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Kurdische
Frage bleibt auf der Agenda
Von Ulla Jelpke
Die drei in Gefangenschaft kurdischer Guerillakämpfer geratenen bayerischen
Bergsteiger sind wieder frei und bei guter Gesundheit. Das ist eine gute
Nachricht. Denn die Verschleppung unbeteiligter Zivilisten darf kein Mittel
des Befreiungskampfes sein. So wird ein legitimes Anliegen diskreditiert.
Doch das glimpfliche Ende der Gefangennahme darf jetzt nicht dazu führen,
die kurdische Frage wieder unter den Tisch fallen zu lassen.
Zu befürchten ist allerdings, daß das Gros der Medien in Deutschland jetzt
wieder zur gewohnten Tagesordnung übergeht. Die Situation in den
kurdischen Landesteilen der Türkei wird dann kein Thema mehr sein. Keine
Erwähnung finden dann die Angriffe der türkischen Armee auf kurdische
Dörfer und die Zerstörung von Feldern und Wäldern zur Vertreibung der
Bewohner. Keine Erwähnung finden dann die Übergriffe der Sicherheitskräfte
auf Zivilisten, Folter und Morde durch »unbekannte Täter«. Keine Erwähnung
findet der massenhafte zivile Widerstand der Bevölkerung in den kurdischen
Landesteilen, die sich gerade zu Zehntausenden in Selbstanzeigen zum
gefangenen Abdullah Öcalan als ihrem politischen Repräsentanten bekennen.
Keine Erwähnung finden die regelmäßigen Offerten sowohl der PKK-Guerilla
wie auch der im türkischen Parlament vertretenen »Partei für eine
demokratische Gesellschaft« DTP zu einer friedlichen Konfliktlösung.
Zu befürchten ist, daß Bundesinnenministerium, Polizei und Justiz jetzt
ebenfalls wieder zur gewohnten Tagesordnung übergehen. Damit drohen weitere
Verbote von kurdischen Medien, Razzien in Kulturvereinen und Festnahmen
politisch aktiver Kurden wegen ihrer Identifikation mit dem Befreiungskampf
in Kurdistan.
Zu befürchten ist, daß auch die türkische Regierung und Armee zur
gewohnten Tagesordnung übergehen. Das bedeutet weiter Krieg. Weiterhin wird
das Leben kurdischer Guerillakämpfer und türkischer Rekruten dem Unwillen
der politischen Führung in Ankara geopfert werden, die kurdische Realität
endlich anzuerkennen.
Die deutsche und die türkische Regierung müssen endlich aufhören, die
kurdische Frage als ein polizeilich oder militärisch zu lösendes
Sicherheitsproblem zu betrachten. Insbesondere eine Aufhebung des Verbotes
des kurdischen Fernsehsenders Roj TV wäre ein wichtiges Signal an
Hunderttausende in Deutschland lebenden Kurden, daß die Bundesregierung
sich nicht zum Hilfsscheriff der Generäle in Ankara machen läßt. Es darf
von deutscher Seite nicht noch mehr Öl ins Feuer des türkisch-kurdischen
Konfliktes gegossen werden.
Êdî Bese! – Es reicht!
Die Autorin ist Abgeordnete der Fraktion Die Linke im Bundestag und war am
Sonntag zu Gast auf dem DTP-Parteitag in Ankara
--
Ulla Jelpke, MdB
Innenpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel: (030) 227-71253
Fax: (030) 227-76751
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