Für Danielle Mitterrand

 

V e r s c h o l l e n

 

Younes Bahram, Dresden, den12.05.03

 

In den Achtziger Jahren im Barzan-Tal,

da herrschte Weinen und Grauen.

Achttausend Männer fortgeschleppt,

man konnte sie nie mehr erschauen.

 

Die Witwen weinten: Wie kam er zu Tod?

Die grausamen Bilder der Nacht

stahlen den Schlaf und das Wangenrot

und die Frauen haben gewacht,

 

dass man ihnen nicht noch die Söhne stahl.

Aus Frauen wurden Soldaten,

die auf Wache standen bei Tag und bei Nacht.

Das Leben wurde zur Qual.

 

 

Da bleichte manches dunkle Haar,

die Frauen verloren die Freude.

Kummervoll schlichen sie durch den Raum

Blickten wartend in die Weite.

 

Kam da keiner zurück aus dunkler Haft,

ausgemergelt, krank und verwirrt?

Èin ewiges Warten zehrte sie aus.

Ihre Hoffnung hat immer geirrt.

 

Sie wurden von furchtbaren Träumen gequält,

der Mann in bestialischen Händen,

da kam eine Frau und weckte sie auf,

den schleichenden Kummer zu wenden.

 

Sie gründete einen starken Verein,

den Hunger, die Not zu verjagen.

Die Frauen waren nicht mehr allein,

lernten ihr Leid zu sagen.

 

Sie ersetzten die Männer auf dem Feld,

im Wald und beim Fischefangen.,

die Kinder weinten vor Hunger nicht mehr,

sind mit auf die Felder gegangen.

 

Die Frauen erstarkten, und blickten nicht mehr

Nur auf Gewes’nes zurück.

Sie lebten im „Jetzt“ und ersehnten nicht mehr

Ihr vergangenes grosses Glück.

Ihr Leben war nicht mehr Warten allein,

sie entwanden sich ihrem Kummer.

Sie wussten, sie sollten tätig sein

Und erwachten aus ihrem Schlummer.

 

Und das hat eine Frau bewirkt,

eine Frau voller Klugheit und Kraft.

Sie brachte das Leben zurück ins Tal

Gemeinsam ward es geschafft.

 

 

 

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