Lerne Kurdisch, Erdoðan

 

Artikelserien der KM-Redaktion Wären weltweit die führenden PolitikerInnen Sprachgenies, sie hätten vermutlich nie eine Laufbahn in der Politik eingeschlagen. Die Deutschen der älteren Generation entsinnen sich vielleicht noch mit einem Lächeln der sprachlichen Unfälle des früheren Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Aber sicher auch der berühmt gewordenen Rede des US-Präsidenten John F. Kennedy am 26.06.1963 vor dem Schöneberger Rathaus im damaligen Westberlin, als er erklärte, er sei nun ein gefüllter Pfannkuchen.



'Ministerpräsident Tayyip Erdoðan sollte die kurdische Sprache erlernen!



Dr. Ismet Turanlý



Es ist unschön, wenn ein Regierungschef keine Fremdsprache spricht, sowohl für ihn als auch für sein Land. Die Beherrschung der kurdischen Sprache wäre gar ein großer Schritt zur Wahrung der Einheit des Landes. Es würde positiv zum Zusammenleben von Kurden und Türken beitragen.

In Schweden fragt er nach, in welchem Land denn zwei Sprachen gesprochen werden würden. Also, entweder der Premierminister weiß nicht, was in der Welt abläuft, oder er ist der Meinung, dass seine Bürger es nicht wissen.

Werden auf Zypern nicht zwei Sprachen gesprochen? Er fordert gar von beiden Ländern die Vereinigung.

Kam ihm nie zu Ohren, dass in der Schweiz vier Sprachen gesprochen werden?
Hat er nie gehört, dass in Belgien offiziell zwei Sprachen gesprochen werden?
Weiß er etwa auch nicht, dass in Kanada Englisch und Französisch gesprochen wird?
Im Irak sind Kurdisch und Arabisch Amtssprachen.
In Luxemburg sind 3 Sprachen gegenwärtig. Offiziell werden 3 Sprachen gelehrt.
Wird in deutschen Schulen nicht etwa Türkisch gelehrt?
Hat die Lehre von Kurdisch und Türkisch in Schweden etwa nicht Bestand?
Ich schäme mich, dass ich weder mit meinen Bekannten noch mit meinen Patienten Kurdisch sprechen kann.

Denn in der Türkei gibt es keine Erziehung der kurdischen Spache.

Sie sollen dadurch lernen, indem sie sprechen, erwidert man.
Wenn eine Sprache also nur durch Sprechen erlernt werden kann, warum wird seit Jahren die türkische Literatur und Grammatik

in Schulen gelehrt?

Ist das Erlernen der türkischen Sprache etwa so anstrengend? Oder ist die türkische Rasse höherwertiger?
Zu seinerzeit gab der türkische Justizminister Esat Bozkurt [16. Sept.1930, Milliyet – Anmerkung von Kurdmania] bekannt, dass Nicht-Türken nur Diener und Sklaven sein dürften.
Freund und Feind und selbst die Berge sollten Zeuge dieser Wahrheit werden.
Wollte Erdogan in Schweden etwa dies andeuten?

Die Zeitschrift Hürriyet tituliert sei Jahren, ohne jede Reue, dass die Türkei nur den Türken gehöre. Kurden und jene anderen

Minderheiten jedoch wehren sich dagegen!! Die Türkei gehört uns allen!!

Die Türkei gehört allen, die hier geboren und aufgewachsen sind, die dieses Land als Heimat wahrnehmen und sich diesem Land

hingezogen fühlen. Auch jene, in deren Adern kein edles Blut fließt, das dem der Türken gleicht.

[...]

Die Verwehrung der kurdischen Sprache ist ihre größte Sünde, Premierminister:
Daher mein Vorschlag an Sie, sich schleunigst die kurdische Sprache beizubringen.
Damit könnten sie effektiver werden als mit den Milliarden, die sie in Kurdistan investieren wollen!'



Der Artikel von Dr. Ismet Turanlý aus Kurdistanpost wurde übersetzt aus dem Türkischen

von Xemxwar/Kurdmania.com.


 
Nach diesem zitierten Artikel erhebt sich die Frage, ob der Regierungschef eines Landes nicht zumindest die wichtigsten Sprachen der ethnischen Minderheiten in jenem Lande zumindest ansatzweise soweit beherrschen sollte, dass er wenigstens bei Besuchen in den entsprechenden Siedlungsgebieten deren Bewohner in ihrer Muttersprache begrüßen und auch deren in dieser Sprache vorgetragenen Freuden, Sorgen und Nöte verstehen könnte, damit er sich selbst nicht als Fremdherrscher vorkommt und von den Menschen im Lande auch nicht als solcher angesehen wird.

Na ja, wir haben bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch ja auch erlebt, dass er nur ungern ein Fettnäpfchen auslässt. Und bei einem Besuch in Schweden sollte er auch bedenken, dass die Schweden sehr empfindlich sind in dieser Sache. Schließlich legen sie sehr viel Wert darauf dass die schwedischstämmige Minderheit im Nachbarland Finnland ihre Muttersprache pflegen kann, und dass dort der Staatsname auch weiterhin 'Suomi/Finland' heißt. Und wenn die deutsche Kanzlerin bei seinem nächsten Besuch so richtig pfiffig ist, lädt sie ihn erst zu einer Kahnpartie im Spreewald ein und anschließend zu einem Besuch bei der sorbischen 'Domowina' in Bautzen/Budyšin.

Wer sich zum Beispiel wie der Autor das Vergnügen bereitet, eine Live-Übertragung des kanadischen Nationalparlamentes im Fernsehen zu verfolgen, wird mit Erstaunen feststellen, dass Regierungsmitglieder wie Oppositionspolitiker in ihren Reden ständig von der einen in die andere der beiden offiziellen Staatssprachen wechseln. Außerdem wird auch ständig eine Simultanübersetzung der im lokalen Sendegebiet nicht üblichen Sprache eingeblendet. Und wenn Abgeordnete der 'first nations' (von den 'Weißen' auch als 'Indianer' bzw. 'Eskimos' bezeichnet) in ihrer Muttersprache reden wollen, wird selbstverständlich auch für eine kompetente Übersetzung für die anderen KollegInnen des Hohen Hauses gesorgt.

Und weil es nicht nur ökonomisch wenig sinnvoll war, in den extrem dünn bevölkerten Gebieten des ehemaligen Nordwestterritoriums eigene Universitäten einzurichten, gibt es eben eine recht ansehnliche Inuit ('Eskimo') Abteilung mit rund 700 Studenten (bei einer Inuit-Gesamtbevölkerung von gut 50.000) an der Universität von Regina/Saskatchewan. So wie der Autor dieses Artikels freundlich durch die Institute geleitet und einer ganzen Reihe von DozentInnen und StudentInnen vorgestellt wurde, wird sicher der Ministerpräsident des Staates Türkei nicht schlechter behandelt werden, wenn er sich beim nächsten Staatsbesuch in Kanada ein eigenes Bild davon machen möchte. Und wenn er dann immer noch meint, es wäre unsinnig für jede ethnische Minderheit deren Muttersprache zu berücksichtigen, wenn nur geringe Zahlen solcher MuttersprachlerInnen vorhanden wären, empfiehlt der Autor auch einen Besuch in den Nordewestterritorien selbst, wo er sich über Sprachpflege informieren lassen kann:

In den Nordwest-Territorien gibt es elf Amtssprachen, mehr als in allen anderen Provinzen und Territorien. Es sind dies Chipewyan, Cree, Englisch, Französisch, Gwich'in, Inuinnaqtun, Inuktitut, Inuvialuktun, North Slavey, South Slavey und Dogrib. Einwohner haben das Recht, sich in diesen Sprachen an Gerichte und an Regierungsstellen zu wenden. Jedoch sind Gesetze nur in der englischen und französischen Fassung rechtlich bindend. Gesetze und andere Dokumente werden nur übersetzt, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird. (Quelle: Wikipedia) 

 

Quelle des Artikels: http://www.kurdmania.com/News-sid-Lerne-kurdisch-Erdo-287-an-784.html

 

 

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