Lieber
Herr Präsident,
ich
bin ein kurdisches Kind und vierzehn Jahre alt, geboren am Rande der Stadt Serekani
– Südwest Kurdistan - Syrien . Ich kann nichts dafür, dass ich
von kurdischen Eltern stamme.
Mein
Grossvater wurde in den sechziger Jahren ausgebürgert. Damit sind auch meine
Eltern als Staatenlose geboren und dass geht automatisch auf mich über, dass
ich als Staatenloser mich in der Welt bewege.
Das heisst nicht, dass ich nur den Titel „Staatenloser“ habe, sondern tausender meiner Freunde geht es ebenso.
Mein
Vater darf nicht in staatlichen Einrichtungen arbeiten gehen. Das heisst, er
darf nur „schwarz“ arbeiten, um uns am Leben zu erhalten.
Unser
Land, das unser Grossvater besass, wurde uns weggenommen und den Arabern übergeben.
Damit wurde uns die Lebensgrundlage entzogen.
Auch
in der Schule ist es sehr schwer für uns kurdische Kinder. Ich lebe in einem
kurdischen Dorf und kann auch nur kurdisch sprechen, was ich mündlich von
meinen Eltern und Nachbarn erlernt habe.
In
der Schule verbietet man uns, unsere Muttersprache zu sprechen.
Kannst
Du Dir vorstellen, lieber Herr Präsident, dass ich bei der Winterkälte
draussen stehen muss und der Lehrer schlägt mich mit einem Holzstock auf die
Fingerspitzen, die ohnehin fast erfroren sind, nur weil ich in der Klasse
kurdisch gesprochen habe. Ich schäme mich, in der Klasse arabisch zu sprechen,
weil ich so wenig kann. Dann verhöhnt uns der Lehrer.
Lieber
Herr Präsident,
Du
liebst doch die Kinder in aller Welt und setzt Dich für sie ein. Versuche
einmal, uns als Kurden zu helfen,
so
dass wir auch wie die arabischen Kinder unsere
Muttersprache sprechen dürfen.
Sorge
bitte dafür, dass es kurdische Schulen gibt, in denen wir das Recht haben,
unsere Muttersprache zu sprechen.
Manchmal
rutscht uns ein kurdisches Wort heraus und wir werden dafür bestraft.
Versuche
bitte, dass Du uns die Staatsangehörigkeit in Syrien wiedergeben kannst. Denn
ohne dies haben wir kein Recht auf Eigentum, auf Bildung und auch keine
politische und wirtschaftliche Zukunft.
Ich bitte Dich, dass wir unsere kurdischen Taufnamen tragen dürfen. Wir haben zwei Namen, einen offiziellen arabischen Namen, der uns aufgezwungen wurde und einen kurdischen, mit dem wir daheim gerufen werden.
Wenn
ich krank werde, darf ich nicht in staatlichen Krankenhäusern behandelt werden.
Viele Kinder müssen sterben, weil die Eltern kein Geld haben, Privat-Ärzte zu
finanzieren.
Bitte, es eilt,
ich kann Dir leider nicht in Deiner Muttersprache schreiben. Aber, es findet sich sicher jemand, der es Dir übersetzt.
Mit
freundlichen Grüßen