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Profit
vor Umwelt und Kultur
Heike
Drillisch (WEED)
München:Kritische
Aktionäre protestierten aus Anlaß derHypoVereinsbank-Hauptversammlung
gegen Beteiligung von deren SchwesterinstitutBank Austria an Staudammprojekt
in Türkei
Die türkische
Regierung plant bekanntlich seit Jahren einWasserkraftwerk mit einer
gigantischen Talsperre, dem Ilisu-Staudamm (jWberichtete zuletzt am 27.4.
darüber). Die deutsche Regierung will den Bau miteiner Hermes-Bürgschaft
in Höhe von 200 Millionen Euro absichern. Am Dienstagwurde das Projekt, das
unter anderem Umweltzerstörungen in unabsehbarem Ausmaßund die Vernichtung
einer antiken Stadt nach sich ziehen würde, am Rande derHauptversammlung
der HypoVereinsbank (HVB) in München thematisiert vonMitgliedern des
Dachverbandes der Kritischen Aktionäre und der Umwelt-
undEntwicklungshilfeorganisation WEED.
Die Verbände wiesen darauf hin, daß die HVB selbst nach eigenen Aussagen
voneiner direkten Beteiligung an der Finanzierung des Staudamms absieht. Ihr»Schwesterinstitut«
Bank Austria dagegen, die wie die HVB zur italienischenUniCredit Group gehört,
wolle 280 Millionen Euro in das Projekt stecken. Vorder Hauptversammlung
warnten die beiden Gruppen, eine Beteiligung der UniCreditGroup »an einem
Projekt mit derart gravierenden sozialen und ökologischenFolgen würde auch
den Ruf der HVB gefährden, die in diesem Falle eineVorbildfunktion
einnimmt, indem sie Umwelt- und Sozialverträglichkeit überkurzfristige
Profitinteressen setzt«, sagte Heike Drillisch von WEED. MarkusDufner,
Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionäre,
forderteUniCredit und ihren Chef Alessandro Profumo auf, »auf den Rückzug
der gesamten Gruppeaus diesem Projekt hinzuwirken«. Profumo ist auch
Aufsichtsratschef der HVB.Dufner wies darauf hin, daß das Ilisu-Projekt
nach Meinung von Experten »dasVölkerrecht bricht und die finanzierenden
Banken zur Rechenschaft gezogenwerden« könnten.
Die wahrscheinlich letzte HVB-Hauptversammlung in München wurdederweil eher
von zornigen Kleinaktionären aufgemischt. Hintergrund der Protestewar das
Bestreben von UniCredit, sich der letzten Minderheitsaktionäre
zuentledigen. Aktionärsschützer warfen UniCredit ein rücksichtsloses
Vorgehengegenüber der HVB und ihren Kleinaktionären vor. »UniCredit hat
die HVBausgeschlachtet«, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen
Schutzvereinigungfür Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag unter großem
Beifall. Jetzt würden dieletzten Minderheitsaktionäre für eine viel zu
geringe Abfindung »einfachhinausgeschmissen«.
UniCredit hatte die angeschlagene HVB im Juni 2005 für gut 15 Milliarden
Eurozu 95 Prozent übernommen. Nun will sie die Minderheitsaktionäre, die
noch 4,55Prozent halten, gegen Zahlung einer Abfindung zwangsweise ausschließen
und dieHVB von der Börse nehmen. Bergdolt kündigte Klagen gegen dieses
Vorgehen an.Zuvor hatte ein Aktionär die Eröffnung der Versammlung mit
Zwischenrufengestört und war beim Versuch, aufs Podium zu stürmen, von
Ordnern abgedrängtworden und gestürzt. Bergdolt sagte, die HVB habe ihr »Tafelsilber«
an dieUniCredit »verschleudert« und die profitable Bank Austria weit unter
Wertabgegeben. Wegen des Verkaufs der Bank Austria an den Großaktionär
UniCredithaben bereits mehrere Investorengruppen Sonderprüfungen beantragt.
In Münchenund Wien sind Schadenersatzklagen anhängig. HVB-Vorstandschef
Wolfgang Sprißlererklärte dagegen am Dienstag, UniCredit habe der HVB die
Bank Austria sogarzwölf Prozent über dem damaligen Aktienkurs
abgekauft.(jW/AP)
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