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- Ilisu:
Grünes Licht für Baubeginn aus Österreich, Deutschland und der
Schweiz
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Sissy Danninger
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- Nur wenige Tage vor Ende März
2007 haben die Regierungen von Österreich, Deutschland und der Schweiz
schließlich den in ihren Ländern am Projekt beteiligten Firmen Grünes
Licht für den Start der Bauarbeiten am Ilisu-Damm in Nord-Kurdistan
bzw. der Südost-Türkei gegeben. Diese Entscheidung erfolgte somit kurz
vor dem Ablauf eines angeblich von der türkischen Regierung gesetzten
Ultimatums.
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- Die Türkei kündigte daraufhin
den unverzüglichen Baubeginn für das riesige Wasserkraftwerk mit einer
Leistung von 1.200 MW am Tigris rund 60 km vor den Grenzen zum Irak und
zu Syrien an. Die Arbeiten sollten türkischen Quellen zufolge in der
zweiten Aprilhälfte beginnen. Das in Österreich am Projekt beteiligte
Unternehmen sprach hingegen von einem Beginn in diesem Sommer.
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- Das Ilisu-Staudamm-Projekt ist
derzeit das größte von insgesamt 19 Wasserkraftwerken, die im Südosten
der Türkei entweder bereits errichtet werden oder geplant sind.
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- Nach Lage der Dinge werden die
Bauarbeiten nun rund ein Jahr nach dem feierlichen Spatenstich anfangen,
der schon am 5. August 2006 vom türkischen Ministerpräsidenten Recep
Tayyip Erdogan vorgenommen worden war. Alle internationalen Proteste und
Warnungen regierungsunabhängiger Organisationen (NGOs) aus den
Bereichen Umwelt und Kultur sowie der betroffenen Bevölkerung konnten
das Vorhaben offensichtlich nicht aufhalten.
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- Die bis dato letzte
Demonstration mit der Menschenrechts-Aktivistin Bianca Jagger an der
Spitze wurde am 23. März in Hasankeyf selbst organisiert. Nur einen Tag
danach, am Samstag, dem 24. März, gab es in Österreich und in
Deutschland das Grüne Licht. Die Schweiz fasste den endgültigen
Beschluss in der Woche danach.
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- Privatbanken
gingen das Risiko nicht ein
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- Da private Banken in den drei
beteiligten, europäischen Ländern nicht bereit gewesen waren, Kredite
zur Absicherung potentieller Exportrisiken der Firmen zu geben, sprangen
die nationalen Exportkredit-Agenturen und die Regierungen ein. Somit
werden die österreichischen Steuerzahler nun Garantien in Höhe von 285
Millionen Euro, jene in Deutschland für 200 Mio. und die in der Schweiz
für rund 140 Mio. übernehmen.
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- Nach den Angaben des deutschen
Ministeriums für Wirtschaft und Technologie werden die Kosten für die
Umsetzung des gesamten Projektes bis etwa 2013 auf rund 2 Milliarden
Euro geschätzt. In dieser Summe sind auch die Umsiedlung zehntausender
Bewohner, die überwiegend der (diskriminierten und verfolgten)
kurdischen Minderheit angehören, die Verlagerung von Teilen des
Kulturerbes der 10.000 Jahre alten Stadt Hasankeyf sowie Maßnahmen zur
Verminderung der Schäden für die Umwelt enthalten.
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- „Internationale
Standards werden beachtet“
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- Den Protesten hielt das unter österreichischer
Führung stehende Firmen-Konsortium (VA Tech Hydro Andritz in Österreich,
Züblin in Deutschland, Alstom, Stucki, Colenco, Maggia in der Schweiz)
im wesentlichen entgegen, dass dieses „Entwicklungsprojekt“ eben von
anderen mit weniger Rücksichtnahme realisiert werden würde, sollte es
dieses Konsortium nicht selbst tun. Ein weiteres Argument zur
Verteidigung war die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Türkei und in
den beteiligten, europäischen Ländern. Internationale Standards würden
berücksichtigt werden, Transparenz wäre bei allen Vorgängen
garantiert, versicherte das Konsortium.
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- Man werde die Liste mit 150
speziellen Auflagen für Begleitmaßnahmen während der Bauarbeiten und
bei der endgültigen Flutung einer Fläche von mehr als 300 km2
gewissenhaft beachten, wurde betont. Für die Überwachung der Umsetzung
dieser Maßnahmen seien ausgewiesene Experten bestellt worden.
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- Das deutsche
Wirtschaftsministerium nannte einige Namen dieser führenden Fachleute
des Kontrollkomites: Prof. Robert Zwahlen (ökologische Fragen), Prof.
Klaus Nohlen (kulturelles Erbe), Prof. Michael M. Cernea und Prof.
Guoqing Shi (Umsiedlung).
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- Vergleichbares
Projekt in Europa unvorstellbar
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- Internationale NGOs sowie 72
Organisationen in der betroffenen Region selbst nannten die Entscheidung
zugunsten des Projekts eine „Schande“. Der WWF (World Wide Fund for
Nature) und Eca-Watch (Export credit agencies-Watch) in Österreich
waren „schockiert“ und betonten zugleich, nicht aufgeben zu wollen.
„Der Damm ist noch nicht gebaut“, erklärten sie und fügten hinzu,
dass ein vergleichbares Unterfangen überall in Europa völlig
inakzeptabel und unvorstellbar wäre.
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- Nach und nach kam der Widerstand
im Gefolge der Entscheidung zugunsten des Baubeginns für den riesigen
Damm wieder in Schwung. Einem Bericht der Turkish Daily News (TDN) vom
5. Mai 2007 zufolge waren Vorbreitungen für einen großen
Protestaufmarsch am 16. Mai in Ankara im Gange.
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- Wie Gila Benmayor in ihrem
TDN-Artikel ausführte, war unter Federführung von „Hasankeyfi
Yasatma Girisimi“ (Initiative „Lasst Hasankeyf leben“) geplant,
dass sich vor den Botschaften der beteiligten, europäischen Ländern
„Massen“ versammeln sollten. Die Demonstranten beabsichtigten, dabei
an Österreich, Deutschland und die Schweiz „Asylanträge“ für
55.000 bis 60.000 Menschen zu richten, deren Existenz durch das Projekt
zerstört wird.
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