Bericht über die Konferenz in Ankara
am 13. und 14. Januar 2007:

„Die Türkei sucht ihren Frieden“

Von Mehmet Sahin

 

 

Wenn die Intellektuellen eines Landes, als Gewissen der Gesellschaft bezeichnet werden dürfen, hat das Gewissen der Türkei zum ersten Mal in der Geschichte dieses Landes entschlossen gegen den Krieg und für Frieden in der Türkei Stellung genommen.

Während die Intellektuellen ihre Stimme nach Frieden erhoben, trommelten die Regierenden, die wahren Machthaber und ihre rassistisch-nationalistischen Unterstützer unterschiedlicher Couleur, im verschneiten Ankara die Kriegs- und Invasionstrommeln gegen Irakisch-Kurdistan.

Wenn man eines Tages die Geschichte der Friedensbewegung in der Türkei schreiben wird, würde man mit dieser Konferenz, die unter dem Motto „Die Türkei sucht ihren Frieden“ am 13. und 14. Januar 2007 in Ankara stattfand, beginnen.

An diesen beiden Tagen waren über 600 Intellektuelle, Wissenschaftler, Menschenrechtler, Gewerkschaftler, Arbeiter, Arbeitslose, Studenten und junge FriedensaktivistInnen ein Herz und eine Seele für Frieden und gegen den seit über 20 Jahren andauernden türkisch-kurdischen Krieg.

Ich habe Hunderte und Tausende weinende kurdische Opfer des Krieges; Mütter, Väter, Brüder, Schwester und Kinder der Ermordeten gesehen und erlebt. Mit ihnen habe ich in meiner Ecke still und schweigsam geweint. Zum ersten Mal aber habe ich erlebt, dass auch Türken an einem Rednerpult vor Dutzenden Kameras und Hunderten von Menschen weinen und um Beendigung des Krieges flehen. Es war der Delegierte von der Schwarzmeerküste Gültekin Yücesan, der seinen Schwager als Soldat im Jahre 1985 im Krieg verloren hat, der sagte: „Die Menschen am Schwarzmeer möchten nicht, dass Muslime Muslime umbringen, Türken Kurden ermorden. Die Menschen am Schwarzmeer sind nicht Feinde der Kurden und  der Angehörigen der Inhaftierten. Aber die Regierenden haben eine solche Atmosphäre geschaffen, dass in unseren Städten kurdische Arbeiter ermordet und Angehörige der Inhaftierten gelyncht werden.“

Der Ex-DEP Abgeordnete Selim Sadak, der von 1994 bis 2004 hinter Gittern verbrachte, übermittelte die Bitte einer Mutter Namens Yasemin, ebenfalls aus der Schwarzmeerküste: „Ich habe einen 18-jährigen Jungen. Ich möchte, dass er seinem Land als Soldat dient. Er wird in Kürze in den Militärdienst einbezogen. Macht etwas, dass dieser Krieg aufhört und ich  meinen Sohn sorglos zur Armee schicken kann!“

Eine Vertreterinnen der kurdischen Friedensmütter, Emine Özbek, sagte in kurdischer Sprache: „Es ist Winter, es ist bitter kalt und unsere Söhne befinden sich in den Bergen. Unter ihnen ist Eis und über ihnen Schnee. Es finden immer noch Operationen in den Bergen statt. Ich flehe Euch an, macht etwas, damit die Operationen eingestellt werden.“

Der weltberühmte Intellektuelle Yasar Kemal - das Gewissen der türkisch-kurdischen Gesellschaft - donnerte vor Wut an die Adresse der Machthaber in Ankara: „Macht, was Ihr wollt, aber spielt nicht mit der Würde des Menschen und eines Volkes! Diese Worte sind seit meiner Jugend Balsam für meine Zunge. Aber unsere Regierenden haben das Gegenteil getan. Es gibt nichts, was sie dem Volk nicht angetan hätten… Wir haben die Guerilla Terroristen genannt und davon Hoffnung erwartet (dass alle daran glauben, sie sind Terroristen, Anm.d.V.). Am Anfang waren die Gründe, in die Berge zu gehen, weitgehend unbekannt. Man dachte, es handele sich mehr um ein Abenteuer. Wer in die Berge ging, hatte zuvor studiert, einige ihr Studium bereits beendet. Fast alle, die in die Berge gingen, konnten lesen und schreiben. Die europäischen Medien maßen dem keine Wichtigkeit bei. Heutzutage dagegen wissen die weltweiten Medien alles über uns. Ein Krieg, der vor den Augen der Welt fortgesetzt wird, ist ein Krieg, der das Land verrotten lässt.“ Und beendete seine Rede mit dem Satz: „Entweder eine wahre Demokratie oder nichts!“ (s. Auszüge des Redebeitrages von Yasar Kemal in dieser Ausgabe)

Und ein anderer Kenner der Geschichte der Türkei, einer der bekanntesten Gesichter der Türkei, der über 90 Jahre alte Vedat Türkali sagte: „An diesen beiden Tagen habe ich zwei der schönsten Tage meines Lebens erlebt. Solche Konferenzen haben wir immer im Ausland organisiert. Zum ersten Mal veranstalten wir nun in der Türkei eine so wichtige Konferenz. Ich bin überglücklich! Weil ich mich für die kurdische Frage einsetze, fragen mich viele, ob ich Kurde bin und warum ich mich so engagiere. Ich sage ihnen, ich setze mich für diese Sache ein, damit ich eines Tages beruhigend sagen kann, dass ich Türke und glücklich bin. Denn ein Volk kann nicht frei und glücklich sein, das ein anderes Volk unterdrückt… Ex-Staatschef Demirel sagte, dass die Türkei 28. Aufstände erfolgreich niedergeschlagen und 28. Mal gesiegt habe. Welches Land hat uns angegriffen, welche Armeen haben wir denn besiegt? Wir haben gegen uns selbst, gegen unser eigenes Volk gekämpft, d.h. wir haben 28. Mal verloren, nicht gesiegt! Ein Volk fordert 28. Mal etwas und sagt ‚tue etwas für mich’. Was machen wir, wir bekämpfen sie mit Panzern und Artillerie… Wir haben die Benutzung des Wortes Kurdistan verboten. Heute haben wir überall in der Türkei Kurdistan: in Mersin, Adana, in Izmir und Istanbul, in Ankara und im Westen der Türkei, überall ist Kurdistan geworden. Deswegen ist eine gemeinsame Lösung notwendig. Die finanziellen Ressourcen unseres Volkes verpulvern wir, in dem wir Munition kaufen und gegen das kurdische Volk einsetzen. Die getöteten Kinder sind unsere Kinder, die weinenden Mütter unsere Mütter.“

Der Oberbürgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir, berichtete über die Folgen des Krieges im wirtschaftlichen Bereich: „Im Jahre 1927 stand Diyarbakir hinter Istanbul und Bursa an der dritten Stelle in der wirtschaftlichen Entwicklung. Jetzt im Jahre 2006 ist Diyarbakir sehr tief runter gerutscht und befindet sich an der 63. Stelle der Skala. (Insgesamt hat die Türkei 81 Provinzen. Die letzten Provinzen befinden sich ebenfalls in den kurdischen Gebieten. Anm.d.V.) Die Einwohnerzahl von Diyarbakir betrug im Jahre 1990 etwa 270.000. Innerhalb von 15 Jahren wuchs die Einwohnerzahl durch die Vertreibungen auf 1.270.000. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in der Türkei bei 10,9%, in Diyarbakir aber liegt die Arbeitslosenquote bei 70%. Allein diese Zahlen verdeutlichen, wie die Türkei die kurdischen Gebiete behandelt. Wenn unbedingt ein Krieg geführt werden muss, muss man ihn gegen Armut und Arbeitslosigkeit führen.“

Der ebenfalls aus Diyarbakir angereiste Unternehmer von der islamisch geprägten Industriellenvereinigung Müsiad, Ahmet Önal verdeutlichte die wirtschaftliche Dimension der Ungleichbehandlung: „Überall in der Welt sind die reichen Städte entlang der Grenzen. Aber bei uns ist dies umgekehrt. Obwohl auf der anderen Seite der Grenze die gleiche Sprache gesprochen wird, werden der Grenzhandel und der Personenverkehr verhindert. Strom wird bei uns erzeugt und Öl wird bei uns gefördert. Aber was daran verdient wird, wird nicht für die Region investiert. Der Staat behauptet immer wieder, dass er viel Geld in die Region investiert. Die Türkei hat für das GAP-Projekt (Staudammprojekte) 18 Milliarden Dollar eingesetzt und allein vom erzeugten Strom hat sie innerhalb einer kurzen Zeit 20 Milliarden Dollar eingenommen. Wenn sie nur 10% dieser Einnahmen für die Region investiert hätte, hätten wir ein weit entwickeltes Gebiet. Ein Territorium, das 100 Mal größer ist als Nordzypern und 33 Mal größer ist als das gesamte Zypern wurde vermint. Es gibt in Diyarbakir nicht einmal einen zivilen Flughafen.“

„Wenn wir heute hier eine solche Konferenz veranstalten können, so verdanken wir dies dem Waffenstillstand. Diesem Zustand müssen wir viel Wert beimessen. Ministerpräsident Erdogan sagt jetzt, dass es kein Kurdenproblem gäbe. Im Sommer 2005 aber sagte er mir persönlich vor allen anwesenden Teilnehmer der Delegation der türkischen Intellektuellen, dass es ein Kurdenproblem gäbe und er dies mit demokratischen und zivilen Mitteln lösen werde. Die ungelöste Kurdenfrage nimmt nun eine andere gefährliche Dimension an. Die Feindschaft und Hass zwischen dem türkischen und dem kurdischen Volk wächst. Die Lynchversuche haben enorm zugenommen. Dies ist beängstigend. Diese mildere Atmosphäre kann nur fortgesetzt werden, wenn der Waffenstillstand hält“ sagte Prof. Dr. Gencay Gürsoy, von der Initiative der türkischen Intellektuellen.

Der Vorsitzende der islamisch geprägten Gewerkschaft HAK-IS, Salim Uslu, sagte, die Ablehnung der Kurdenfrage, das Verschließen der Augen davor hat die Kurdenfrage nicht gelöst. Man hat nirgends gesehen, dass ein Staat mit einer weitgehenden Demokratie geteilt wurde, im Gegenteil. Gewalt ist abzulehnen. Der Staat muss durch Reformen diese Frage lösen. Wenn die Türkei für die Region ein Modelland werden will, muss sie sich demokratisieren, die Kurdenfrage lösen und die Unterschiedlichkeiten anerkennen.“

„Dialog, Dialog, noch einmal Dialog, sowohl im Inneren, als auch mit den Nachbarn. Wenn die 10% Wahlhürde abgeschafft wird, wird die DTP ihren Platz im Parlament einnehmen und das Problem wird dann im Parlament diskutiert. Dialog mit den Nachbarn heißt, dass man mit den irakischen Kurden spricht und sie nicht bekämpft“, sagte der ehemalige Vorsitzende der Republikaischen Volkspartei CHP, Altan Öymen.

Fehmi Isiklar, Vizechef der Sozialdemokratischen Volkspartei SHP, sagte: „Die Jugendlichen, die in den Bergen sind, sind nicht nur die Kinder der Angehörigen der PKK. Diese Jugendliche stammen aus den Angehörigen aller Parteien, aus AKP, DYP, CHP, DTP usw. Dies sind unsere Kinder. Auch ich bin Kurde. Soweit ich mich erinnern kann, werden wir ständig von diesem Staat geprügelt. Sowohl Kurden, als auch Türken sind Muslime. Sowohl Kurden als auch Türken bezeichnen ihre gefallenen Söhne als Märtyrer und sagen, dass diese Ermordeten ins Paradies gehen. Was werden diese Getöteten dort sagen, wenn sie sich begegnen?“

Die Abschlussrede sollte der kurdische Romanzier Mehmed Uzun halten. Der an Krebs erkrankte Uzun konnte wegen seinem gesundheitlichen Zustand nicht kommen und sandte eine Botschaft.

Während der Auswertung der Konferenz sagte Prof. Dr. Dogu Ergil, dass eine Revolution stattfände.

Zu der Konferenz:

Ob man dies als eine Revolution bezeichnen darf, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass zum ersten Mal etwas in einer solchen Dimension und Intensität in der Türkei stattgefunden hat. Dies hat, glaube ich nicht nur mir Kraft, Mut und Hoffnung gegeben, hartnäckig weiterzumachen, sondern auch vielen anderen.

Der für 380 Personen vorgesehene Konferenz wohnten über 600 Teilnehmer aus vielen Ecken der Türkei bei: Linke und Rechte, Moslems und Aleviten, Türken und Kurden, Wissenschaftler und Politiker, Menschenrechtler und Gewerkschafter, Junge und Alte. Es waren viele bekannte Gesichter unter den Zuschauern, darunter der Ex-Chef des Kassationshofes Prof. Dr. Sami Selcuk, Ex-Minister Salih Yildirim, Ex-Vize-Chef des Geheimdienstes der Türkei (MIT), Cevat Önes und einige Abgeordnete.

Neben den namhaften Wissenschaftlern redeten auch Parteivertreter von DTP, SHP, DYP, ÖDP, EMEP, SDP, CHP, Vertreter der neu gebildeten Moslemischen Linke unter Ertugrul Günay und Mehmet Bekaroglu, Ex-Oberbürgermeister von Antep, Celal Dogan. Vorsitzende der Gewerkschaften KESK, Hak-IS und DISK, Vertreter der Medien und der NGOs sowie der Menschenrechtsorganisationen, IHD, TIHV und Mazlum-Der gaben ihre Ansichten zur friedlichen Lösung der Kurdenfrage bekannt. Insgesamt haben etwa 60 Referentinnen und Referenten die Möglichkeit gehabt, Vorschläge und Meinungen zu Gehör zu bringen. Außerdem haben die Delegierten der 7 Regionen ihre Vorschläge vorgetragen. Schließlich verabschiedete man ein Abschlusskommunique mit detaillierten Vorschlägen und beschloß die Errichtung eines Sekretariats.

Über Zehn Kameras der landesweiten Sender haben über die Konferenz, die auf der Grundlage des Friedensappells der 324 Intellektuellen (s. u.) stattfand, berichtet. Viele Printmedien, an erster Stelle Radikal, Milliyet und Yeni Safak schrieben positiv über das Ereignis.

Die Regierenden, obwohl sie eingeladen waren, blieben der Konferenz fern und verfolgten Mittels einer von einem Gericht in Ankara beauftragten Kamera die Konferenz. Alle Redebeiträge und alle Gesichter wurden gefilmt - etwa als Archivmaterial für eine spätere Geschichtsschreibung der Friedensbewegung in der Türkei!?

An dieser Stelle ist ein persönlicher Dank an die Adresse der Initiatoren und an den Ex-Abgeordneten von DEP Orhan Dogan auszusprechen, die monatelang unermüdlich diese einmalige Konferenz vorbereitet haben.

 

 

Ex-Vize-Chef des Geheimdienstes:
Eine gemeinsame Sprache finden

Belma Akçura, Milliyet

Wer Cevat Önes vergangene Woche auf der kurdischen Konferenz gesehen hat, wie er aufmerksam zuhörte und sich Notizen machte, war zunächst etwas überrascht. Dabei war es Önes, der 41 Jahre Mitarbeiter des MIT war, nachdem er vergangenes Jahr in den Ruhestand getreten war, ohnehin mit seinen verschiedenen Kommentaren in den Medien gelungen, Aufmerksamkeit zu erregen. Önes war 1989 Verantwortlicher des MIT für die Region Diyarbakir. […] Er ist einer der Fachleute, die sich mit der „kurdischen Frage“ am besten auskennen.

Sie haben am vergangenen Wochenende an der kurdischen Konferenz in Ankara teilgenommen und sich ständig Notizen gemacht. Was ist Ihrer Meinung nach das Resultat dieser Versammlung?

Ehrlich gesagt habe ich eine derartig niveauvolle Versammlung nicht erwartet. Die verschiedenen Meinungen in der Beteiligung stellen einen Reichtum dar. Forderungen und Aussprüche basierten nicht auf Parolen oder Symbolen. Die Teilnehmer kamen aus Strukturen mit demokratischer Tradition und brachten das Bedürfnis zur Sprache, das Problem solidarisch zu lösen. Eine Klärung der Forderungen zur kurdischen Identität fand nicht statt, aber die Forderung, die sich herausbildete, zeugt von einer Denkweise, die sich vom Separatismus entfernt und eine Lösung innerhalb der Gesamtheit der Türkei sucht.

Ist die zum Abschluss der Konferenz verabschiedete Erklärung illusorisch oder kommen darin auch Forderungen vor, die so formuliert sind, dass auch der Staat sie positiv betrachten kann?

Grundsätzlich lässt sich ohne Träume gar nichts erreichen. […] Deshalb sollte man die Angelegenheit auch nicht als illusorisch betrachten. Beispielsweise wird der Ausspruch, den Yasar Kemal über die Guerilla gemacht hat, oder die Forderung, bewaffnete Auseinandersetzungen gegenseitig unverzüglich zu stoppen, […] zweifellos viel diskutiert werden. Insbesondere innerhalb staatlicher Strukturen wird eine Diskussion entstehen. […]

Während die Suche nach Lösungen wie auf dieser Versammlung andauert, wird im offiziellen Sprachgebrauch immer noch gesagt, es gibt keine kurdische Frage, sondern ein Terrorproblem…

Man kann dazu kurdische Frage, Südostproblem oder was auch immer sagen, Fakt ist, dass wir ein Problem haben, das wir nicht lösen können… Und wenn wir dieses Problem innerhalb der Geschichte der Republik untersuchen und sehen, dass es sich um ein 80jähriges Problem handelt, das über unsere Grenzen hinaus eine internationale Dimension angenommen hat, wird deutlich, dass es ungelöst ist und die bis heute angewandte Politik erfolglos war. In dieser Situation lässt sich nicht verleugnen, dass Bedarf nach einer neuen Politik des Staates besteht. Sehen Sie, die kurdische Frage ist seit meinem Eintritt ins Arbeitsleben immer das wichtigste Thema gewesen. Auf jeder Sitzung zur nationalen Sicherheit tauchte sie wieder als vorrangiges Thema auf. Sie hat jeden Tag eingenommen, jede Nacht und auch unsere Träume… Man kann sie benennen, wie man will, das Problem besteht.

Sie sagen, die kurdische Frage hat Ihre Träume eingenommen. Haben Sie die Angelegenheit früher auch so betrachtet oder haben Sie sich verändert?

Sprechen wir nicht von Veränderung, sondern von Entwicklung. Ich kann nicht sagen, dass ich sehr anders denke als früher. Ich möchte folgendes betonen: 1989 war ich Vorsitzender des MIT für die Region Diyarbakir. Ich habe die Flüchtlingsbewegungen im Golfkrieg miterlebt. In den Jahren, in denen die PKK einen Aufschwung erlebte, hatte ich die Möglichkeit, die Region von Van bis Hakkari kennen zu lernen. Während die PKK ihren Terror steigerte und jeden Tag in der Türkei Särge eintrafen, konnte ich mich in Diyarbakir ohne Schutz bewegen und die gesamte Region bereisen. Ich habe persönlich gesehen, dass niemand diese Gesamtheit zerstören kann. Und ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Kurden aus dem Nordirak in die Türkei geflüchtet sind und unser Volk, ohne einen Unterschied zwischen Türken und Kurden zu machen, ihnen Unterstützung geleistet haben.

Aber hat der Staat in jener Zeit nicht eine Distanz zwischen sich und der kurdischen Bevölkerung aufgebaut? Hatten Sie keine Gewissensbisse wegen dem, was im Gefängnis von Diyarbakir vor sich ging, oder wegen des Vorgehens gegen die Bevölkerung in der Region?

Das bedeutet, dass unsere Herangehensweise zum Thema Bekämpfung des PKK-Terrors, der als Resultat der historisch bedingten kurdischen Frage entstanden ist, nicht ausreichend war. Wir müssen die in der Vergangenheit gemachten Fehler beheben. Die sterbenden Soldaten sind unsere Bürger, die in den Bergen sterbenden PKKler sind unsere Bürger, unsere Geschwister. Unabhängig von ihrer Identität – wir können sie Terroristen oder anders nennen – sind sie Bürger der Republik Türkei. Das bedeutet, dass jeder Tod etwas ist, das Schmerz hervorruft. Es ist kaum möglich, in einer solch blutigen Atmosphäre keinen Schmerz oder keine Angst zu empfinden. Natürlich handelt es sich um eine Angelegenheit des Systems, um das Resultat der Anwendung eines Systems. Wenn es ein falsch funktionierendes System gibt, entsteht als Resultat Leid. Und deshalb kommt es zu Forderungen wie eben auf dieser Friedenskonferenz.

Werden die notwendigen Lehren daraus gezogen?

Wir müssen unbedingt aus der Vergangenheit Lehren ziehen. Wir müssen kritisieren, Selbstkritik leisten, eine gemeinsame Sprache schaffen, in diesem Rahmen miteinander reden, kritisieren… wir müssen die Angewohnheit aufgeben, über Opfer zu Ergebnissen zu kommen und versuchen, das zu finden, was richtig ist. Ob wir das schaffen? Der Wille dazu besteht in der Türkei, die ihre demokratische Struktur verstärkt und dem Recht Priorität beimisst. Dieser Willen wird sich entwickeln. Bei diesem Thema gibt es keine Rückkehr, denn das ist es, was die Gesellschaft will. Mein Wunsch ist es, dass eine solche Lösung sich nicht verzögert. Es muss endlich die abwartende Haltung aufgegeben, der Wille zur Lösung gezeigt und eine Politik umgesetzt werden, die diesen Willen widerspiegelt. Der Staat muss eins werden mit den Forderungen der Gesellschaft.

Mit was für einer Realität ist die Türkei heute Ihrer Meinung nach zum Thema PKK konfrontiert?

Die PKK ist eine Realität der Türkei… Ein Resultat, das durch die historische kurdische Frage entstanden ist. Wir drücken diese Realität mit dem Begriff Terrororganisation, terroristisch aus. Aber wie man es auch immer ausdrückt, es gibt eine Realität, die verschwinden muss. Diese Ideologie verfügt über eine Massenbasis. Die PKK besteht nicht nur aus 3000 Militanten im Irak. […] Die Generationen haben sich durch den 22 Jahre währenden Kampf geändert. Diese Menschen sind heute in einem Alter, in dem sie Einfluss in der türkischen Politik ausüben können, sie haben das Wahlalter erreicht. Sie haben politische Forderungen und es gibt legale, rechtliche Strukturen, die von dieser Organisation beeinflusst sind und die wir als Ansprechpartner betrachten. Das geht von den Stadtverwaltungen bis zu den zivilgesellschaftlichen Einrichtungen. Außerdem gibt es organisierte Strukturen im Ausland. Das ist die Realität, mit der wir konfrontiert sind. Wenn man die bewaffneten Kräfte im Irak ausschaltet, ist damit das PKK-Problem nicht beendet. Es geht darum, nach der Beseitigung der bewaffneten Kräfte auch die sich fortsetzenden Probleme beseitigen zu können, und sie auf eine legale, rechtliche Ebene des demokratischen Lebens zu ziehen. Das ist es, worum es geht…

Was sollten die Kriterien für eine Partizipation ethnischer Komponenten am politischen Prozess sein?

[…] Sie müssen dazu stehen, eine Partei der Gesamttürkei zu sein, darauf müssen insbesondere die Kurden achten. Daraus resultiert auch die Unsicherheit. Die kurdische Seite muss eindeutiger werden an diesem Punkt. Das zerstörte Vertrauen muss wieder hergestellt werden. […] Dem von der PKK hervorgebrachten Ausdruck von einer „Lösung innerhalb der Gesamtheit der Türkei“ messe ich Bedeutung bei. […]

Was ist der wichtigste Schritt für eine Lösung der kurdischen Frage?

Um diese Frage lösen zu können, muss ein Schritt über die Parteien hinweg gesetzt werden, es muss Entschlossenheit gezeigt werden, vielleicht auch die Entschlossenheit, die Macht zu verlassen. Dafür sind nicht ausreichend Bestrebungen gezeigt worden. Zweifellos hat eine Lösung der kurdischen Frage eine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Dimension, aber zu 60 Prozent handelt es sich um ein psychologisches Problem. […]

Sollte die Zehnprozenthürde abgeschafft werden? Sollte den Kurden ein Vertretungsrecht im Parlament zugestanden werden?

Eine grundlegende Regel der Demokratie ist das Recht auf Vertretung, das die Verwirklichung von Gerechtigkeit darstellt. Wenn man die Angelegenheit so betrachtet, dann müssen die kurdischen Bürger ein Vertretungsrecht haben. Sie müssen die Möglichkeit haben, im politischen Kampf ihren Platz einzunehmen. […]

(Aus Nützliche Nachrichten 1/2007, dialogkreis@t-online.de; Milliyet, 18.1.07, ISKU)

 

 

 

Friedensmanifest von Yasar Kemal

Vorgetragen auf der Konferenz „Die Türkei sucht ihren Frieden“ am 13. Und 14. Januar 2007 in Ankara

„[…] Das zwanzigste Jahrhundert war ein Jahrhundert, in dem Ereignisse stattfanden, die der Menschheit nicht zu Gesicht gestanden haben. Zwei blutige Weltkriege sind in diesem Jahrhundert ausgebrochen, große Völkermorde wurden in diesem Jahrhundert begangen. Wir haben ein schreckliches Jahrhundert hinter uns gelassen.

Die Menschen, die nach dem ersten Weltkrieg zurückblieben, waren nicht mehr die gleichen wie vor dem Krieg. Sie waren Ängsten ausgeliefert, hatten kein Selbstvertrauen mehr, waren hoffnungslos und hatten ihre Kreativität und ihre Persönlichkeit verloren… Die Lage nach dem zweiten Weltkrieg war noch schlimmer. Und der dritte Weltkrieg, also der Kalte Krieg […]. Wir können nicht sagen, dass die Menschheit sich komplett von den Zerstörungen dieser Kriege befreit hat. Und das Warten auf einen Atomkrieg, der die Welt in einen Feuerball verwandelt… Darauf warten, wann der Krieg ausbricht, ist wie das Warten auf den Tod.

Jetzt werden Sie fragen, ob sich alles Schlechte auf falsche Kriege schieben lässt. Natürlich mache ich nicht nur den Krieg für alles verantwortlich, was die Menschen unglücklich macht. Aber das meiste Unglück resultiert aus dem Krieg… Kriege sind ein Todesbefehl für die Menschen. Kriege sind der Tod für die Erde, auf der wir leben, für die Natur.

Wir haben voller Ängste und Schmerz ein Jahrhundert hinter uns gelassen […], aber in diesem Jahrhundert haben auch Dinge stattgefunden, die der Menschheit Ehre machen, die die Gesichter der Menschen aufhellen. Die Menschheit kann sich auch loben für Dinge, die sie getan hat.

Europa versucht zunehmend, sich von den Auswirkungen der drei großen Kriege zu befreien, und das wird gelingen. So große Anstrengungen werden nicht leer verlaufen. Die Europäische Union wurde nicht umsonst gegründet. Sie wurde für einen unsterblichen Frieden gegründet, für eine gegenseitige Beeinflussung der Kulturen. Für eine glückliche Welt ohne Kriege. Um Wege zum Frieden, zur Schönheit, zur Achtung der Menschenwürde zu ebnen, damit Menschen keine Menschen mehr erniedrigen und ausbeuten.

Bei meinen Worten handelt es sich nicht um Wunschdenken. Der Hauptgrund für die Gründung der Europäischen Union ist der Frieden. […] Auf diese Hoffnung setzte die Gemeinschaft Europas. Denn sie hatte drei schreckliche Kriege erlebt, die die gesamte Menschheit hätten auslöschen können. […]

Kommen wir jetzt zu unserem ‚Krieg light’, wie die seit 25 Jahren andauernden Auseinandersetzungen niedriger Intensität auch genannt werden. Obwohl mehrere Male ein Waffenstillstand ausgerufen wurde, hört dieser unser Krieg einfach nicht auf. Wie und warum findet er kein Ende? Hierfür muss es einen unbekannten Grund geben. Der erste Weltkrieg hat vier Jahre gedauert, der zweite sechs Jahre. Wie lange unser 25-jähriger Krieg noch andauert, ist ungewiss.

Unserem Land ist durch diesen Krieg großer Schaden entstanden. Von denen, die im Krieg kämpfen, sind 30.000 Menschen gestorben. Die Anzahl der zivilen Krieger, die Dorfschützer genannt werden, belastet mit über 70.000 das Gewissen unseres Landes. Die meisten Häuser in 5000 Dörfern wurden niedergebrannt. Die Bewohner verloren sich in anderen Teilen des Landes. Ein Teil von ihnen ist unter Hunger und Armut zusammen gebrochen. ‚Morde unbekannter Täter’ wurden zum normalen Teil des Krieges. Prominente Kurden wurden auserwählt und fielen Morden unbekannter Täter zum Opfer. Ein Teil der staatlichen Institutionen wurde korrumpiert. Hätte es schlimmer sein können, wenn wir in den zweiten Weltkrieg eingetreten wären?

Dieser Krieg hat der Türkei das Rückgrat gebrochen. Wir sind zu einem Land geworden, das gegen die eigene Bevölkerung kämpft. Vor den Augen der Welt verschlechtert sich unsere Lage zunehmend. Unter keinen Umständen wird uns Recht gegeben.

Die Welt verfolgt unsere Lage ebenso sehr wie wir selbst. Wir haben die Guerilla Terroristen genannt und davon Hoffnung erwartet (dass alle daran glauben, sie sind Terroristen, Anm.d.V.).Begriffe können sich jederzeit und unter allen Umständen verändern und eines Tages unbrauchbar werden. Am Anfang waren die Gründe dafür, in die Berge zu gehen, weitgehend unbekannt. Man dachte, es handele sich mehr um ein Abenteuer. Wer in die Berge ging, hatte zuvor studiert, einige hatten ihr Studium bereits beendet. Fast alle, die in die Berge gingen, konnten lesen und schreiben. Die europäischen Medien maßen dem keine Wichtigkeit bei. Heutzutage dagegen wissen die weltweiten Medien alles über uns. Ein Krieg, der vor den Augen der Welt fortgesetzt wird, ist ein Krieg, der das Land verrotten lässt.

Und es heißt, dass 100 Milliarden Dollar in diesen Krieg gesteckt wurden. Sie können sagen, was sie wollen, diese Zahl ist nicht richtig. Es wurde noch viel mehr Geld verbraucht. Und die anderen Verluste? Unter dieser Bürde kann das Land nicht wieder aufstehen.

Wenn man nach dem Hauptgrund für die Entstehung der großen Zivilisationen fragt, wird deutlich, dass die Gegenden, in denen sie aufgeblüht sind, die fruchtbarsten und klimatisch gesehen die ergiebigsten waren. Zum Beispiel Ägypten, Westanatolien, Mesopotamien… Dazu gehören auch Ost- und Südanatolien. Sowohl West- als auch Ostanatolien sind die Wiege vieler Zivilisationen. Dass Ostanatolien die Wiege vieler Zivilisationen war, ist nicht ausreichend bekannt. Die Böden Ostanatoliens haben den Zivilisationen Mesopotamiens geholfen, so wie Euphrat und Tigris…

Mesopotamien hat seinen Namen von diesen beiden Flüssen erhalten. Diese Gegend war die Wiege vieler Zivilisationen wie die der Urartu  und der Hurriter. Heute leben die Menschen dieser Gegend in Armut. Vor diesem Krieg waren die Menschen dieser Gegend trotz allem nicht so arm. Die Felder der Menschen, die in diesem Krieg vertrieben wurden, sind leer geblieben. Die Viehwirtschaft ist vorbei, die Gärten vertrocknet. Die Bienenkörbe sind leer. Die Dorfschützer haben alles, was in diesen Dörfern übrig geblieben ist, geraubt. Zwischen Dorfschützern und solchen, die keine Dorfschützer sind, ist eine irreparable Feindschaft entstanden. Auch in den Dörfern, deren Bewohner nicht vertrieben wurden, ist das Leben vergiftet.

Wie konnte eine ganze Gegend mit allem, was sie ausmacht, zur Armut verurteilt werden? […] Unser Staat führt Krieg, die Bevölkerung wird vertrieben, die fruchtbaren Böden bleiben unbestellt… Die Vertriebenen wurden Hunger und Elend ausgesetzt, und ihre Kinder schickten sie unweigerlich in die Berge… Wie viele junge Menschen sind in die Berge gegangen, weiß die Regierung ihre Anzahl?

Und weiß der Staat, wie sehr diese Haltung der Türkei geschadet hat? Wissen unsere kriegsliebenden Nationalisten, welchen Schaden diese Gewalt, dieser Krieg der Türkei zugefügt hat? Weiß jemand, wie sehr wir uns mit diesem Krieg verausgabt haben, wie sehr wir uns mit jedem weiteren Tag verausgaben werden? Weiß jemand, wohin wir mit diesem Verlauf kommen?

Macht, was Ihr wollt, aber spielt nicht mit der Würde eines Menschen, eines Volkes! Diese Worte sind seit meiner Jugend Balsam für meine Zunge. Aber unsere Regierenden haben das Gegenteil getan. Es gibt nichts, was sie dem Volk nicht angetan hätten. […]

In unserem Land gibt es Rassisten, die sich nationalistisch geben. Auch sie haben einen Satz, der für sie Balsam ist: Der Türkei hat keinen anderen Freund als den Türken. Etwas Schrecklicheres lässt sich nicht zu der Bevölkerung eines Landes sagen. Und zu den Kurden sollte man so etwas schon gar nicht sagen. Sie werden es übel nehmen. Ich sage folgendes zu den lieben nationalistischen Freunden, damit sie sich freuen und es ihnen besser geht: Türken haben noch andere Freunde als Türken. Nicht heimlich und verborgen. Seit Malazgirt (Im Jahr 1071 fand hier die Schlacht von Manzikert statt, in der die Seldschuken unter Alp Arslan das Byzantinische Reich besiegten NN) sind Kurden und Türken Freunde. Das hat bis zum Befreiungskrieg angedauert (Gemeint ist der Krieg gegen die alliierten Siegermächte nach dem Ersten Weltkrieg, die das osmanische Reich aufteilen NN.) Manche sagen, wenn die Kurden nicht gemeinsam mit den Türken im Befreiungskrieg gewesen wären, wäre dieser Krieg sehr viel schwerer gewesen.

Es war die große Intelligenz von Mustafa Kemal Pascha, die diese Schwierigkeit bewältigte. Warum machte er den Kongress nicht in Samsun, nachdem er dort angekommen war? Oder wenn das nicht passend war, weil es am Meeresufer liegt, warum nicht in Amasya oder in Ankara? Dieser große intelligente Mensch musste einen wichtigen Beweggrund dafür haben. In Erzurum war eine Armee, die unter dem Befehl des Armeeinspekteurs hätte stehen müssen. Kommandant der Armee war General Kazim Karabekir, er folgte dem Ruf des Armeeinspekteurs, sagte „Zu Befehl, mein General“, und ab da stand an der Seite des Armeeinspekteurs eine weitere Kraft: Das waren die Kurden.

In Erzurum kam als Vertreter der Kurden Haci Musa dazu. Mit ihm wurde eine schriftliche Vereinbarung getroffen, die verloren gegangen ist. […]

Und dann gab es die Konferenz von Lausanne. Wenn die Kurden nicht auf die Türkei, sondern auf die Engländer gesetzt hätten, sähe ihre Lage heute wohl anders aus. Vor der sowjetischen Revolution hatte sich ein Teil der Kurden mit den russischen Kurden vereinigt. Doch die Mehrheit blieb bei den Osmanen. Wenn die Kurden sich nicht den Osmanen, sondern den russischen Kurden angeschlossen hätten, hätten die Sowjets später nicht einen Sowjetstaat daraus gemacht? Und wenn das so ist, warum haben sie soviel Leid und Einsamkeit akzeptiert? Wussten die Kurden nichts von der Welt? Wenn man die Politik dieses Staates betrachtet, könnte man sie als dumm bezeichnen.

Die Großen in unserem Staat und unsere Medienvertreter sagen, wenn die Kurden im Irak unabhängig werden, müssen wir das als Kriegsgrund betrachten. Warum? Was gehen Euch die Kurden im Irak an? Jeder soll glauben, was er will, ich wende mich an unsere nationalistischen Rassisten: Wenn wir einen Freund haben auf dieser Welt, dann sind es die irakischen Kurden im Süden, die auf den Ölquellen sitzen.

Ein solcher Freund hat den Wert vieler Freunde. […] Die Kurden im Nordirak wollen keine Unabhängigkeit, weil diese nicht in ihrem Interesse liegt. Sie wollen aus ganzem Herzen eine Föderation. […]

Einige Menschen, der Staat, die Medien, alle sagen sie, die Kurden werden die Türkei spalten. Vielleicht wissen sie irgendetwas, was sonst niemand weiß. Vielleicht wissen sie, dass diese Gewalt nicht aufhören wird, und wenn sie das nicht wissen, dann ist es das, was sie wollen. Vielleicht weiß auch niemand irgendetwas.

So sehr ein Krieg auch in niedriger Intensität stattfindet, es ist trotzdem Krieg. Auch wenn der Staat, der eine Fortdauer des Krieges befürwortet, sehr stark ist, so hat er trotzdem Verluste und Verschleiß. Wir sehen, dass die Macht, über die diejenigen verfügen, die diesen Krieg sinnlos fortsetzen, ihnen nicht viel nützt. Das Leid des Krieges ist in allen Herzen.

Die Kurden wollen Frieden. Wenn ihr Wunsch nicht von Herzen kommt und es sich lediglich um ein Manöver handelt, dann würde das schnell offensichtlich. Es gibt nationalistische Rassisten in unserem Land, die die Kurden diskriminieren. Sie haben die Freiheit, alles zu sagen. Aber sie haben keine Ahnung von der Welt und von den Menschen im Land. Obwohl unsere Bevölkerung sich nach Frieden sehnt, haben sie den Segen der Demokratie nicht erreicht. Wenn es so weiter geht, werden wir die Wohltat der Demokratie nicht erleben. In unserem Zeitalter ist es eine Ehre für ein Land, zur Demokratie zu kommen.

Vor vielen Jahren habe ich gesagt, dass Demokratie von der kurdischen Frage abhängt. Verbiete die Sprache von Millionen von Mitbürgern, verbiete Schulen, in denen die eigene Sprache gesprochen und geschrieben wird, verbiete auch Universitäten, die die eigene Sprache erforschen… Die Kurden sind aus Lausanne nicht als eine Minderheit hervorgegangen. Gut, dass sie keine Minderheit sind. Es ist fast nichts übrig, was den Kurden nicht verboten worden ist.

Wie könnten die Geschwister, die seit Malazgirt Geschwister sind, die im Befreiungskrieg gemeinsam für die Befreiung gekämpft haben, die sich gemeinsam über den Sieg gefreut haben, als Minderheit betrachtet werden? Die Kurden haben sich selbst niemals als eine Minderheit betrachtet. Auch wenn ihnen das Menschsein vorenthalten wurde, haben sie sich nicht als Minderheit betrachtet. Trotz Vertreibung und Erniedrigung, obwohl ihre Sprache als erfunden bezeichnet wurde, haben sie nie gesagt, dass sie eine Minderheit seien. Denn sie sind keine Minderheit, sie sind Geschwister. Das kann niemand ihnen nehmen. Dafür sprechen die letzten tausend Jahre.

Wenn die Verbote der letzten achtzig Jahre nicht wären, wenn nicht vergessen worden wäre, dass die Kurden Geschwister sind, wenn sie nicht mit Verboten erstickt worden wäre, würden wir heute nicht so reden. Das türkische Volk hat die Geschwisterlichkeit nicht vergessen. Gegen die Kurden wurde fürchterliche Propaganda gemacht. Sie wurden Opfer von Lynchmorden, und in der Verbannung wurden sie erneut in die Regionen vertrieben, aus denen sie gekommen waren. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um einen Bürgerkrieg zu provozieren. Aber die Menschen, die hier gemeinsam leben, haben diese Provokationen nicht zugelassen. Das ist eine Haltung, die Anlass zur Freude und Hoffnung gibt. […]

In unserem Zeitalter besteht ein Kulturproblem. Insbesondere in den letzten Jahren wird viel zu Kultur gearbeitet. […] Es ist nicht umsonst, dass der Kultur zunehmend mehr Bedeutung beigemessen wird auf der Welt. Was den Menschen zum Menschen macht, ist die Kultur.

Die Welt ist ein Kulturgarten mit Tausenden Blumen. Jede Blume hat eine eigene Farbe, einen eigenen Geruch. Die Menschheit müsste vor jeder Kultur zittern. Es gibt Tausende Kulturblumen, wenn wir eine davon pflücken, verliert die Menschheit einen Geruch, eine Farbe.

Bis zum Imperialismus haben die Kulturen sich gegenseitig genährt, ebenso die Zivilisationen. Es gibt keine Kultur und keine Zivilisation auf dieser Welt, die sich allein entwickelt hat.

Eine Reihe von Personen, die sich selbst zu den Wissenschaftlern und Intellektuellen dieses Landes zählen, zerreißt sich förmlich, um zu beweisen, dass eine Multikultur nicht möglich ist – und das in Anatolien, der Wiege großer Kulturen. Für diese Menschen zu sprechen, steht uns nicht zu.

Der Imperialismus hat von der Renaissance als Erbe zwei Begriffe übernommen: „Primitive und überlegene Menschen“. Und die Imperialisten haben sich selbst als berechtigt gesehen, den primitiven Menschen Kultur und Zivilisation zu bringen.

Wenn wir eine wirkliche Demokratie nach Anatolien bringen wollen, dann werden die Kulturen Anatoliens sich wieder gegenseitig nähren und Anatolien wird wie in früheren Zeiten einen reichen Beitrag zu Menschheitskultur leisten.

Wenn sich die Menschen eines Landes dafür entscheiden, menschenwürdig zu leben, wenn sie das Glück und die Schönheit wählen, dann geht das zunächst über die universellen Menschenrechte und dann über die universelle, grenzenlose Gedankenfreiheit. Die Menschen der Länder, die sich dagegen stellen, werden im 21. Jahrhundert als Menschen leben, die ihre Würde verloren haben und nicht in das Gesicht der Menschheit schauen können.

Wir haben es in der Hand, die Ehre, das Brot und den kulturellen Reichtum unseres Landes zu schützen.

Entweder eine wahre Demokratie oder nichts…“

Ankara, 13. Januar 2007

(Aus Nützliche Nachrichten 1/2007, dialogkreis@t-online.de; Übersetzung: ISKU, Quelle: ANF, 13.01.2007)

 

 

Roadmap für Frieden

Die zweitägige Konferenz „Die Türkei sucht ihren Frieden“ in Ankara ist mit einer Abschlusserklärung und einem Programmentwurf für die kommende Zeit beendet worden. Geplant ist unter anderem eine Institutionalisierung über die Einrichtung eines Büros zur Koordination der anfallenden Arbeit.

In der Abschlusserklärung wird auf die Notwendigkeit verwiesen, von einer Benennung der kurdischen Frage als einem Terrorproblem abzusehen. Im Folgenden veröffentlichen wir die Erklärung in Ausschnitten:

„Die Friedensarbeit, die im vergangenen Jahr über Konferenzen in Ankara, Izmir, Mersin, Istanbul, Samsun und Diyarbakir begonnen wurde, hat mit unserem zweitägigen Zusammenkommen eine neue Etappe erreicht.

In breiter Form wurde darüber diskutiert, was für die Verwirklichung des Friedens getan werden kann. Hunderte Intellektuelle, Schriftsteller, Gewerkschaftler, Politiker, Arbeitgeber aus allen Regionen […], Frauen und Männer jeden Alters, haben sich getroffen und erste Schritte für ein Friedensprojekt getan. […]

Wir wissen um die Bedeutung und die Schwierigkeit der Aufgabe, die wir übernommen haben. Aber wir wissen auch, dass das historische Potential der Türkei so verwurzelt ist, dass es eine starke Grundlage für unsere Anstrengungen bietet. Und wir sind sicher, dass Türken, Kurden und alle Völker sich aufrichtig nach einem gemeinsamen neuen Leben sehnen. […]

Auf unserer Konferenz sind die Grundzüge eines Friedensprogramms unter Berücksichtigung der juristischen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimension entworfen worden. […] Die auf der Konferenz vorgetragenen Meinungen und Vorschläge, auf die man sich geeinigt hat, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Politische Vorschläge

·         Es muss davon abgesehen werden, die kurdische Frage als ein Gewalt- und Terrorismusproblem zu bezeichnen. Beteiligt an diesem Problem sind nicht nur bewaffnete Kräfte.

Bei dem Problem handelt es sich um ein Problem der gesamten Türkei mit ihren Städten und Dörfern, ihrer Zivilgesellschaft, ihren politischen Organisationen, offiziellen Institutionen und allen sozialen Schichten. Es handelt sich um eine Frage von sozialem Frieden und Gerechtigkeit. […]

·         Eine sofortige beidseitige Einstellung der bewaffneten Auseinandersetzungen bietet die Möglichkeit, Zeit für die Erstellung ziviler Lösungen zu gewinnen und eine Grundlage zu schaffen. […]

·         Frieden beginnt mit der Sprache; von ausgrenzenden und Feindschaft erzeugenden Begriffe muss abgesehen werden. Die Sprache der Politik muss frei von Nationalismus und Diskriminierung sein. […]

·         Alles, was die Kurden daran hindert, aktive Subjekte auf politischem Gebiet zu sein, muss abgeschafft werden. Die hohe Wahlhürde darf eine gerechte Vertretung nicht mehr verhindern. Gesetzesregelungen, über die Aktivitäten politischer Parteien eingeschränkt oder verboten werden, müssen geändert werden. Es muss ein neues Parteiengesetz erlassen werden. […] Politische Vertreter und Parteien der Kurden müssen im Friedensprozess auf jedem Niveau als legitime Dialogpartner anerkannt werden.

·         Eine neue Verfassung muss erstellt werden als Ausdruck des Willens, gemeinsam zu leben. […]

·         Eine Kommission bestehend aus Müttern, die im Krieg ihre Kinder verloren haben, wird die Friedensarbeit verstärken.

·         Alle gesetzlichen und praktischen Hinderungsgründe für eine aktive Beteiligung von Frauen in zivilen, offiziellen und politischen Institutionen und Einrichtungen auf jedem Niveau müssen beseitigt werden.

·         Es muss eine geplante politische Amnestie oder ein Programm zur demokratischen Partizipation erlassen werden, über das eine Beteiligung am gesellschaftlichen, öffentlichen und politischen Leben möglich wird und mit dem niemand vor den Kopf gestoßen wird.

·         Alle Spuren des Ausnahmezustandsregimes (OHAL) müssen getilgt werden. Es muss zu einer Lebensform übergegangen werden, in der gewöhnliche Bedingungen herrschen und das Rechtssystem Gültigkeit hat. Dafür müssen die ‚Morde unbekannter Täter’ aufgeklärt werden, Täter dürfen nicht geschützt, sondern müssen in gerechter Weise verurteilt und bestraft werden.

·         Das Dorfschützersystem muss aufgehoben, die Dorfschützer in ein anderes Arbeitsfeld mit sozialen Sicherheiten weitergeleitet werden. Alle wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Verwüstungen, die durch die zwangsweise Migration entstanden sind, müssen behoben werden. Die gesamte Region muss unverzüglich von Minen gesäubert werden.

Wirtschaftliche Vorschläge

  • Es müssen ein Aufschwungsplan und Projekte umgesetzt werden, die auf einer positiven Diskriminierung basieren und geeignet sind, die große Armut in der Region sowie das Ungleichgewicht zwischen den Regionen aufzuheben. […]

Soziale und kulturelle Vorschläge

  • Die Existenz verschiedener Kulturen in unserem Land muss als eine historische und soziologische Tatsache Anerkennung finden. Die durch Verleugnung und Verbote entstandene Kulturzerstörung muss beendet werden. Der kulturelle Bereich muss vor Repression und Angriffen kulturellen Rassismus, der zu einer Ghettoisierung der Identitäten führt, geschützt werden.
  • Es müssen rechtliche und gesetzliche Regelungen getroffen werden, damit kurdisch im öffentlichen Bereich frei gesprochen werden kann. Mehrsprachige Dienstleistungen und politische Aktivitäten müssen möglich sein.
  • Die Erforschung, Entwicklung und Lehre der kurdischen Sprache und Literatur dürfen nicht behindert werden. […]

Vorschläge zum Bereich der Medien und
gesellschaftlicher Kommunikationsmittel

  • Die Medien müssen von einer Sprache absehen, die Kriegshandlungen legitimiert und zum Normalzustand macht. Es muss eine Sprache Verwendung finden, die Wert legt auf gegenseitiges Verständnis und Gemeinsamkeit. Die Medien müssen Verantwortung für die Bildung einer Sprache, einer Ethik und von Werten des Frieden übernehmen. […]

Als Resultat hat diese Konferenz gleichzeitig die Funktion eines Friedensrates übernommen. Um jedoch den entstandenen Programmentwurf auszuarbeiten, der Gesellschaft nahe zu bringen und auf die politische Tagesordnung zu setzen, besteht Bedarf nach einer langfristigen, organisierten Arbeit, die durch eine gesellschaftliche Beteiligung bereichert werden wird. Unser Ziel ist es, die Vorreiterrolle in einer gesellschaftlichen Organisierung zu spielen, mit der der Frieden aufgebaut wird. […]“

(Aus Nützliche Nachrichten 1/2007, dialogkreis@t-online.de; Übersetzung: ISKU, Quelle: ANF, 14.01.2007)

 

 

324 Intellektuelle melden sich
für Frieden zum Wort

In einem Appell haben die Schriftsteller Yasar Kemal, Mehmed Uzun, Adalet Agaoglu, Murathan Mungan und Vedat Türkali sowie hunderte weitere Künstler, Akademiker, Repräsentanten zivilgesellschaftlicher Einrichtungen, Journalisten und ehemaliger Minister und Parlamentarier ihre Forderungen und Vorschläge für Frieden und die Lösung der Kurdenfrage der Öffentlichkeit vorgestellt.

In dem Text der 324 Intellektuellen heißt es:

Lasst uns die Sprache des Friedens sprechen,
nicht die des Krieges

„Sprechen wir die Sprache des Friedens, nicht die des Krieges. Durch die Gewaltpolitik haben wir sehr viel verloren. Jahrelang sind Tausende unserer Mitmenschen gestorben, wurde unsere Sozialstruktur zerstört. Den Beschluss, die bewaffneten Aktionen einzustellen, betrachten wir als wichtigen Schritt zur Beendigung der Kriegssituation. Dies können und müssen wir alle zur Entwicklung von ziviler Lösungsdynamik nutzen. Doch für die endgültige Beendigung der Kriegssituation müssen sämtliche Waffen für immer schweigen – die in der Aktion, die in Gedanken und die im Herzen.

Die unwiederbringlichen Verluste und das Leid, das wir erlitten haben, sind der Beweis dafür, dass Gewalt keine Lösung ist. Zur Etablierung eines demokratischen Politikverständnisses muss jede Art von Gewalt abgelehnt und die Sprache des Krieges aufgegeben werden.

Eine militaristische Sicherheitspolitik, die mit den Worten „Bis kein einziger Terrorist mehr übrig ist...“ beginnt, stoppt das Blutvergießen nicht, nährt vielmehr das hasserfüllte Gerede und verstärkt die Abhängigkeit von Mächten, die eigene Interessen bezüglich der Region verfolgen. Dabei ist das Problem unser Problem. Und es ist mit unser aller Bemühung nur hierzulande zu lösen. Vor allem fordern wir von den staatlichen Institutionen einen Lösungsansatz, der nicht Krieg und Tod in den Mittelpunkt der Politik stellt, sondern das Leben. Der politische Wille muss die Verantwortung für die Lösung übernehmen.

Um ein Klima der Sicherheit zu schaffen, dem das Menschenleben als höchstes Gut zugrunde liegt, müssen gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die den jungen Menschen in den Bergen die Teilnahme am gesellschaftlich-öffentlichen Leben wieder ermöglichen können. Ein solcher Schritt ist dringend notwendig, damit die Gewalthandlungen vollständig beendet werden können und dem Sterben junger Menschen, die in der Region ihren Militärdienst leisten, Einhalt geboten werden kann.

Eine Senkung der Zehnprozenthürde, die die Widerspiegelung des Willens eines Großteils der Bevölkerung im Parlament gegenwärtig verhindert, wird ein wichtiger Schritt zur „Repräsentationsgerechtigkeit“ sein.

Alle gesetzlichen Hindernisse, die eine Integration der kurdischen Identität, Sprache und Kultur in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens verhindern, müssen abgeschafft werden, so wie dies für alle Kulturen zu gelten hat. Meinungs- und Organisationsfreiheit müssen uneingeschränkt gewährleistet werden.

Die Lösung des Dilemmas der durch tiefe Armut und Entbehrung entstandenen Hoffnungslosigkeit ist erreichbar, indem man die Überwindung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit zwischen den Regionen neu in Angriff nimmt.

Alle, die in Freiheit und Sicherheit leben wollen, laden wir ein, über die Entstehungsgründe von Gewalt nachzudenken und sich ehrlich all dem zu stellen, was wir getan und was wir unterlassen haben.

Die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft erfordert von uns die Einsicht, dass unsere Schicksale aufs engste miteinander verbunden sind. Was einer von uns verliert, ist der Verlust von uns allen. Sprechen wir die Sprache des Friedens, nicht die des Krieges. Treffen wir uns in der zivilen Lösung.“

Die Unterzeichnenden: Selma Acuner, Yrd. Doc. Hülya Adak, Prof. Fikret Adaman, Selma Agabeyoglu, Adalet Agaoglu, Müslüm C. Akalin (Vorsitzender der Anwaltskammer Sanliurfa), Prof. Asaf Savas Akat, Ömer Akat, Ezel Akay, Tuncay Akgün, Nebahat Akkoc (KA-MER Baskani), Üstün Akmen, Prof. Nazan Aksoy, Dr. Cengiz Aktar, Prof. Gülen Aktas, Yrd.Doc. Ilker Aktügün, Yusuf Alatas (Vorsitzender von IHD), Orhan Alkaya, Ahmet Alp (Vorsitzender der Anwaltskammer Bingöl), Necmiye Alpay, Sahin Alpay, Samil Altan, Yrd.Doc. Ayse Gül Altinay, Prof. Kuban Altinel, Cagatay Anadol, Prof. Ibrahim Anil, Prof. Hacer Ansal, Nevzat Anuk (Vorsitzender der Anwaltskammer Hakkari), Müjde Ar, Fahri Aral, Prof. Yesim Arat, Prof. Sadun Aren, Rusen Arslan, Hüseyin Atabas, Sabih Atac, Akin Atalay, Dr. Adem Avcikiran (Vorsitzender der Ärztekammer Diyarbakir), Abdullah Aydin, Zekeriya Aydin, Ergun Babahan, Ayse Semiha Baban, Prof. Selim Badur, Metin Bakkalci, Prof. Yaman Barlas, Celal Baslangic, Oya Baydar, Ali Bayramoglu, Saadet Becerikli (Vorsitzender von IHD Batman), Sahismail Bedirhanoglu (Vorsitzender von GÜNSIAD), Mehmet Bekaroglu, Cengiz Bektas, Bahri Belen, Prof. Murat Belge, Sevim Belli, Prof. Halil Berktay, Prof. Ilhan Berktay, Celal Besiktepe, Ibrahim Betil, Sefik Beyaz, Ayhan Bilgen (Vorsitzender von MAZLUM-DER), Akin Birdal, Tuncay Birkan, Kemal Birlik (ehem. Parlamentarier), Yrd.Doc. Hale Bolak, Tanil Bora, Gaye Boralioglu, Adnan Bostancioglu, Abdülkadir Budak, Prof. Ayse Bugra, Celalettin Can, Prof. Resit Canbeyli, Caner Canerik, Arif Ali Cangi, Zeynep Casalini, Gülsüm Cengiz, Firat Ceweri, Aydin Cingi (Vorsitzender von SODEV), Ergin Cinmen, Bilge Contepe, Ayhan Cabuk (Vorsitzender der Anwaltskammer Van), Önder Cakar, Prof. Ahmet Cakmak, Yrd.Doc. Koray Caliskan, Ipek Calislar, Oral Calislar, Musa Cam, Süleyman Celebi (Vorsitzender von Gewerkschaft DÝSK), Yrd.Doc. Ayse Betül Celik, Aziz Celik, Murat Celikkan, Fethiye Cetin, Hikmet Cetinkaya, Dr. Metin Cilgin (Vorsitzender der Ärztekammer Mardin), Ihsan Cölemerik, Aydin Cubukcu, Özlem Dalkiran, Meral Danis, Abdulhakim Das (DGD Platformu Baskani), Timur Demir (Vorsitzender der Anwaltskammer Agri), Necmettin Demiralp, Seyhmus Diken, Adalet Dinamit, Doc. Zeynep Direk, Erdal Dogan, Orhan Dogan (ehem. Parlamentarier), Levent Dönmez, Alican Ebedinoglu (Diyarbakir Esnaf ve Sanatkarlar Odasi Baskani), Prof. Alp Eden, Tahsin Ekinci, Berzan Ekinci, Dr. Tarik Ziya Ekinci, Adnan Ekmen (ehem. Staatsminister), Nursirevan Elci (Vorsitzender der Anwaltskammer Sirnak), Prof. Mehmet Elbistan, Aydin Engin, Yilmaz Ensaroglu, Sükrü Erbas, Prof. Fazil Hüsnü Erdem, Prof. Sema Erder, Nese Erdilek, Prof. Kadir Erdin, Asli Erdogan, Prof. Nergis Erdogan, Barista Erdost, Prof. Dogu Ergil, Prof. Nazim Ergin, Yalcin Ergündogan, Prof. Büsra Ersanli, Dr. Tülay Ertan, Prof. Mustafa Ertas, Tugrul Eryilmaz, Prof. Ayse Erzan, Prof. Selcuk Esenbel, Oktay Etiman, Seydi Firat, Prof. SebnemKorur Fincanci, Dr. Vedat Ünlü Gedik (Vorsitzender der Ärztekammer Batman), Yüksel Genc, Gündüz Gencay, Güngör Gencay, Prof. Fatma Gök, Asli Göksel, Prof. Günay Göksu Özdogan, Prof. Melek Göregenli, Dr. Zeki Gül, Hülya Gülbahar, Prof. Cengiz Gülec, Mehmet Güleryüz (Uluslararasi Plastik Sanatlar Dernegi Baskani), Ayse Günaysu, Berat Güncikan, Ihsan Gündogdu, Mahir Günsiray, Prof. Ayla Gürsoy, Prof. Gencay Gürsoy, Mahmut Güven (Vorsitzender der Anwaltskammer Mardin), Yasar Güven, Ayse Berktay Hacimirzaoglu, Üstün Hakman, Ziya Halis (ehem. Arbeitsminister), Prof. Sükrü Hatun, Prof. Sibel Irzik, Prof. Gürol Irzik, Prof.Ahmet Ýcduygu, Doc. Mahmut Ilhan, Pinar Ilkkaracan, Prof. Nihal Incioglu, Prof. Ahmet Insel, Dr. Necdet Ipekyüz, Sükran Irencin, Ibrahim Ispir, Hicri Izgören, Mahmut Kacan, Murat Kalaycioglu, Dr. Vedat Kalender (Vorsitzender der Ärztekammer Sanliurfa), Özgür Ulas Kaplan (Vorsitzender der Anwaltskammer Tunceli), Canol Karagöz, Ercan Karakas (ehem. Kulturminister), Prof. Erol Katircioglu, Osman Kavala, Salman Kaya (ehem. Parlamentarier), Yildirim Kaya, Atilla Kaya, Yasar Kemal, Doc. Ferhat Kentel, Filiz Kerestecioglu, Doc. Ferda Keskin, Muammer Ketencioglu, Prof. Caglar Keyder, Prof. Fuat Keyman, Doc. Dursun Kirbas, Erol Kizilelma, Muhsin Kizilkaya, Önder Kizilkaya, Vasif Kortun, Nedim Köroglu, Doc. Ruhi Köse, Prof.Oya Köymen, Mustafa Köz, Pinar Kür, Prof. Kuvvet Lordoglu, Beral Madra, Perihan Magden, Migirdic Margosyan, Cigdem Mater, Tayfun Mater, Nadire Mater, Orhan Miroglu, Murathan Mungan, Dr.Esra Mungan, Gündüz Mutluay, Yrd.Doc. Özgür Müftüoglu, Yrd.Doc. Berna Müftüoglu, Prof. Ali Nesin, Turgay Ogur, Yilmaz Onay, Prof. Baskin Oran, Ahmet Öcal (Vorsitzender von MÜSIAD Diyarbakir), Prof. Ayse Öncü, Hüsnü Öndül, Yavuz Önen (Vorsitzender von TIHV), Seyfi Öngider, Doc. Nadir Özbek, M.Ali Özel (Vorsitzender der Anwaltskammer Siirt), Doc. Ahmet Özer, Mehmet Özer, Sedat Özevin (Vorsitzender der Anwaltskammer Batman), Zozan Özgökce (Van Kadin Dernegi Baskani), Noyan Özkan, Fadil Öztürk, Mesut Öztürk, Prof. Süleyman Özyalcin, Adnan Özyalciner, Dr. Murat Paker, Prof. Sevket Pamuk, Prof. Jale Parla, Dr. Ali Kemal Parlak, Özdem Petek, Baris Pirhasan, Macit Piruzbeyoglu (emeh. Parlamentarier), Yildiz Ramazanoglu, Prof. Nihal Saban, Necmettin Saloz, Hasan Saltik, Turabi Saltuk, Suzan Samanci, Prof. Mithat Sancar, Prof. Serpil Sancar, Gülnur Savran, Vecdi Sayar (Vorsitzender des türkischen PEN-Zentrums), Prof.Piraye Serdaroglu, Özgen Seckin, Prof.Burhan Senatalar, Pinar Selek, Sait Sever (Vorsitzender der Anwaltskammer Mus), Mehmet Emin Sever (ehem. Parlamentarier), Sennur Sezer , Doc. Cem Somel, Doc. Semra Somersan, Hale Soygazi, Müge Sökmen, Prof. Nesrin Sungur, Elif Safak, Ümit Sahin, Aydin Simsek, Hakan Tahmaz, Prof. Betül Tanbay, Sezgin Tanrikulu (Vorsitzender der Anwaltskammer Diyarbakir), Nimet Tanrikulu, Prof. Turgut Tarhanli, Tevfik Tas, Zerrin Taspinar, Melek Taylan, Mebuse Tekay, Latife Tekin, Ahmet Telli, Ece Temelkuran, Sezai Temelli, Mahmut Temizyürek, Dogan Tilic, Prof. Taner Timur, Doc. Nilgün Toker, Prof. Gülay Toksöz, Ýsmail Hakki Tombul, Rojbin Tugan, Prof. Rezzan Tuncay, Prof. Mete Tuncay, AliÝbrahim Tutu (ehem. Parlamentarier), Deniz Türkali, Vedat Türkali, Ali Ucansu, Yrd.Doc. Ufuk Uras, Yesim Ustaoglu, Doc. Tanay Sitki Uyar, Mehmed Uzun, Vedat Ülger, Ferda Ülker, Ahmet Ümit, A. Haluk Ünal, Prof. Zafer Üskül, Prof. Füsün Üstel, Coskun Üsterci, Ýlknur Üstün, Yrd. Doc. Nazan Üstündag, FatmaNevin Vargün, Doc. Gündüz Vassaf, Esber Yagmurdereli, Feridun Yazar, Doc. Mesut Yegen, Doc. Zafer Yenal, Prof. Nurhan Yentürk, Prof. Tahsin Yesildere, Nihat Yildirim, Güler Yildiz, Dr. Murat Yilmaz, Dt. Celal Yildirim, Ugur Yücel, Yrd.Doc. Deniz Yükseker, Prof. Sahika Yüksel, Mesher Yürek (Vorsitzender der Anwaltskammer Bitlis), Taner Yüzgec (Vorsitzender der Bau-Ingenieurkammer), Ragip Zarakolu, Prof. Yusuf Zeren.

(Aus Nützliche Nachrichten 1/2007, dialogkreis@t-online.de; Übersetzung: Hülya Engin, Milliyet, 22.12.06)

 

 

 

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