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- Ilisu:
Österreichische Grün-Abgeordnete von Lokalaugenschein zurück
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Sissy
Danninger
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- Ökologische
Bedenken bestätigt, massive Sorge um Menschenrechte kam hinzu
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- Schwere, ökologische
Bedenken sowie Sorge wegen der drohenden Vernichtung
unwiederbringlicher Kulturgüter im Zusammenhang mit dem
Ilisu-Staudammprojekt hatte sie bereits vor ihrer Abreise
gehabt. Von ihrem Lokalaugenschein in der Region um Hasankeyf
(kurdisch: Eskif) am Tigris in Nordkurdistan/Südosttürkei
kam sie nun mit zusätzlichen, massiven Sorgen um
bevorstehende Menschenrechtsverletzungen durch die
Realisierung des unter österreichischer Firmenleitung
stehenden Projekts nach Wien zurück.
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- Die
stellvertretende Sprecherin der oppositionellen, österreichischen
Grünen, Parlamentsabgeordnete und 3.Nationalratspräsidentin
Eva Glawischnig besuchte mit einer kleinen
Delegation vom 28. bis 31.Mai die betroffene Region.
Trotz wiederholter Einladungen hatten sich Vertreter
der regierenden Sozialisten (SPÖ) und
Christdemokraten (ÖVP) nicht angeschlossen. Am
Montag, dem 4. Juni 2007, berichtete Glawischnig in
einer Pressekonferenz über ihre Erfahrungen, Eindrücke
und Gespräche.
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- Darstellungen
der Exportkredit-Agenturen „zynisch“
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- Die in
Europa verbreiteten Darstellungen der involvierten
Exportkredit-Agenturen Österreichs, Deutschlands
und der Schweiz sowie des am geplanten Bau
beteiligten Konsortiums von Firmen der drei Länder
bezeichnete die Parlamentarierin als zynisch. Diesen
Angaben zufolge wären von den Überflutungen 55.000
Menschen betroffen, von denen nur 15.000 umgesiedelt
werden würden. Die Mehrzahl würde „nur“ ihren
Landbesitz, nicht aber ihre Häuser verlieren.
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- Demgegenüber gehe, so
Glawischnig, eine Studie der Middle East University in der türkischen
Hauptstadt Ankara von 65.000 bis 80.000 Menschen aus, die
wegen des Projekts die Region verlassen würden.
Regierungsunabhängige Organisationen (NGOs) rechnen sogar mit
bis zu 120.000 Betroffenen. Viele von ihnen besäßen neben
ihren kargen Häusern aus Stein gar kein Land oder nur weniger
als fünf Hektar und verdienten ihren Lebensunterhalt als Taglöhner
bei den wenigen (vielfach in Ankara wohnhaften) Großgrundbesitzern
für zwei bis drei Euro pro Tag.
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- „Die Ärmsten
werden kaum Entschädigungen erhalten“
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- Diese Leute würden,
wenn überhaupt, für die Vernichtung ihres geringen Besitzes
gar keine oder nur viel zu geringe Entschädigungen erhalten,
um sich ein neues Leben aufbauen zu können, meinte
Glawischnig. So rechne Osman Baydemir, Bürgermeister der
Provinzhauptstadt Diyarbekir, allein für seine Stadt mit
30.000 bis 40.000 Ilisu-Flüchtlingen.
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- Durch Umsiedlungen
infolge anderer Wasserkraftwerks-Projekte sowie die militärischen
Konflikte zwischen der türkischen Armee und den kurdischen
Aufständischen sei die Stadt in den vergangenen zehn Jahren
bereits von etwa 200.000 auf mehr als eine Million Einwohner
angewachsen. 40 % davon lebten schon heute trotz (überforderter)
Sozialprojekte unter der Armutgrenze - mit allem, was dazugehört,
von Kinderarbeit bis zu Kriminalität. Ähnliches drohe
anderen Städten wie Mardin oder Batman.
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- Schlechte
Erfahrungen mit Birecik-Damm am Euphrat
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- Ähnlich wie nun beim
Ilisu-Kraftwerksprojekt sei die betroffene Bevölkerung auch
beim 2001 am Euphrat - ebenfalls mit österreichischer
Firmenbeteiligung - fertig gestellten Birecik-Damm kaum über
die Folgen für sie informiert worden, berichtete Glawischnig
weiter. Gegebene Zusagen seien schließlich nicht eingehalten
worden. Noch dazu sei die Überflutung sechs Wochen früher
als geplant erfolgt, und die Menschen hätten Hals über Kopf
vor dem Wasser fliehen müssen, ohne ihre Habseligkeiten oder
die Tiere retten zu können. Viele seien heute ärmer als vor
dem Dammbau und hätten nie Entschädigungen erhalten.
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- Kulturerbe von
Hasankeyf „wird nicht gerettet“
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- Die von Überflutung
bedrohte, mehr als 10.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf mit über
6.000 in den Fels gehauenen Höhlenwohnungen und mehr als 200
antiken Stätten könne schließlich durch die vom
Firmenkonsortium geplante Umsiedlung von Teilen in einen noch
zu schaffenden archäologischen Park keineswegs gerettet
werden, betonte die Abgeordnete. Tatsächlich erfülle sie
alle Kriterien eines Weltkulturerbes gemäß
UNESCO-Definition. Allerdings sei sie von der Türkei nie als
solches nominiert worden, wie es das Procedere erfordern würde.
Das Land habe jedoch bereits 1983 das UNESCO-Übereinkommen
zum Schutz des Kultur- und des Naturerbes der Welt
ratifiziert. Damit sei die Türkei prinzipiell zum Schutz und
zur Erhaltung solchen Erbes verpflichtet.
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- Zerstörung der
noch intakten Tigris-Flusslandschaft
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- Im Gegensatz zum
bereits schwer durch Aufstauungen geschädigten Euphrat
bestehe am Tigris heute noch eine weitgehend intakte
Flusslandschaft, berichtete Glawischnig weiter. Flora und
Fauna seien vielfach einzigartig und bis dato noch gar nicht
umfassend untersucht und beschrieben. Wissenschafter aus dem
betroffenen Gebiet berichteten von Druck der türkischen Behörden,
ihre Arbeit einzustellen, da ohnedies der Stausee komme.
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- Statt Kraftwerk:
Sanierung desolater Stromleitungen und sanfter Tourismus
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- Als wirtschaftliche
Alternativen mit tatsächlichem Nutzen für die Region nannte
die österreichische Parlamentarierin statt des Kraftwerks mit
seinen geplanten 1.200 MW Leistung die Sanierung der türkischen
Stromleitungen. Die Transportverluste durch deren schlechten
Zustand lägen bei 20 % - im internationalen Schnitt seien
dies 8 %. Ilisu würde trotz seiner Dimensionen nicht mehr als
2 bis 3 % des türkischen Strombedarfs decken können. Auch
erneuerbare Energien hätten bis dato ungenütztes, enormes
Potential: Allein bei Windkraft gingen Schätzungen bis zu
50.000 MW. Nicht zuletzt brächte sanfter Tourismus im Raum
Hasankeyf für die Bevölkerung Chancen auf wirklich
nachhaltige Entwicklung und Tausende Dauer-Arbeitsplätze.
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- Heute hat Hasankeyf
allerdings nicht einmal ein einziges Hotel.
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