WELCHE PROBLEME  HATTEN UNSERE VORFAHREN UND WAS
SIND DAS UNSERE AUFGABEN?
 

 Kemal Tolan

Ich als Angehöriger der yezidischen Glaubensgemeinschaft, war immer daran interessiert näheres über  meine  Religion  und die meiner Vorväter in Erfahrung zu bringen.

 Über die Wurzeln bzw. den Ursprung meiner Religion war mir vieles unklar. Es gab für mich eine Menge unbeantworteter Fragen. Exemplarisch dafür wären unter anderem:

Wer waren die Yeziden, deren Feinde stets Angst vor deren Heldenmut und Tapferkeit hatten?

 Wann, wo und wie haben sie in Kurdistan und in den benachbarten Ländern gelebt?

 Weshalb sagen die Feinde der Kurden bis heute noch, dass die Zunge der Yeziden aufgrund ihrer kurdischen Zugehörigkeit  abgeschnitten werden muss? 

Um eine Antwort auf diese und vieler anderer Fragen zu bekommen, verbrachte ich einige Jahre mit dem Studium von Büchern, Reise- und Archäologieberichten, Zeitschriften,  Zeitungsartikel . Sie handelten alle über die uralte kurdische Religion, dem Yezidentum.

Vorab sei erwähnt, dass es aufgrund des abgesteckten Zeitrahmens, ich nicht in der Lage seien werde Ihnen eine ausschöpfende Antwort über die Ursprünge und Herkunft unserer Vorväter geben kann.

 
Wenn ich sämtliche  Probleme, die Yeziden mit sich tragen, auch nur annähernd versuchen aufzulisten würde, würden mir hier der zur Verfügung gestellte Platz nicht ausreichen. Deswegen, möchte ich heute nur einige unserer Probleme und Aufgaben aufführen:

  1.  
    Anhand der analytischen Auseinandersetzung mit yezidischen Weltanschauungen und deren Gebetstexte, habe ich festgestellt, dass  die yezidische Geschichte uralt ist und zudem sehr umfangreich.

 

  1.  
    Erst, wenn man sich mit den yezidischen Gebetstext auseinandersetzt und diese richtig  analysiert und deutet, begreift man erst dann wie uralt und bewundernswert die yezidische Geschichte ist.

 

  1.  
    Es gibt leider nur wenige Leute und Freunde, die sich so intensiv mit der yezidischen Problematik auseinandergesetzt haben und von sich aus sagen, dass
     “Die yezidische Religion ist die ursprüngliche Religion aller Kurden. Das hat im Laufe der Zeit dazu geführt, dass die, die gegen die Kurden sind noch stärker das Yezidentum verachten und bekämpfen. Dieses belegen zahlreiche Gefechte in den von Yeziden besiedelten Gebieten“.

 

  1.  
    Um  die Yeziden bei den Kurden und den benachbarten Völkern zu schlecht machen und somit sie besser assimilieren zu können, wurden viele Unwahrheiten über unsere Herkunft und Tradition verbreitet.

 Eine dieser zahlreichen  Unwahrheiten ist zum Beispiel folgende Aussage:

“Die Yeziden sind nicht Kurden und gehören zur semitischen Stammesfamilie der Kureschen. Die Yeziden glauben an Jahower. Sie haben keine heiligen Religionsbücher und  sind Anhänger des Yezide- bin- Muawiye. Die Yeziden sind gefürchtete Räuber. Wer einen Angehörigen der yezidischen Religion umbringt, der wird in der andere Welt unsündig sein und  wird für diese Tat ins Paradies gelangen.“

Mit solchen und ähnlichen menschenverachtenden Vorurteilen haben die Feinde der Yeziden, viele unschuldige yezidischen Männer und Frauen in Kurdistan und den benachbarten Ländern  unbarmherzig hingeschlachtet. Tausende  yezidischen Jungen und Mädchen wurden von diesen entführt, misshandelt und als Sklaven behandelt.

Die Yeziden wurden während dieses  nicht endend wollenden Völkermordes in viele  Länder vertrieben und auch zwangsausgesiedelt. Ziel dieser Aktionen war die Zersplitterung und somit Vernichtung der yezidischen Religion.

Yeziden wurden oft entgegen ihrer religiösen Überzeugung zwangsweise zu militärischen Zwecke eingesetzt. Des Weiteren wurden alle yezidischen Heiligstätte, religiösen Schriften, Denkmäler und deren Häuser sowohl angezündet und vernichtet als auch, wenn es für sie von Nutzen war, in Besitz genommen.

Bis heute sind noch viele der damals mit Gewalt in Besitz genommenen yezidischen Kultur- und Religionsgüter in den Händen unserer  Feinde. Oft werden diese auch von denen inzwischen als ihr eigenes Kultur- und Religionsgut bezeichnet.

  1.  
    Es gibt immer noch Religionswissenschaftler, die sich mit unserer Religion beschäftigen und weiterhin Lügen über uns veröffentlichen. Meiner Ansicht nach passiert dieses, weil diese sich nicht auch nur annähernd ausreichend mit der Thematik des Yezidentums auseinandergesetzt haben. Ihre Darstellungen beruhen oft auf 
    den Aussagen von den Feinden der Yeziden und unwissende Yeziden. Hätten  sie auch nur ein bisschen Ahnung über  die yezidische Religion,  kämen sie nicht zu solchen Aussagen wie: “Die Yeziden glauben an Ungeheuer, Hexen, Dämonen, böse Geister u.ä.“  Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. So wie wir unsere Religion kennen,  ist Gott allmächtig und somit  für jegliches Handeln auf Erden verantwortlich. Er ist in seiner Gestalt vollkommen und keine andere Kraft kann aufgrund dieser Vollkommenheit  ohne seinen Willen existieren. Der Menschen  selbst hat es, mit dem ihm vom Gott gegebenen Verstand,  in der Hand, die richtige Entscheidung für sich zu treffen. Somit liegt diesen sogenannten Religionswissenschaftlern in Wahrheit nichts an den wahren Inhalten  unserer Religion, sondern sie verfolgen vielmehr mit den Veröffentlichungen die fortwährende Vernachlässigung des Yezidentums.
       
  1.  
    Auch  heute gibt es im kurdischen Freiheitskampf, immer noch Personen, die sich als „kurdischen Intellektuelle“ bezeichnen und die Meinung vertreten, dass die yezidische Religionslehre  dem Mithraismus, Mazdakismus, Sabiesmus, Budihsmus und Zoroastrismus oder ursprünglich der jüdischen, christlichen oder der islamischen Religion angehörte. Diese Personen wollen der Wahrheit, die in der Vergangenheit steckt, nur nach ihre persönlichen Auffassungen darstellen. Meiner Ansicht nach, kennen diese „kurdischen Intellektuellen“ ihre eigene Geschichte nicht und haben auch keine Ahnung über die Eigenständigkeit der yezidischen Religionslehre. Vielleicht passiert dieses aber auch ganz  bewusst, obwohl sie die Wahrheit kennen. Sie wollen so die heldenmutigen, tapferen und glorreichen Verdienste der Yeziden für die Erhaltung und Bewahrung des Kurdentums leugnen. Ich meine, so lange wir die kulturellen und religiösen Minderheiten in Kurdistan selbst nicht anerkennen und somit die Wahrheit verschweigen, wird es in Kurdistan keine Einheit geben. Wenn man keine guten Kenntnisse über Yezidentum hat, so hat man auch kein Recht unsere Religionsgemeinschaft mit der Rassentheorie oder mit anderen vergleichbaren hirnrissigen Theorien zu vergleichen. Einer unserer Religionsgebet sagt heute noch:“ Lieber Gott beschütze erst die 72 Volksgruppen auf der Welt und dann uns auch.“ Eine vergleichbare Aussage,   über die Gleichberechtigung aller Religionen und Völker innerhalb einer Religion,  gibt es in einer solchen klaren Form in keiner anderen Religion auf dieser Erde.

 
 

  1.  
    So wie wir aus der Vergangenheit entnehmen können, haben alle Religionen dieser Erde der jeweiligen Zeit entsprechend Reformen durchgeführt und werden diese auch in Zukunft durchführen müssen. Auch bei den Yeziden fanden viele Reformen statt, die sich auch in Europa fortsetzen, ob mit oder gegen unseren Willen und niemand diesen Lauf der Zeit und die damit verbundenen Änderungen aufhalten kann. Das heißt nicht, dass ich, die jenige  unterstütze, die sich als „Fortschrittlicher Yeziden „ nennen und sagen: „ 98 % Prozent der Werte und Normen unserer Religion haben in der Fremde keine Grundlage mehr und daher benötigen wir eine Reform“, sondern vielmehr sage ich, diejenigen die dieser Auffassung sind, kennen ihre eigene Religion in ihren Ursprüngen nicht mehr. Oft sind es daher jene, die aus unseren Glauben austreten und sich gegenüber unserer Religion entfremden. Ich kann hierzu nur ein altes yezidisches Sprichwort unserer Vorfahren heranführen:„Derjenige der sein eigenen Glauben nicht pflegen und ausüben will, kann dieses genau so wenig mit einem anderen Glauben tun“. Wir dürfen nicht, die Traditionen, die mit unserem Vorfahrenblut aufbewahrt sind und uns von den übrigen Religionen der Welt auszeichnet vergessen.

 

  1.  
    An unserer Unterdrückungen und Ausbeutungen haben die Weltsupermächten und viele europäische Regierungen Teil gehabt. Sie haben in unserem Land immer die  Gewaltherrscher unterstützt und selbst viele unserer kulturellen Werte geschädigt und ausgebeutet. Deswegen hatten sie auch nie den  Anlass gesehen, solch eine uralte Religion und Kultur zu beschützen.

 

  1.  
    Ich habe festgestellt, dass wir während dieser unermesslichen Massagas und Vertreibungen keine einheitliche Religionsausübung hatten. Aufgrund dessen haben wir heute in der Praxis sehr unterschiedliche Religionsvorstellungen, die auch darauf zurückzuführen sind, dass während dieser Zeit kein ausreichender Kontakt mit  unserem religiösen Rat (Meclisa Ruhani)“ bzw. Religionsoberhaupt der Yeziden ausgeübt werden  konnte.

Um diese unterschiedlichen Religionsvorstellungen wenigstens in Europa zu vereinigen und um unsere Jugendlichen an das Yezidentum heranzuführen, haben wir schon 1993 unseren jetzigen Verein gegründet.

Was waren damals unsere kulturelle und religiöse Interessen, Wünschen und Problemen in Deutschland?

Wir haben solche Fragen schon damals in der ersten yezidischen Zeitschrift der DENGÊ ÊZÎDIYA beantwortet. Exemplarisch hierzu verweise ich auf  die  DENGÊ ÊZÎDIYAN aus dem Jahr 1994  Ausgabe 3 Titel: „Jugendliche- Hoffnungsträger unserer Religion“.

Wir wissen schon lange, dass unserer religiöse Rat und der Oberhaupt der Yeziden in Südkurdistan leben. Jedoch reicht Ihre Funktion und Ihre Stimme nicht in ausreichender Form bis nach Europa.

Wir haben aber auch in Deutschland im Namen der Yeziden bereits manche Organisationen gesehen, die, wie man beim ersten „Yeziden Kongress 28-30/ 1 / 2000“ in Hannover gesehen hat, nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten.
Es gibt viele Yeziden, die ihre eigenen persönlichen Vorstellungen nicht verwirklichen  können  und dieses auf unsere Religion zurückführen. Ich meine, dass solche Personen Meinungen und Organisationen mehr zusätzliche  Probleme schaffen, als die bereits bestehenden abzuschaffen. Nun ist es uns allen bewusst geworden, dass es unabdingbar geworden ist einen religiösen, länderübergreifenden und vollkommen unabhängigen Rat für Yeziden, außerhalb ihres ursprünglichen Siedlungsgebietes, ins Leben zu rufen. Diesem Rat sollten  allseits anerkannte Führungspersonen angehören, die sich ausschließlich mit den Problemen  der Yeziden befassen. Dieser Rat sollte alle Weisungen, die der  religiöse Rat und unseres religiösem Oberhaupte beschließen, in der Praxis überwachen. So hat z. B. der verehrte Mir Tahsin Beg  bei einem Treffen im Yezidischen Forum Oldenburg in einem  Interview mit der DENGÊ ÊZÎDIYAN(Ausgabe Nr.: 8 – 9 ) gesagt:“ Die yezidischen Eltern sollen Ihre Kinder nicht gegen ihren Willen verheiraten und somit auch versprechen. Wer mehr als 2000 € Brautgeld (Qelen) verlangt begeht eine Sünde. Die yezidischen Mädchen dürfen gegenüber den yezidischen  Jungen nicht benachteiligt werden. Die Yeziden haben das Recht, ihrem Geistlichen die religiöse Abgabe (Fito) zu entziehen, wenn der seinen Aufgaben und Pflichten nicht nachkommt. Es ist wichtig, dass ein Dialog zwischen den Vereinen und dem Religiösen Rat entsteht.“ Wie wir alle wissen, haben zwar alle Yeziden in Deutschland diese Anweisung gehört jedoch wurde sie bisher nicht ernst genommen. (Um ehrlich zu sein,  möchten die meisten von uns dieses auch nicht.)

  1.  
    Diese (genannten) Probleme sind vielen von uns bewusst, jedoch kommen wir bis heute der sich daraus ergebenden kulturellen, religiösen und moralischen Verpflichtungen nicht nach. Vieler dieser Probleme werden verschwiegen oder nicht mit dem erforderlichen Einsatz angegangen. Es kann  nicht richtig sein, dass wir uns als „kurdische und yezidische Intellektuelle“ bezeichnen aber für unsere Volks- und Religionszugehörigkeit nicht bereit sind persönliche Opfer zu erbringen. Jeder soll  wissen, dass die Yeziden genauso wie die Muslime und Christen das Recht  haben, ihre Religion  und Traditionen zu  pflegen. Ich bin der Auffassung, dass die kurdischen Organisationen und politischen Parteien nicht die alten Fehler begehen dürfen, indem sie sich  in die yezidischen Religionsangelegenheit einmischen und die Yeziden für ihre eigenen  Zwecke missbrauchen. Ich bin der Meinung, dass  jede Religion ihre Berechtigung hat und niemand gezwungen werden darf, die eigene Religion aufzugeben. Wir sollten nicht außer Acht lassen, dass wenn diese uralte kurdische Religion ausstirbt, die Schuld bei den politischen Kurden und Yeziden zu Suchen ist. Wir Yeziden müssen endgültig  begreifen, dass wir die älteste Religion der Kurden sind. Kurdisch ist nicht nur unsere Muttersprache, sondern sie ist auch die Sprache aller unserer religiösen Texte, Lieder  und Gebete. Ich meine, so lange wir Yeziden sind, können uns nicht von den kurdischen Organisationen und politischen Parteien völlig loslösen.  Wir haben ohne ihre Unterstuzung keine Überlebenschance. Es reicht nicht mehr aus, dass wir uns nur als gute und gebildete Yeziden ausgeben,  sondern  wir müssen auch etwas für unsere kurdische Identität und die damit verbundene  Tradition tun.

 

  1.  
    Es sollte uns allen bewusst sein, dass unsere Vorfahren, anders als wir heutzutage,  nicht die Möglichkeit hatten ihre Bräuche und Sitten in Freiheit auszuüben zu pflegen. Aber, sie haben trotzt alle Unterdrückungen und Unsicherheiten für uns diese  Kultur und Religion aufbewahrt.

Hätten sie  damals nicht gegen die Unterdrückung  und Assimilationen so einen starken Widerstand geleistet,  wären wir  von unseren damaligen Unterdrückern vereinnahmt und mit Zwang assimiliert worden. Doch heute können wir erhobenen Hauptes sagen, dass wir gerade deswegen stolz darauf  sind dieser uralten Religion anzugehören.

Auch wenn heute viele Gebräuche (Kasten, Heirat, Eßgewohnheiten  u.s.w.) im Yezidentum  für uns nur schwer nachvollziehbar sind, sollten wir nicht vergessen , dass gerade diese  Gebräuche und Sitten,  die treibenden  Kräfte dazu gewesen waren, dass diese Religionsgemeinschaft über eine so  lange Zeit überlebt hat.

Viele von den heutigen Erwachsenen können bestimmt mich hierin bestätigen, dass ich schon damals und heute die Ansicht vertrete: Wenn wir als Erwachsene  unseren  religiösen und kulturellen  Verpflichtungen und Aufgaben nicht nachkommen, können wir auch nichts von unseren  Kinder und Jugendlichen ein der Zukunft erwarten.

Trotz all dieser genannten Schwierigkeiten und ohne  jegliche Unterstützung, seitens irgendeiner Institution,  in der Fremde, haben wir heute meines erachten die Überlebenschance unserer Glaubensgemeinschaft erhöht.

Ein Beleg dafür, sehen Sie anhand dieses Ortes an dem wir uns heute befinden.   Das „Kulturforum der yezidischen Glaubensgemeinschaft" ist ein Symbol dafür geworden, dass die Yeziden für das Überleben ihrer Religion bereit sind zu kämpfen.

Es  ist  das erste mal in der Geschichte der Yeziden, dass Yeziden fern ab von  ihrer ursprünglichen  Heimat ein eigenes Haus (Mala Ezidiyan) errichtet haben.
Aufgrund  unserer bisher gemachten  Erfahrung können wir nicht mehr nur unsere Religionsführer oder Priester alleine für die Erhaltung und Fortführung unserer Traditionen zur Verantwortung ziehen.

Niemand kann mehr so wie früher sagen: “Wenn uns die Religionsführer oder Priester unsere Religion nicht lehren, dann können wir auch selbst nicht dafür tun. Wir haben keine religiösen Lehrbücher. Unsere Väter haben für uns nicht getan. Die jüngere Generationen sind die Hoffnung des Yezidentums u.s.w.“


Wenn wir es ernsthaft  wollen, haben wir heute gegenüber unseren  Vorfahren wesentlich mehr Möglichkeiten unsere Kultur und Religion zu pflegen.
Wir können unsere Traditionen und Sprache für unsere Kinder, allein schon durch das zusammentragen und niederschreiben, interessanter und einfacher gestalten, damit diese  auch in Zukunft von diesen beachtet und respektiert werden. Ich meine, dass  viele unsere Jugendlichen nicht ihr ganzes Leben in Gefängnissen verbringen müssen,  sondern sie sollten vielmehr  Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten besuchen.


Falls wir es nicht schaffen einen Dialog zwischen uns und unseren Jugendlichen herzustellen, werden  wir uns zunehmend entfremden und voneinander wegbewegen. Wir alleine sind für die Zukunft unsrer  Kinder verantwortlich und nicht unsere Vorväter.

  1.  
    Während  der Zeit als  die kurdischen Yeziden bekämpft und verfolgt wurden, gab es in diesem Gebiet keine Zeitung, kein Fernsehen und kein Radio. Die Diktatoren  in Kurdistan hatten die Feindseligkeit unter den Kurden so aufgehetzt, das Kurden unterschiedlicher Religionen sich nie zu Hilfe kamen geschweige denn , sich gegen die Unterdrückung gemeinsam organisierten.


Die Feinde der Kurden haben damals in im Erziehungswesen absichtlich lesen und schreiben für die yezidischen Kinder verboten und dieses  damit begründet, das lesen und schreiben  sündhaft wäre. Deswegen fällt es heute sehr schwer die Geschichte und somit den Schmerzen der Yeziden zu rekonstruieren(darstellen). Es fand lediglich eine mündliche Überlieferung der Ereignisse statt. Die Folge war dass zahlreiche Angaben im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Die damaligen Zeitzeugen, waren aufgrund ihrer geringen Möglichkeiten der Überlieferungsformen nicht in der Lage alles korrekt weiterzugeben. Mit ihrem Ableben, starb immer ein großer Teil der yezidischen Geschichte.

Wir können heute nicht mehr die reine Wahrheit und die wahren Hintergründe unserer Geschichte in Erfahrung bringen. Allein schon aus diesem Grund  dürfen wir  nie vergessen, warum sich unsere Vorfahren, so zahlreich geopfert haben bzw. massakriert worden sind.

13.  Mit Hilfe unserer jetzigen älteren Generationen und Gesängen so wie einigen vorhanden Dokumenten von Forschungsreisenden, Schriftsteller und Wissenschaftler, versuchte ich in Erfahrung zu bringen, wie viele yezidischen Stämme es gab, wie viele vernichtet und wie viele verschmelzt worden sind.  Es ist sehr traurig, dass heute es nur noch wenige ältere Yeziden und Volkssänger unter uns gibt, die viele Erlebnisse und Geschehnisse  der Yeziden gesehen haben oder darüber  erzählen können.


Ich habe trotz dessen, mit der Hilfe Gottes und des Engel Pfaus in mühsame Arbeit, viele unsere Erlebnisse aus den mündlichen  Überlieferungen der yezidischen älteren Generationen und der vielen yezidischen Volkssänger Gesängen ein Buch unter dem Titel „Die erdrückende Wirklichkeit der Vertreibung und Vernichtung der Yeziden sind alles lebendige Romane“ zusammengestellt. Das Buch ist im kurdische Sprache geschrieben und man kann es noch bei mir bekommen. Es befasst sich ausführlich mit der Geschichte, der Verfolgung und insbesondere dem Leben der Yeziden in Nordkurdistan.

Ich hoffe durch meine Ausführungen das Interesse für das yezidische Schicksal geweckt zu haben und gleichzeitig hiermit ein wenig für die Arbeit  vieler anderer fremder und kurdischer Wissenschaftler und Historiker  beigetragen zu haben.

Ich habe diese Schreiben am 20.09.2002 geschrieben und im Mala Êzîdiyan Oldenburg schon verteilt.

 

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