Sehnsucht nach Qamischli
 
 
 
Qamischli,
 
Königin aller Städte,
 
nur in dir lebt meine Seele.
 
 
 
In deinen Gassen wuchs ich auf.
 
Die Flügel des Heimwehs
 
tragen mich in den Schatten
 
deiner weissen Häuser.
 
 
 
Und ich spüre wieder
 
den Duft der Blüten,
 
höre den Ruf des Mullah
 
und das Lachen der Mädchen.
 
 
 
Meine Erinnerung führt mich
 
unter den Granatapfelbaum
 
wo Fatim mir versprach,
 
mein zu sein für immer.
 
 
 
Aber der Schleier des Glückes zerriss
 
Oh Qamischli, du schöne,
 
denn in deinen Gassen
 
wohnen auch die Schergen,
 
die Spitzel, die Handlanger des Bösen.
 
 
 
In deinen Mauern
 
traf mich der erste Kolbenschlag.
 
In Qamischli war`s,
 
dass der Boden der Kerkerzelle mein Bett,
 
die graue Decke des Zellenraums
 
mein Himmel war.
 
 
 
Aber im Schatten deiner Bäume
 
wohnen auch die Meinen,
 
die denken und kämpfen wie ich
 
die mir halfen zur Flucht
 
und mich brachten
 
aus deinen Mauern.
 
 
 
Weißt du noch, oh Qamischli,
 
wie ich Abschied nahm
 
von deinem Zauber?
 
Meine Tränen begossen
 
das Pflaster am Ende der Gasse
 
und wurden zu Blumen
 
meiner Liebe zu dir.