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UA-Nr: UA-147/08 - AI-Index: MDE
13/075/2008
Datum: 30.05.2008
TODESSTRAFE
/ FOLTER UND MISSHANDLUNG FÜR KURDEN IM IRAN
Iranische
Kurden: Farzad Kamangar (auch Siamand genannt), 32 Jahre alt, Lehrer
Herr Ali Heydariyan
Herr Farhad Vakili
Der kurdische Lehrer Farzad Kamangar wurde
unter der Anklage mohareb (in Feindschaft zu Gott) zum Tode verurteilt.
Diese Anklage wird gegen Personen erhoben, die man beschuldigt, mit
Waffengewalt den Staat zu bekämpfen. Ali Heydariyan und Farhad Vakili könnte
ebenfalls die Hinrichtung drohen.
Nach einem fehlerhaften Verfahren, bei dem
Farzad Kamangar nur eingeschränkten Kontakt zu seinem Anwalt hatte, verhängte
die Abteilung 30 des Teheraner Revolutionsgerichts am 25. Februar 2008 die
Todesstrafe gegen ihn. Man beschuldigt ihn, Mitglied der bewaffneten
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu sein und Sprengstoff zu besitzen. Das
Gericht betrachtete diese Beschuldigungen als Umsturzversuch, was nach
iranischem Gesetz der "Feindschaft zu Gott" gleichkommt.
Ein Sprecher der iranischen Justiz bestätigte
am 27. Mai 2008, daß Farzad Kamangar zum Tode verurteilt wurde. Farzad
Kamangar hat vor dem Obersten Gerichtshof Rechtsmittel eingelegt. Wenn das
Urteil aufrecht erhalten und von der Obersten Justizautorität bestätigt
wird, droht ihm innerhalb der folgenden Wochen die Hinrichtung.
Farzad Kamangar wurde zusammen mit zwei
weiteren iranischen Kurden, Ali Heydariyan und Farhad Vakili, etwa im Juli
2006 in Teheran von Angehörigen des Geheimdienstministeriums festgenommen.
Einigen Quellen zufolge hat man gegen die beiden anderen Männer zehnjährige
Haftstrafen verhängt, doch Menschenrechtsgruppen befürchten, dass auch sie
zum Tode verurteilt wurden.
Farzad Kamangar ist ohne Kontakt zur Außenwelt
an einer Reihe von Orten festgehalten worden, so zum Beispiel in den Städten
Kermanshah, Sanandaj und Teheran und wird regelmäßig gefoltert. Man hat
ihn geschlagen, ausgepeitscht und mit Elektroschocks gequält. Infolge der
Folter haben seine Arme und Beine unkontrolliert zu zittern begonnen.
Die Nichtregierungsorganisation Human
Rights Activists im Iran berichtete, dass das Verfahren gegen Farzad
Kamangar in der Abteilung 1des Revolutionsgerichts von Sanandaj begonnen
hatte, dann aber nach Teheran verlegt wurde. Zurzeit wird Farzad Kamangar im
Raja'i Shahr-Gefängnis in der Provinz Teheran festgehalten. Seit Beginn der
Haft gestattet man ihm keinen Kontakt zu Außenwelt.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Kurden, eine der vielen Volksgruppen im
Iran, leben überwiegend im Westen und Nordwesten des Landes, in der Provinz
Kurdistan und in den an den Irak und die Türkei grenzenden
Nachbarprovinzen. Seit vielen Jahren kämpfen kurdische Organisationen wie
die "Kurdistan Democratic Party of Iran" und "Komala"
mit Waffengewalt gegen die iranische Regierung. Eine weitere Gruppierung,
die "Kurdistan Independent Life Party" (PJAK) führt bewaffnete
Angriffe gegen die iranischen Sicherheitsbehörden und die Regierung durch.
Der Iran beschuldigt ausländische Regierungen, unter den ethnischen
Minderheiten des Landes Unruhe zu schüren.
Nach wie vor kann im Iran bei einer
Vielzahl von Straftaten die Todesstrafe verhängt werden. Wer der
"Feindschaft zu Gott" für schuldig befunden wird, kann nicht
begnadigt werden. Richter können bei
bestimmten Straftaten nach eigenem Ermessen
die Todesstrafe verhängen, dazu gehören Tatbestände, die sich auf die Gefährdung
der nationalen Sicherheit beziehen.
In Artikel 6(2) des Internationalen Paktes
über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR), dessen Vertragsstaat der
Iran ist, heißt es "In Staaten, in denen die Todesstrafe nicht
abgeschafft worden ist (...)
darf ein Todesurteil nur für schwerste
Verbrechen" verhängt werden (...). Der UN-Menschenrechtsausschuss, der
die Einhaltung des IPBPR überwacht, vertritt die Auffassung, dass die
Einschränkung auf
"schwerste Verbrechen" so zu
verstehen ist, dass die Todesstrafe nur in Ausnahmefällen Anwendung finden
darf.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte
E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- die Behörden auffordern, das gegen
Farzad Kamangar verhängte
Todesurteil sofort umzuwandeln;
- darlegen, dass Sie das Recht und die
Verantwortung von Behörden
anerkennen, Straftäter nach
internationalen Standards für faire
Verfahren strafrechtlich zu verfolgen, sich
jedoch gleichzeitig
vorbehaltlos gegen die Todesstrafe wenden,
weil sie die grausamste,
unmenschlichste und erniedrigendste Strafe
sowie die Verletzung des
Rechts auf Leben darstellt;
- um genaue Informationen zu den
Anschuldigungen gegen Farzad Kamangar
und die beiden mit ihm zusammen
festgenommenen Männer, Ali Heydariyan
und Farhad Vakili, bitten;
- Ihre Sorge darüber ausdrücken, dass
Farzad Kamangars Gerichtsverfahren
möglicherweise nicht den internationalen
Standards für ein faires
Verfahren entsprochen hat, die bei der Verhängung
von Todesurteilen in
besonderer Weise Beachtung finden sollten;
- die Behörden auffordern, Farzad Kamangar
unverzüglich regelmäßigen
Kontakt mit seiner Familie und einem Anwalt
seiner Wahl zu gewähren
sowie jegliche medizinische Versorgung, die
er möglicherweise benötigt;
- Ihre Sorge darüber zum Ausdruck bringen,
dass Farzad Kamangar
gefoltert worden sein soll und bei den Behörden
darauf dringen, diesen
Berichten umfassend nachzugehen und die
Verantwortlichen vor Gericht zu
stellen;
- bei den Behörden auf die Zusicherung
dringen, dass die drei Männer weder gefoltert noch misshandelt werden.
APPELLE AN:
Oberste Justziautorität
Head of the Judiciary, Ayatollah Mahmoud
Hashemi Shahroudi, Ministry of Justice - Ministry of Justice Building,
Panzdah-Khordad Square, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency) -
E-Mail: info ät dadgostary-tehran.ir (Betreff: FAO Ayatollah Shahroudi)
KOPIEN AN:
Religionsführer
His Excellency Ayatollah Sayed 'Ali
Khamenei - The Office of the Supreme Leader - Islamic Republic Street -
Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency) E-Mail:
info ät leader.ir
Geheimdienstminister
Gholam Hossein Mohseni Ejeie - Ministry of
Intelligence, Second Negarestan Street, Pasdaran Avenue, - Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Botschaft der Islamischen Republik Iran -
S.E. Herrn Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin - Fax:
030-8435 3535 - E-Mail: iran.botschaft ät t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst
sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da
Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können,
bitten wir Sie, nach dem 11. Juli 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
Quelle:
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/AlleDok/1E208E4EC0730903C125745D00343196?open
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