Appell an die internationale und deutsche Öffentlichkeit, sich für den in Deutschland inhaftierten kurdischen Schriftsteller Haydar Isik einzusetzen

 

 

Dr. Zaradachet Hajo

Kurdisches PEN-Zentrum

 

Am 5. Juli 2007 fand eine großangelegte Durchsuchungs- und Festnahmeaktion in mehreren Bundesländern statt, die sich gegen Kurden richtete, die im Verdacht standen, der in Deutschland verbotenen Partei Kongra Gel anzugehören bzw. diese zu unterstützen.

Unter anderem wurde der langjährige Vorsitzende und Gründungsmitglied des Kurdischen PEN-Zentrums und renommierte Schriftsteller Haydar Isik festgenommen. Der 69jährige Autor, der verheiratet ist und drei Kinder hat, wurde noch am gleichen Tag dem Ermittlungsrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen.

Um Haydar Isiks kritische Haltung gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Zuständen in der Türkei zu verstehen, die immer wieder Thema in seinen Büchern war, muss man wissen, dass er aus Dersim (Tunceli) stammt, einem von alevitischen Kurden besiedeltem Gebiet, das über viele Jahrzehnte ein erklärtes Angriffsziel türkischer Militärs war und die dort auf Grund des kurdischen Widerstandes auch immer äußerst brutal vorgegangen sind.

Trotz der vielen Repressalien, die er in seinem Heimatort erdulden musste, hat er auch als junger Mensch nie den Weg der Gewalt gewählt, sondern hat nach seiner Übersiedlung nach München im Jahre 1974 Türkisch in einer Realschule unterrichtet und ist dann als freier Schriftsteller und unter anderem als Kolumnist für eine türkischsprachige Tageszeitung tätig gewesen.

Sein in türkischer Sprache verfasstes Buch „Der Agha aus Dersim“ wurde 3 Wochen nach seinem Erscheinen in Istanbul verboten. Auch ein weiteres Buch „Die Vernichtung von Dersim“, verlegt durch Ayse Nur Zarakolu in Istanbul, die 1998 den Verlegerpreis der internationalen Buchmesse in Frankfurt erhielt, wurde schnell verboten. Weitere Bücher, publiziert in türkischer und deutscher Sprache folgten und auch in Deutschland wurde eines seiner Bücher – trotz grundgesetzlich verankerter Meinungsfreiheit – beschlagnahmt.

In seinem Wohnort bei München ist Haydar Isik wegen seiner Schriften häufig ein Opfer von anonymer Bedrohung, Nötigung und Verleumdung geworden, auch von türkischen Offiziellen in Deutschland wurde er wegen kritischer Artikel behelligt.

Wir kennen Haydar Isik als eine Person des engagierten Wortes, die aber Gewalt immer abgelehnt hat. Weder in der Türkei noch in Deutschland ist er jemals gewaltsam in Erscheinung getreten, er hat ausschließlich mit den legitimen Waffen eines Schriftstellers gekämpft.

Umso mehr verwundert es uns, dass ihm jetzt, im fortgeschrittenen Alter von 69 Jahren,

der Vorwurf gemacht wird, er habe in irgendeiner Form gewalttätige Aktionen einer verbotenen kurdischen Organisation unterstützt. Uns drängt sich der Verdacht auf, dass deutsche Strafverfolgsbehörden wieder einmal behilflich sind, türkische Interessen auch auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland durchzusetzen und dass Haydar Isik, ein Dorn in den Augen der türkischen Rechten, Opfer dieser Politik geworden ist, indem er wie ein Schwerverbrecher abgeführt wurde.

Es ist auffallend, dass im Vergleich mit anderen europäischen Staaten gerade die Bundesrepublik Deutschland sehr bemüht ist, gegen kurdische Organisationen in Deutschland vorzugehen, obwohl es ein in der Gesamtschau sehr friedliches Zusammenleben zwischen Kurden, Türken und Deutschen gibt. Nennenswerte Gewalttaten von den zahlreichen hier lebenden Kurden und Kurdinnen gegen die deutsche Gesellschaft sind in den letzten Jahren nicht bekannt. Gleichwohl werden die über 800 000 in Deutschland lebenden Kurden nach wie vor nicht als eigenständige Volksgruppe anerkannt, obwohl eine Bundestagsentschließung aus dem Jahre 1991 eine solche Umsetzung fordert.

 

Wir appellieren an den Internationalen PEN-Kongress in Dakar / Senegal und rufen die deutsche und internationale Öffentlichkeit auf, sich für die Haftentlassung des Schriftstellers Haydar Isik einzusetzen. Wir appellieren an die deutsche Regierung, türkische Interessen nicht höher einzuschätzen als das Recht auf Meinungsfreiheit und Haydar Isik aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

 

Dr. Zaradachet Hajo

Kurdisches PEN-Zentrum

09.07.2007

 

 

 

 

 

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