DAS NEWROZFEUER
 
 
Die finsteren Tage waren vorbei
Die Regenszeit war um
Und das Leben erwachte wieder
In den kurdischen Bergen
Der Frühling eilte zu uns
Ich hatte in dem Jahr
Nur den einen Wunsch
Das Newrozfeuer zu zünden
War mein Entschluss
   
Vierzehnjährig war ich noch
Und verliebt...und verliebt
In ein Mädchen aus der Nachbarschaft
Sie war zart und jung
Klug und hübsch
Fein und mild
Sie sagte zu mir 
Flüsterte durch den Wind:
Liebster! Pass nur auf
Zur Newrozzeit
Wütet der Besatzer besonders wild
 
Auf dem hohen Berg
Zünde das Feuer für Newroz
Und für uns,
Morgen, wenn unser Volk
Den Frühling begrüßt,
Mit Freude und Genuss
Für deinen Mut
Für deinen Entschluss
Dein Preis liegt bei mir
Nimm von jeder Brust
Einen Kuss
 
Ich machte mich auf den Weg
Zu dem hohen Berg
Mutig wie ein Jäger
Schnell wie ein Hirtensohn
Der Wunsch zog mich hin
Das Newrozfeuer zu zünden
Hatte ich im Sinn
Auf dem hohen Berg
Sammelte ich das Holz
Ich lief lange umher
Den besten Platz zu finden
Und das Feuer zu zünden
 
Plötzlich kamen die Gendarmen,
Umzingelten mich auf der Stell
Ich zündete das Feuer
Und war doch schnell
Die Flamme ging hoch
Es brannte das Holz
Ich entflammte in Freude
Und war sehr Stolz
Sie nahmen mich fest
Das ist ihnen gelungen
Doch ich habe mein Ziel erreicht
Ich habe den Sieg errungen.
 
 
Berlin, 1979