Das Yezidentum, Wahrheiten, Mythen und Geheimnisse

Zuhair Kazim Aboud

IV. Kapitel

 

Entscheidungen durch religiöse Gutachten (Al-Fatwa bzw. Mehrzahl Al-Fatawa)

Was aber den verstorbenen Ad-Damlouji anbetrifft, so schreibt er auf der Seite 428 seines Buches „Das Yezidentum“ folgendes:

„Wahrlich spielten Entscheidungen durch religiöse Gutachten (Al-Fatawa), die eine Gruppe von Gelehrten des Islams verkündeten, eine wichtige und gefährliche Rolle im Leben dieser Leute. Dadurch wurden sie in zermürbende  Kriege verwickelt, die über drei Perioden andauerten, dabei erlitten sie alle Arten des Schmerzes und der Qual, sie ergaben sich aber an keinem Tag. Würden wir diese Gelehrten nach den Gründen fragen, die sie zur Verkündung dieser Al-Fatawa bewegten, die dieses Land während der ganzen Zeitspanne in Chaos und Lethargie versetzten, würden sie antworten: Es ist die Religion. Als ob die Religion in ihren Seitenteilen zerrissen und in ihren Stützpfeilern zerstört worden wäre“.

Die erste gegen sie gerichtete Ermächtigung durch religiöses Gutachten (Fatwa) ist die des Al-Scheikh Ahmad Bin Mustafa Abu As-Su’du Al- Amadi (896 – 982 h.), der den Posten des religiösen Gutachters im Jahre 952 h. für 30 Jahre zur Zeit des Sultan Sulaiman Al-Qanuni und des Sultan Salim des II.  bekleidete. Er  erlaubte durch sein religiöses Gutachten den Kampf gegen sie, sowie das Schänden ihrer Frauen und Kinder. Sie zu töten sei legitim, sie seien größere Ungläubige als die echten Ungläubigen, ihre Tötung würde zu den religiösen Pflichten gehören, und er zählte sie zu den Apostaten ( Leute, die vom Islam abgefallen sind.).

Zu den Gründen der Entscheidung durch religiöses Gutachten (Fatwa) schreibt er, dass der Grund für den Kampf gegen sie ist ihr Hass gegen den Imam Ali Bin Abi Talib und die beiden Imame, Al-Hassan und Al-Hussain, ebenso ihre Legitimation zum Tode von Gelehrten, religiöse Scheiks und Religionsoberhäupter, sowie ihr Spott über das ruhmreiche Gottesbuch und die anderen Religionsbücher sei. Sie seien größere Ungläubige als die echten Ungläubigen und ihre Tötung sei nach den 4 Konfessionen legitim.

Wer diese Entscheidung durch das religiöse Gutachten sorgfältig betrachtet, kann die politische Intention des Sultans und den Wunsch des Herrschers, zu dem der Religionsmann angeführt wurde, wahrnehmen.

Denn die Yeziden waren Bürger des Osmanischen Reiches, zu deren Schutz es verpflichtet war, statt dessen wurde ihre Tötung, Erbeutung ihrer Frauen und Kinder sowie ihr Eigentum erlaubt.

Ich meine, sie sollten durch Aufklärung und nicht durch Terror, Tötung , Zwang  und Gewalt ihre Religion ändern.

Der verstorbene Saddiq Ad-Damlouji schreibt weiter, dass Entscheidungen durch religiöse Gutachten (Fatawa) von religiösen Gelehrten aus dem Jemen, Qarabagh und von den Tataren verkündet wurden. Diese Gutachten legitimierten ihre Tötung, ihre Frauen als Sklavinnen zu nehmen, und dass demjenigen, der sie tötet, die Belohnung auf der Erde und im Himmel verliehen wird. Darüber hinaus autorisierten sie Imam Ahmad (164 – 231 h.) und Imam Aba-l Layth As-Samarqandi (... – 373 h.) über sie zu verfügen.

Und Imam Fakhir Ad-  Din Ar-Razi (544 - 606 h). stellte fest, dass ihre Tötung legitim ist und weiter, dass der Beischlaf mit ihren Jungfrauen und Ehefrauen, so wie die Gefangenschaft ihrer Frauen und Kinder erlaubt ist.

Auch der Scheikh Abdullah Bin Scheik Ahmad Bin Az-Zizi Ar-Rabtaki (1060 – 1159 h.) verkündete in einer Entscheidung basierend auf ein religiöses Gutachten, dass der Krieg im Jahre 1137 h. gegen die Yeziden, ihre und die Erbeutung ihres Eigentums eine religiöse Pflicht sei. Sie würden zu den Apostaten zählen und müssten wie solche behandelt werden.

Ebenso verkündete im Jahre 1199 h. Muhammad Amin Bin Kherallah Al-Khatib Al-Omari (1150 - 1203 h.) die Entscheidung auf Grundlage eines religiösen Gutachten dahingehend, dass sie Apostaten seien, deren Bekämpfung eine religiöse Pflicht sei.

Aus dem Kreis der kurdischen Gelehrten verkündete Scheikh Abdulrahman Al-Jali aus der Umgebung von Koy-Sanjaq eine Entscheidung durch ein religiöses Gutachten dahingehend, dass sie Ungläubige seien und er begutachtete sie und ihr Eigentum auf dieser Grundlage. 

Ebenso gab Scheikh Abdullah Ar-Rabtaki, genannt Al-Mudarris (1060 – 1159 h.) ein Dekret mittels eines religiösen Gutachtens bekannt, das er 1137 h. verfasste, in dem er sie als echte Ungläubige betrachtete.

Auch verkündete Muhammad Zakhri Bin Ahmad Al-Khayyat in seinem zur Zeit des Sultan Abdulaziz Bin Mahmoud Al-Othmani (1127 – 1293 h.)  verfassten Buch einen Beschluss basierend auf ein religiöses Gutachten als die Yeziden sich verweigerten, sich dem Militärdienst anzuschließen. Er betrachtete sie darin als Apostaten und stellte fest, dass es Pflicht ist, gegen sie Krieg zu führen.

Für weitere Informationen und bessere Kenntnisnahme, empfiehlt es sich das Buch „Das Yezidentum“  verfasst von Herrn Saddiq Ad-Damlouji (S. 428 – 444), so wie das Buch „Das Yezidentum“ des Herrn Said Ad-Dewaji (S. 226 – 227) zu lesen.

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Für die Richtigkeit der sinngemäßen Übersetzung:

Dr. Zaradachet Hajo

09.06.2004

 

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