Sächsische Zeitung  1. Mai 2003, Seite 19

 

Geschichten vom Leiden des kurdischen Volkes

Younes Bahram stellt in der Frauenkirche sein Buch vor.

 

„Wenn sie ihn sofort getötet hätten.Es wäre Barmherzigkeit gewesen. Was sie in Wirklichkeit taten, kommt nicht über meine Lippen.

Die kurdischen Brüder gingen verstört und trauernd weg; die Araber machten weiter.“ Heisst es zum Schluss in der Geschichte „Ich bin kein Araber.“

Der Autor Younes Bahram ist definitiv kein Araber, sondern Dresdner, allerdings einer, der in Gharbi in Syrien zur Welt kam, in Südwest - Kurdistan, wie es im Klappentext seines Buches „Der Kummer von Aljazira“ heisst.

In den Geschichten, die in dem Band versammelt sind,, erzählt Bahram  von den Erfahrungen seiner Landsleute, die in der Region Aljazira leben. Von dem Identitäts- und Überlebenskampf, den sie führen,weil die Kurden nach der Aberkennung der Identität des kurdischen Volkes durch Syrien ihre Rechte auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiet verloren.

„Die nachfolgenden Geschichten sind keine Gebilde der Phantasie. Alle Geschehnisse und Schicksale haben sich tatsächlich ereignet“ heisst es im Vorwort des dem Leiden des kurdischen Volkes gewidmeten Werkes.

Auch die Türken kommen nicht ungeschoren weg. Der Autor sieht in der Geschichte „Leidensgenossen“ einen langen Zug erschöpfter Menschen: Armenier.

Den letzten Verbliebenen dieses Volkes hätten die Kurden geholfen, schreibt der Autor, der auch schon unter anderem „Märchen aus Kurdistdan“ ,und „Flug meiner Sehnsucht“, Gedichte vom Ufer des Euphrat verfasste.

Nun kann es sicher nicht schaden, die Öffentlichkeit auf das Kurdenproblem aufmerksam zu machen.

Der dritte Golfkrieg hat wieder gezeigt, wie sehr das einst gute Verhältnis von Arabern und Kurden mittlererweile belastet ist.

Saddam Hussein liess in einer stalinistisch zunehmenden Aktion eine halbe Million Kurden aus dem Norden in den Süden des Iraks umsiedeln.

Mehr als 1 000  kurdische Dörfer wurden dem Erdbogen gleich gemacht.

Viele Kurden konnten ihr Leben nur durch Flucht in den Iran retten, sowohl im Irak, als auch im Süden wurde eine gezielte Arabisierungs-Politik betrieben.

 

Aber Bahram schildert eben nur eine Seite der Medaille. Die Kurden sind bei ihm sehr gute Menschen, die eigentlich nur in Frieden leben wollen.

Von der brutalen Politik der PKK , die in ihrem Kampf gegen die Türkei fürchterliche Rache an den Kurden verübte, die sich weigerten, sie zu unterstützen (ganze Familien mit kleinen Kindern wurden ausgelöscht.), ist in Bahrams Geschichten natürlich nicht die Rede.

 

C. R.

 

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