weil Saddam Hussein Waffen bestellte, und für die Produktion des Giftgases das Know how kaufen wollte, durfte dies nicht gestört werden.
Als deutsche und andere westliche Firmen vierzig Jahre nach Auschwitz Saddam Hussein ermöglicht haben, eine Kurdenstadt mit Giftgas zu bombardieren und sie total auszulöschen, habe ich leider von der Presse dieses Landes keine Berichte, wie heute über manche amerikanische Soldaten ständig kommen, weil sie im Ebu Gharib Gefängnis ein Verbrechen begannen haben, gesehen. Die deutschen Firmen ermöglichten die Aufrüstung Saddams und er konnte damit im ersten Golfkrieg Bomben werfen bis zum Telaviv. Die westlichen Länder haben ein Monster geschaffen, welches die Völker der Region in Angst und Schrecken gesetzt hat. Es wurde ihm ermöglicht, die Tötung von Millionen Menschen zu schaffen. Dies bezeichnen die westlichen Politiker als „Politische Ordnung“. Die Terror-Staaten Irak, Iran, Syrien und die Türkei können im Namen der politischen Ordnung Menschen foltern und töten.
Das heißt, dass die
westliche Politik für den Status quo des Saddam-Systems beistand
und andere diktatorische und militärische Regime als politische
Ordnung sah. Wenn man die Dinge beim Namen nennt, muss man auch
sagen, dass diese Haltung nur aus Profitsgier ist. Die westliche
Moral, welche die Menschheit mit Mühe und Not gewonnen hat, kommt
bei diesen Herren Politikern nach dem Geschäft.
Nun haben die USA glücklicher Weise dieses System gewaltsam beseitigt. Wer sich an der Seite der Menschenrechte, Demokratie und des Fortschritts sieht, müsste eigentlich begrüßen, dass die Amerikaner einen Tyrannen abgesetzt haben. Man soll deshalb das Vorhaben der USA unterstützen, damit sie in die Region eine demokratische Ordnung bringen können. Die immer wieder angeprangerten Interessen der USA -die Ressourcen der Region zu besetzen- sollte man nicht in dem Vordergrund stellen. Da der Bär noch nicht erlegt ist, kann man nicht seinen Anteil vom Fell fordern?
Sicherlich waren die
Folterungen sehr schädlich für die Menschenwürde, auch für die
amerikanischen Interessen. Diese geistig verwirrten Soldaten müssen
für ihr Verbrechen am schärfsten bestraft werden. Aber warum hat
die westliche Presse nicht die Folterungen des türkischen Staates
und Saddams gesehen? Als der türkische Offizier die kurdischen Dörfler
gezwungen hatte Fäkalien zu essen, wurde hier darüber keine
Notiz gemacht. Als die türkischen Soldaten die Leichen der
gefallenen PKK-Guerilleros geschändet, und sich mit dessen
geschlagenen Köpfen fotografiert haben, wurde im Westen keine
Reaktion gesehen.
Die Presse bringt Tagtäglich
die Nachrichten, dass im Irak ein Chaos herrsche, und die USA und
Koalition nicht in der Lage sind eine Ordnung zu schaffen. Mag
sein, dass die USA in ihren Plänen gewisse Dinge falsch
kalkuliert haben. Zum ersten haben sie nicht gewusst, dass der
Irak nicht Afghanistan ähnlich ist. Zum zweiten haben sie den
Fundamentalismus der Schiiten falsch eingeschätzt. Außerdem
haben sie mit dem Krieg zu früh aufgehört und nicht gedacht dass
Syrien, Iran und die Türkei dort gegen die amerikanischen
Interessen Krieg führen werden. Damaskus, Teheran und Ankara
haben großes Interesse das alte politische Verbrechen, welches
hier als Ordnung definiert war, wieder zu installieren. Der
absurdeste und größte Fehler der USA ist es, den
Volkskongress Kurdistan (Kongra-Gel a Kurdistan) in die
Terrorliste aufzunehmen, obwohl Kongra-Gel sich an die Ziele der
USA in der Region anpassen wollte und sich demokratisch neu
konstituiert hatte. Sogar die Kämpfer des Kongra Gel`s waren
bereit gewesen gegen Saddams-Banden auf der Seite des Fortschritts
und der Demokratie zu
kämpfen. Das heißt, wenn die USA in der Region die
Demokratisierung des Nahen Osten wollen, brauchen sie die Unterstützung
der größten kurdischen Organisation des Volkskongresses
Kurdistan- (Kongra-Gel).
Wenn man heute vom Ehrverlust und vom Schamgefühl der USA schreibt, darf man nicht nur über die Foltervorwürfe der US-Soldaten berichten , sondern man muss auch über die Folterungen in der Türkei, im Iran und Syrien schreiben. Für mich ist der schlimmste Ehrverlust, wenn man den Tyrannen Waffen verkauft, wenn man Folter-Regime unterstützt, wenn man die 15-20 Millionen Kurden in der Türkei wegen Geschäftsbeziehungen ignoriert, und hinnimmt, dass diese nicht mal ihre Muttersprache in den Schulen erlernen dürfen.
Wenn man im Irak das barbarische alte Regime als politische Ordnung definiert, verliert man seine Ehre. Wenn man diese Missstände ständig aufweist, nicht aber bei der Demokratisierung des Nahen Ostens hilft, hat man keine Würde. Heute ist der Nahen Osten ein Unruheherd. Die arabischen Staaten haben kein Interesse das Palästinenser Problem zu lösen. Sie schüren nur Selbstmordattentäter, damit die Brutalität nicht aufhört. Kein arabischer Staat hat Demokratie. Sie wollen den einzigen demokratischen Staat in der Region, Israel, mit diesem Problem schwächen.
Außerdem hat die
westliche Politik die Kurden als Bauernopfer an die Terrorsysteme
von Türkei, Iran und
Syrien geliefert, weil die westlichen Politiker nur an ihre Geschäftsinteressen
denken.
Nachdem die USA die Kastanien aus dem Feuer holen, wird sie auf schamlose Weise kritisiert. Ich kann mir gut vorstellen, wenn die USA im Irak eine Niederlage a la Vietnam erleiden würden. Die ganze Welt müsste darunter sehr leiden. Es wäre besser, wenn die Gegner sich für die Schaffung eines demokratischen Nahen Ostens an die Seite der USA stellen würden. Die Bekämpfung der morallosen Haltung der US-Soldaten ist eine Seite, aber es gibt eine andere Seite, die sehr wichtig ist, nämlich: Die Demokratisierung des Nahen Ostens. Dafür muss man arbeiten.
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