Ein Hochzeitstag
 
 
 
Eine Hochzeit, das ist etwas Heiliges,etwas, woran man mit Freude zurückdenken und das von niemandem gestört werden sollte.
 
Aber die Hochzeit von Zoro und Nergiz hat ein trauriges Ende genommen.
 
Es hatte so schön angefangen. Zoro, der sonst so schüchterne, war stolz auf seine Braut und trug seinen Kopf höher als sonst. Nergiz schaute ihn immer wieder aus den Augenwinkeln  verschämt und voller Bewunderung an.
 
Die Eltern zeigten sich würdevoll und die Gäste voller Freude.
 
Eine Musik hatten wir, so mitreissend, da musste einfach jeder danach tanzen.
 
Kein Wunder, denn Lawe Remo, unser Musiker und seine Truppe verstanden ihr Handwerk.
 
Aber als wir alle am fröhlichsten waren, da kamen sie, diejenigen, die uns auf Schritt und Tritt das Leben verbittern.
 
Sie drängten sich durch die Tanzenden und fingen an, die Musiker zu verprügeln und ihre Instrumente zu zerschlagen.
 
Sie schrieen: - Damit werdet ihr keine Musik mehr machen, ihr Hundesöhne. Bei uns werden keine fremden Lieder gesungen und gespielt, nur arabische. Merkt euch das.
 
Als sich ein paar junge Leute unter den Gästen dagegen verwahrten, verhaftete der Geheimdienst die Musiker und die jungen Burschen, die sich für die Künstler eingesetzt hatten und führten sie ab.
 
Sie zerschnitten die Schnüre des Hochzeitszeltes aus schwarzem Ziegenfell, zerbrachen die Stühle, rissen die Kessel mit den Speisen vom Feuer und kippten sie um, so dass das Essen auf der Erde lag.
 
Die Braut war fassungslos, der Bräutigam voller Zorn und die Eltern traurig und entsetzt.
 
Die Gäste flohen und alle Fröhlichkeit war vorbei.
 
Wir taten uns zusammen und sammelten Geld, um die Beamten bestechen zu können, damit die Verhafteten frei wurden  und damit die Musiker, die uns soviel Freude geschenkt hatten, zu neuen Instrumenten kamen.
 
Es war das einzige, das wir tun konnten.
 
Aber der Hochzeitstag war verdorben. Und wenn jemand in Zoros Familie anfängt, davon zu sprechen, dann seufzt die Mutter und der Vater runzelt die Stirn und sagt: ‑Hört auf damit: wir denken nicht gern daran.