Newroz-Fest in Damaskus 

1986

 

Newroz, Fest der Lebensfreude,

dich zu feiern, gibt uns Mut,

es bedeutet, dass wir leben,

immer noch; und das ist gut.

 

Wenn in unserm Heimatlande

Wieder die Natur erwacht,

Felder sich mit Grün bedecken,

Wiesen voller Blumenpracht.

 

Dann beginnt für jeden Kurden

Erst das wirklich Neue Jahr.

Hoffnung schöpfen dann wir alle,

dass die Träume werden wahr.

 

Träume vom Zusammenleben

Ganz in Ruhe und in Frieden.

Ward es bisher unserm Volke

Lange Zeit nicht mehr beschieden.

 

Nimmermüde Mütter nähen

Über Stoffe stumm gebeugt,

Väter sorgen, dass das Häuschen

Sich in neuem Glanze zeigt.

 

Weiss, der Freude frohe  Farbe,

oder Lehmgelb wie die Erde,

Azurblau wie unser Himmel,

dass es endlich Frühling werde.

 

Nicht allein im Erdenschosse

Keimt die neue, junge Saat.

Nein, es sei ein Völkerfrühling,

wie uns oft geträumet hat.

 

Auch an jenem bösen Tage,

haben wir den Tag begonnen,

voller Freude, voller Hoffnung,

doch, was haben wir gewonnen?

 

Alle Wege, alle Strassen,

die uns zu dem Festplatz führen,

liess man sperren, uns zu wehren

und mit Fleiss verbarrikadieren.

 

Harte Arbeit, langes Sparen

Oh, umsonst war alle Freude.

Gut geplant war diese Abwehr,

dass ein jeder Kurde leide.

 Schlichte Umkehr wäre feige,

denn wir müssen und doch wehren

vorm Palast der Republik,

riefen wir,was wir begehren.

 

„Herr Assad, wir bitten Euch,

lass uns unser Newroz-Fest“

stundenlang liess man uns rufen,

wie man Bettler stehen lässt.

 

Panzer rollten an in Massen,

und sie rückten auf uns alle..

Helikopter liess man kreisen

Und wir waren in der Falle.

 

Doch hinzu kam unerwartet

Noch ein fester Aussenkreis

von bestellten Autobussen,

Was bedeutet das, wer weiss?

 

„Schickt uns einen Unterhändler

Oder meinetwegen zwei,“

rief ein Offizier der Truppen

„Das ist uns schon einerlei.“

 

Sie wollen mit uns verhandeln?

Scheinbar, denn so war es nicht.

Als sich zwei bereit erklärten,

da begann das Strafgericht.

 

Schüsse, einen Unterhändler

Brachten sie sofort zur Strecke.

Hielten ihn wohl gar für wichtig,

Feige Schützen in der Hecke.

 

Hört ihr, wie die Schüsse peitschen

Mitten in die Menschenmassen,

viele Kinder auch darunter

manches musst sein Leben lassen.

 

Viele wollten nun nach Hause,

die Verwundeten zu bergen.

Doch sie liessen uns nicht gehen,

hasserfüllte, feige Schergen.

 

Alle, die sie fassen konnten,

wurden in den Bus gezwängt,

in Damaskus und Umgebung

in Gefängnisse gedrängt.

 

Ein Jahr später, hört ihr Leute,

hiess es, feiern dürften wir.

Doch das „ Newroz“ sei  verboten,

„Muttertag“ das könnten wir.

 

Im Irak heisst`s „Fest der Bäume“

Einen Aufstand fürchten sie.

Angst raubt ihnen Schlaf und Ruhe,

ihr Sieg war das damals nie.