Ein Überblick über

die überlieferte, klassische kurdische Literatur in schriftlicher und "mündlicher" Form

 

 

 

Ein Vortrag von 

M. Rechid

 

Homburg - Saarland - Deutschland


Die schriftliche Form

Die klassischen Werke der kurdischen Dichter

- Die ältesten Werke gehen an BABA TAHIRÊ HEMEDANÎ und ALÎ HERÎRÎ zurück.
BABA TAHIRÊ HEMEDANÎ, gelebt von 935-1010.
ALÎ HERÎRÎ, gelebt von 1009 bis 1078.
 
Dazwischen ist uns nichts bekannt. Dann kommen die grossen Dichter:
- MELAYÊ CIZÎRÎ, gelebt von 1570 bis 1640,
Gelehrter der ROTEN SCHULE gegründet 1472
von dem großen Scherefxan.

 

- Feqiyê Teyran, gelebt von
1590 bis 1660

- EHMEDÊ XANÎ, gelebt von
1651 bis 1707

 

Die überlieferte Literatur der Kurden muß man in eine schriftliche und eine mündliche Form aufteilen. Die schriftliche Form setzt sich im großen und ganzen aus den Werken kurdischer Dichter, die in die Zeit des Mittelalters zurückgehen, zusammen. Die ältesten, uns bekannten Gedichte gehen an BABA TAHIRÊ HEMEDANÎ, gelebt von 935-1010 und ALI HARIRI zurück.  Harîrî lebte von 1009 bis 1078, geboren und gestorben im Dorf HARIR in Zentralkurdistan, im heutigen Gebiet Hakari. Ihm folgen andere Dichter, die meistens im Hofe der großen Fürsten und Prinzen gelebt haben. So der große Dichter Melayê Cizîrî, der im Hof der Ezîzan Fürsten in Cizîre an der Roten Schule gelehrt hat. Er lebte von 1570 bis 1640 und war Anhänger des Sofismus, eine Philosophie, die dem lieben Gott, in Frauengestalt, ihre Liebe und Dienste erweist. Melayê Cizîrî ist der größte kurdische Dichter der Klassik. Zwei Gedichtbänder von ihm sind uns bekannt. Ihm folgt der zweite große Dichter Ehmedê Xanî, gelebt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Gründer der kurdischen Nationalidee. Die kurdische nationale Befreiungsbewegung bezieht sich heutzutage noch auf Ehmedê Xanî, der die kurdischen Fürstentümer zur Einheit aufgerufen hat, um sich in eine Zentralmacht zu etablieren. Sein bekanntestes Werk "Mem û Zîn“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt (dazu etwas später).

 „Nûbara Bicûkan“ heißt sein Buch, das er für die kurdischen Kinder geschrieben hat, um ihre Muttersprache in schriftlicher Form zu lernen.

Ehmedê Xanî

Seine Werke und Ideen

 

Seine wichtigsten Werke

Mem û Zîn(liebes Drama wie Romeo und Julia),
Nûbara Biçûkan(
Kinderbuch),
Eqîda Îmanê
(Ideologie und Glaube)
Eqîdeya Îslamê
(die Glaube des Islams),
Fî Beyanî Erkanî Îslam
(Grundlagen des Islams)

Sein Nationalbewußtsein in seiner Dichtung

Sein Glaube, Ideen und seine Philosophie

Die gemeinsame und die geteilte Wille
Der Dualismus in seinen Werken
Die Frage des Körpers und der Seele

Seine Dichtung und seine Themen

Die Beziehungen zwischen Mann und Frau
Liebe und Erotik

Die Dichtung als Sprache
der Liebe
Grundlagen der Religion
Die Glaube des Islams
Bildung und Erziehung der Kinder

Nach Ehmedê Xanî, ist uns, eine große Anzahl kurdischer Dichter und Gelehrter mit ihren Werken bekannt. Hier sind einige Beispiele:

- MELEYÊ BATÊ, 1417-1491

- NALÎ, 1797-1855

- MELA MEHMÛD BEYAZÎDÎ, 1797 -

- KURDÎ, 1809-1849

- SÊX RIZA TALEBANÎ, 1842-1891

- HACÎ QADIRÊ KOYÎ, 1815-1892

- MELE MEHEMED KOYÎ, 1876-1943

- WEFAYÎ, 1838-1912

- XERÎQÎ, 1851-1907

- BEHÛD, 1878-1955

- ZÎVER, 1875-1948

- PÎREMÊRD, 1868-1950

- GORAN, 1904-1962

- DILDAR, 1918-1948

  (Verfasser der kurdischen Nationalhymne:  EY REQÎB)

- CEGERXWÎN, 1905-1984

- HEJAR, 1920-1991

- BÊKES, 1905-1948

- HÊMIN, 1921-1998?

Smaîlê Beyazîdî

Şeref-Xan

Mirad-Xan

Siyahpûş

SALIM

Kemal Fewzi

Memduh Selim

Xaris Bedlisi

Xelil Xeyali

Axayok

Mewlana Xalid

Mela Yehyayê Mizûrî

Mela Xalidê Sêrtî

Şex Evdilqadirê Geylanî  

.........

Die erste kurdischsprachige Zeitung erschien 1898 in Kairo. Seitdem haben die Kurden, auch wenn mit Unterbrechungen, immer wieder Zeitungen, Zeitschriften und andere Publikationen herausgegeben. Ab 1932 wird der Nord-Dialekt „Kurmanci“ in lateinischer Schrift geschrieben. Der kurdische  Wissenschaftler Prinz Celadet Bedirxan hat diesen Schritt vollzogen und von 1932 bis zu seinem Tode im Jahre 1957 mit anderen kurdischen Intellektuellen, mehrere Zeitungen und Zeitschriften wie „HAWAR“ (Der Ruf), „Ster“ (Der Stern), „RONAHI“ (Das Licht) und Hêviya Welat (Hoffnung der Heimat) herausgegeben.

Aus der Tatsache, daß die Kurden seit dem Mittelalter keine große Zentralmacht bildeten, haben viele kurdische Dichter und Gelehrte in anderen Sprachen geschrieben, wie z. B. Ibn-El-Esîr(in arabisch), Ibn-Xalikan(in arabisch), Şerefxan Bedlîsî(in persisch), Idrîs Bedlîsî(in türkisch) Abu-El-Fida(der große Geograph in arabisch) und Fizûlî (in persisch).

Dieser Zustand setzt sich auch bis heute fort, so daß der größte Schriftsteller der Türkei Yasar Kemal wieder ein Kurde ist, und der größte Romanschreiber in arabisch Selim Berekat auch.

Aus der Tatsache, daß die kurdischen Dichter, bis auf wenige Ausnahmen, Absolventen ausländischer Schulen waren und unter Einfluß der islamischen Religion standen, so ist auch deren Sprache nicht rein kurdisch, sondern überfüllt mit fremden Lehnwörtern, so daß sie einen arabischen oder persischen Beigeschmack hat.


Die mündliche Form

Kurdische Volkslieder

Meistens Mündliche Überlieferungen.

Überblick

Im Gegensatz dazu, haben die mündlich überlieferten Werke eine viel reinere und verständlichere Sprache. Die Kurden haben bis jetzt immer noch nicht den Reichtum und Wert dieser Werke erkannt. Die ausländischen Kurdologen und Forscher sind viel früher darauf aufmerksam geworden und haben diese Werke in europäische Sprachen, wie russisch, deutsch, französisch, englisch, italienisch usw. übersetzt. Die Bemühungen von Alexander Jaba, Hugo Makas, Oskar Mann, Hadank, Basil Nikitine, R. Lescot und D.N. Mackenzie können nicht vergessen werden. Diese Werke sind in Form der Volkslieder überliefert worden.

Der kurdische Literaturforscher Hevindê Sorî meint, daß man die Entwicklungsgeschichte der Literatur der Indo-Europäischen Völker in drei Phasen aufteilen kann:

1) Die gesungene Literatur

2) Erzählungen und Romane

3) Die komische, theatralische und gespielte Literatur.

und meint, daß die Kurden die ersten beiden Phasen vollzogen haben jedoch die dritte noch nicht.


Dokumentierte Werke:

 

    Memê Alan,

    Kela Dumdumê,

    Ferhad û Şêrîn,            

    Xec û Siyamend.

 

Memê Alan :

Zuerst hat A. Sosen 1890 "Memê Alan" in St. Petersburg in Deutsch herausgegeben. Nach ihm hat A. Von Le Coq in Deutschland im Jahre 1903 auch eine Version von Memê Alan herausgebracht. In den Jahren 1906-1909 hat Oskar Mann in Berlin in Mukri Dialekt und in Deutsch eine andere Version von Memê Alan, zusammen mit anderen Erzählungen wie „Xan Dumdum“ herausgegeben. Später, 1926, hat der Kurdenkenner Hugo Makas in Leningrad wieder Memê Alan den europäischen Lesern vorgestellt. Im Jahre 1936 haben einige armenische Kurdenkenner Memê Alan in Erivan auf kurdisch gedruckt. Und als letzter hat der französische Kurdenkenner Roger Lescot im Jahre 1942, nach 4-jähriger Arbeit in Beirut Memê Alan auf kurdisch und eine Übersetzung auf französisch herausgegeben. Diese letzte Version ist mit der Version der Volkserzählung am nächsten.

 

    Verfilmte Werke:

 

    Mem û zîn (Version von Ehmedê Xanî),

    Xec û Siyamend,

    Ferhad û Şêrîn.

 

Die meist bekannten Werke:

 

      Memê Alan,

                        Cehferê Teyar(Xezala Mendalan),

                Dewrêşê Evdî (Delal),      

Cehferê Teyar(Xezala Mendalan),  Dewrêşê Evdî (Delal): Ein Epos, das über Generationen fortgesetzt wird. Es berichtet über den Wiederstand der Kurden gegen die Osmanen. Um die historische Epoche zu beschreiben, zitieren wir den österreichischen Schriftsteller Hans Hauser. Er schreibt in seinem Buch „Kurdistan - Schicksal eines Volkes“, erschienen 1975, unteranderem folgendes:

Im Jahre 1983 jährt sich zum 300. Mal die Belagerung von Wien, und schon jetzt werden zahlreiche Exponate und Festschriften vorbereitet. Es bleibt abzuwarten, ob wenigstens in einigen darauf Bezug genommen wird, welcher Zusammenhang zwischen den Kurden und damit besteht, daß diese Traktate überhaupt geschrieben werden können. Denn nach allen Regeln ihres Eroberungskonzepts hätten die osmanischen Feldherren schon 1453, unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels, geradenwegs über die Einöden des Balkans nach Wien marschieren müssen.

Doch die Wachposten in den walachischen und siebenbürgischen Dörfern, die seit langem durch türkische Mordbrennerbanden terrorisiert wurden, warteten in diesen Sommern vergeblich auf die Staubfahnen am östlichen Horizont, die das Herannahen der osmanischen Hauptarmee ankündigen würden. Hätten die europäischen Mächte schon damals einen funktionierenden Nachrichtendienst am Bosporus besessen, hätten sie gewußt, daß die Türken im Osten, an der entgegengesetzte Front ihres riesigen Reiches, beschäftigt waren, und daß die Bronzekanonen, Mörser und Steinwerfer, die eigentlich schon für die Belagerung der Donaumetropole gegossen waren, gegen die Felsnester Kurdistans in Stellung gezogen wurden.

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Xec û Siyamend,

Kela Dumdumê,(Der große Mîrxan mit dem goldenen Arm)

Salihê Naso,

Evdalê Zeynikê,

1.  Cebelî Mîrê Hekariyan,
2.  Husênê Zilî,
3.  Yasîn Beg,
4.  Zembîlfirosch          
5.  Memê Ewan
6.  Dêmez
7.  Os û Ezîz
8.  Mihemed Emîn
Auch in der Sammlung von

A. Von Le Coq

vorhanden

Xezala Reşîd Begê,

Bêrîvana Cindî,

Salih Beg,

Feteh Beg,

Eyşa Îbê,

Lawikê Metînî,

Xelîlê Xazî,

Ûsibê Şer,

Kulik,

Hesenê Alê,

Şahîno,

Geliyê Zîlan,

......

......,


 Aufteilung und Klassifikation

Die kurdischen Volkslieder können wie folgt klassifiziert werden:

    - Dilok : Kurze rhythmische Lieder zum Tanzen

    - Lawik: Liebeslieder (Lyrik)Liebes Lieder (Lyrik).

    - Wiegelieder

  - Heval: Hochzeitslieder

    - Klagelieder: Trauerlieder

    - Kampflieder: Heroische Lieder

    - Bayts: Rhythmische Liebeslieder

    geschrieben von bekannten kurdischen Dichtern

    - Lavij: Religiöse Lieder

- Destan(Gorani):  Epos (Heroic und Amorous)

Die letzte Gruppe des Volksepos ist - literarisch gesehen - die wichtigste. Der beste Weg, um die Kurden und die kurdische Gesellschaft kennen zu lernen ist die, sich die mündlich überlieferten Lieder anzuhören.

 

Handlung der Lieder –
Inhalt und Thematik

-      Heldentum (Heroic).

-      Liebe (Amorous).

-      Schönheit und Ästhetik.

-      Sitten und Moral (Ethik).

-      Sehnsucht.

-      Natur (Landschaft, Tiere, ...).

-      Religion (Frömmigkeit).

-      Sozialkritik.

-      Politik, Patriotismus.

 

Art der Sprache

-      Rhythmisch.

-      Harmonisch.

-      Frei.

-      Hoch.

Wissenschaftlicher Gehalt

-        Ethnologie.

-      Ethnographie.

-      Kurdische Literatur.

-      Geschichte.

-      Soziologie.

-      Erdkunde.

-      Philosophie.