Bericht über die Tagung des Kurdischen PEN in Dresden

Dr. Hans Zeidler  

Was hat unser Förderkreis mit dem Kurdischen PEN zu tun, wird sich mancher fragen. Besonders die Kollegen, die in vergangenen Jahren neu zu uns kamen. Deshalb kurz: Ein altes und bewährtes Mitglied unseres Vereins, Barbara Müller, übte tätige Solidarität mit der jungen kurdischen Familie Bahram in Dresden, deren Familienoberhaupt durch die  Förderung der DDR ein Studium absolvierte und von Frau Müller betreut und gefördert wurde. Sie beriet und lektorierte schriftstellerische Arbeiten ihres Schützlings. Herr Younis Bahram veröffentlichte eine erfolgreiche, interessante Sammlung von Kurzge-schichten unter dem Titel DER KUMMER VON ALJAZIRA. Darin offenbart der Autor uns unvorstell- bare, unmenschliche Verhältnisse, wovon er uns heute eine Kurzgeschichte vortragen wird.

Noch heute müssen Kurden in drei von fünf Staatsgebieten politisch unfrei leben. Sie leben im Gebiet von Mesopotamien, das zerrissen wird durch fünf Staatsgrenzen zum Irak, zu Syrien, zur Türkei, zu Armenien/Rußland und zum Iran. Ata Türk versprach einst, ihnen im türkischen Teil des kurdischen Siedlungsgebietes die Autonomie zu geben, was bis heute unerfüllt blieb. Der Verfolgungen wegen sind Kurden nach Mitteleuropa geflüchtet. Andere wurden in die einstige DDR von ihren regionalen Institutionen zur Ausbildung delegiert. Barbara Müller brachte uns Younus Bahram in den Förderkreis für Literatur in Sachsen, der ihn als Miglied aufnahm. Aus Dankbarkeit für diese Jahre währende Solidarität der Frau Müller und der freundschaftlichen Aufnahme in unseren Kreis Dresdner Autoren wurden einige unserer Kollegen vor zwei Jahren zu einem Treffen des Kurdischen PEN mit Barbara Müller eingeladen. Wir erlebten Eindrucksvolles und erfuhren Neues. Deshalb wurden wir auch diesmal wieder geladen wie auch der Sorbische und der Dresdner PEN. Ich war der einzige, der in Vertretung unseres Vorsitzenden Rudi Scholz für unseren Förderverein erschien. Ich durfte wiederum eine äußerst interessante, zweitägige Veranstaltung erleben, der leider 2 Perlen in der Krone fehlte, der Solidaritäts- beweis der genannten PEN-Verbände. Das war für die Dichter eines furchtbar geschundenen Volkes eine bittere Enttäuschung, die Zuflucht in unserem Land gesucht haben. Ich fühlte diese Bitternis und kann sie hier nur mit dürftigen Worten vermitteln. Im Namen des Vorstands bitte ich deshalb, daß der Younus Bahram, Deutscher kurdischer Nationalität und Bürger unserer Stadt, weiterhin regelmäßig in unserem Kreis teilnimmt und vielleicht einmal jährlich einen kurzen Text vorträgt. Er verdient haupt- sächlich als Dolmetscher sein Brot, spricht arabisch, türkisch, deutsch, französisch und versteht kurdi- sche Dialekte. Er wird, euer Einverständnis vorausgesetzt, einen dreiminütigen Text aus seinem Buch vortragen, besser, als darüber zu reden. So handeln auch die kurdischen Autoren untereinander und mit uns. Sie treten erfreulich oft in Kontakt zueinander, die im gesamten Gebiet der Bundesrepublik verstreut leben. Die originellste Form des regelmäßigen Kontakts fanden sie über den Computer, wo sie sich aller vierzehn Tage in Bild, Ton und Farbe treffen. Der Kurdische PEN ist dem internationalen Charakter der PEN-Gruppen entsprechend humanistisch, nationalbewußt, aber nicht nationalistisch und schon gar nicht rassistisch. Hochgebildete, eindrucksvolle Persönlichkeiten, deren auffallendstes Merk- mal ihre Bescheidenheit ist wie der Präsident des kurdischen Zentrums des Internationalen PEN, Dr. Hajo oder der Vizepräsident Moustafa Rechid und andere eindrucksvolle Persönlichkeiten. Auch Kurdinnen schreiben und tragen ihre Texte vor. Eine trat in einer schönen, kurdischen Tracht Folklore- sängerin auf. Sie dichtet selbst neue Lieder dieses Genres und sorgt auf diese Weise für die Pflege und Fortsetzung ihrer heimatlichen Tradition im fremden Land, so, wie Younus Bahram in Dresden seinen kurdisch geprägten kulturellen Beitrag einbringt. Da seine Texte kurz sind, wäre es sicher von Interesse, ihn alljährlich einmal zu hören? Eine sehr kurze Kostprobe wird uns sogleich tief beeindrucken.

 

Aus dem Protokoll:

Younis Bahram trat mit der Kurzgeschichte „Zauberwasser“ auf und erntete viel Beifall. Einige Autoren

stellten Fragen, die er ausführlich beantwortete. Er gab durchweg Informationen zu weitgehend unbe- kannten Sachverhalten. 

 

 

drucken

copyright © 2002-2004 info@pen-kurd.org