Programmhinweis für das 4. Kurdische Filmfestival Berlin am Montag, den 11.12.2006
 
 
 
Judith Wolf
 
 
 
Im Auftrag der Leitung des 4. Kurdischen Filmfestival Berlin möchte ich insbesondere auf die Programminhalte am Montag, den 11.12.2006; hinweisen und alle FilmfreundInnen zu diesen Veranstaltungen einladen.
 
Im Eiszeit-Kino wird um 18:00 Uhr der Dokumentarfilm von Maria Binder und Verena Franke „Wer bist du, dass du sprichst?“ gezeigt, in dem fünf Frauen und Transsexuelle aus Istanbul über staatlich verübte sexuelle Folter, ihren Umgang mit dieser Erfahrung und ihren Kampf um gesellschaftliche Veränderungen erzählen.
Als Vorfilm wird die fünfzehnminütige norwegische Produktion „Bawke“ von Hisham Zaman über die Fluchterfahrung eines Vaters und seines Sohnes zu sehen sein. Am Ziel angekommen realisieren sie, dass es eine Illusion war und ihre Probleme noch nicht gelöst sind. Zu Gast ist Hisham Zaman.
 
Um 20:00 Uhr folgt dann „Schildkröten können fliegen“ – ein Film des auf internationalen Filmfestivals mehrfach ausgezeichneten Regisseurs Bahman Ghobadi aus dem Osten Kurdistans (Iran). Dieser Film spielt kurz vor dem Einmarsch der Alliierten in den Irak. Er handelt von kurdischen Waisenkindern, die ihren Lebensunterhalt durch das Räumen von Minen – unter anderem aus amerikanischer Produktion – an der irakisch-türkischen Grenze fristen müssen. Der Regisseur will verdeutlichen, dass es die Kinder sind, die am meisten unter den Kriegen leiden. Einerseits haben sie durch die Gräueltaten der Saddamdiktatur ihre Eltern und alles verloren. Andererseits sind ausgerechnet die Amerikaner, die in Kurdistan verständlicherweise bis auf den heutigen Tag als Befreier vom Saddamregime herzlich empfangen werden, gleichzeitig auch für die Verseuchung weiter Regionen an den sich mitten durch Kurdistan ziehenden Staatsgrenzen mit Minenfeldern mitschuldig, da sie diese Minen an die Unrechtsregime verkauft haben.
 
Anschließend folgt um 22:00 Uhr „Traces; the people of Paon“, ein Dokumentarfilm von Binevþa Berîvan, die auf dieser Veranstaltung zu Gast sein wird. Sie hat yezidische Kurden in Armenien besucht, die der Intoleranz des vormaligen Osmanischen Reiches zum Opfer gefallen sind. Yeziden sind eine religiöse Minderheit, die sich ethnisch zumeist als kurdisch definiert und in der heutigen kurdisch-nationalen Rhetorik ein wesentliche Rolle spielen. Der Film möchte ein Bild vom erzwungenen Exil dieser seminomadischer Bauern und Schafhirten vermitteln. Es wird an die Zwangskonvertierungen zum Islam im 7. Jahrhundert erinnert und an die Verfolgung derer, die ihrer Religion treu geblieben sind.
Als Vorfilm wird „At the roof-tops of Diyarbakir“ von Özkan Küçük zu sehen sein. Das Programmheft verspricht einen poetischen Film über das Leben auf den Dächer über Diyarbakir von Sonnenaufgang bis Untergang. Es ist während der Sommermonate in Kurdistan üblich, das häusliche Leben zu großen Teilen auf die Dächer zu verlagern. Obgleich die kurdische Großstadt Diyarbakir immer mehr wächst und sich ein „moderneres“ Image zulegt, hat sich doch gerade in der Altstadt diese Tradition erhalten.
 
 
Das Festivalprogramm für Montag, 11.12.2006 im Überblick
 
Eiszeit Kino (Kreuzberg)
 
18:00 Uhr:
 
Vorfilm:
Bawke
Regie: Hisham Zaman
Norwegen 2005 / 2006, 15 min., OmengU
Gast: Hisham Zaman
 
Wer bist du, dass du sprichst?
Regie: Maria Binder und Verena Franke
Deutschland 2005, 64 min., OmdtU
 
 
20:00 Uhr:
 
Schildkröten können fliegen
Regie: Bahman Ghobadi
Iran/Irak 2004, 95 min., OmdtU
 
 
22:00 Uhr:
 
Vorfilm:
At the roof-tops of Diyarbakir
Regie: Özkan Küçük
Türkei/Kurdistan 2005, 27 min.
 
Traces; the people of Paon
Regie: Binevþa Berîvan
Belgien/Armenien 2006, 52 min., OmengU
Gast: Binevþa Berîvan
 
 
 
Veranstaltungsort
 
Eiszeit Kino (Kreuzberg)
Zeughofstraße 20
10997 Berlin
Tel.: 030 – 611 60 16
 
 
Veranstalter
 
c/o mîtosfilm
Gabelsberger Straße 16
Tel.: 030 – 42 01 74 92
E-Mail: info@kurdfilmfestival.com
 
 
Weitere Informationen zum Filmfestival: www.kurd-filmfestival.com
 

 

drucken

copyright © 2002-2005 info@pen-kurd.org