Dr.
Zaradachet Hajo
11.09.2004
Kurdische
Literatur in Deutschland
Wenn in Deutschland von Kurden gesprochen
oder in den Medien berichtet wird, geht es meistens um Kurden, die
in Deutschland leben und selten um das Leben der Kurden in ihrer
Heimatregion.
Aus
der Sicht vieler Deutschen ist ein Kurde ein personifizierter
Migrant mit zweifelhaftem Ruf, nämlich dem, keinen eigenen Staat
zu haben, die deutschen Sozialsysteme zu belasten und ständig zu
rebellieren.
Genau
dieses Bild wird häufig von den deutschen Medien vermittelt, die
selten bis nie über Kurdistan und die oft verzweifelte politische
oder wirtschaftliche Lage der Menschen dort berichten, aber häufig
genug kurdische Demonstrationszüge durch deutsche Großstädte über
die Bildschirme laufen lassen, ohne aber zu erklären, warum diese
Menschen auf die Straße gehen.
Über
kurdische Kultur und Literatur erfährt man in Deutschland
ebenfalls nicht viel, und wenn überhaupt, machen die Medien aus
einem kurdischen Filmemacher oder Autor schnell einen türkischen,
persischen oder arabischen, zumindest dann, wenn er mit seinen
Werken Erfolg hat.
Kurdische
Schriftsteller haben es schwer, egal, ob sie in Kurdistan oder im
Exil, beispielsweise hier in Deutschland, arbeiten.
In
der Heimat dürfen sie häufig von ihrer Muttersprache keinen
Gebrauch machen und sind gezwungen, ihre Bücher in türkisch,
arabisch oder persisch zu verfassen.
Im
Exil können sie zwar in kurdischer Sprache schreiben, haben dafür
aber nur einen kleinen Kreis von Lesern, weil insbesondere die aus
Nordkurdistan / Türkei stammenden Kurden häufig nicht in ihrer
Muttersprache lesen und schreiben können.
In
der Heimat müssen sie, wie der bekannte kurdische Dichter Musa
Anter, damit rechnen, hinterrücks ermordet zu werden, für lange
Jahre hinter Gefängnismauern zu verschwinden oder wie viele
kurdische Schriftsteller im Iran oder in Syrien, ihre Werke für
die Schreibtischschublade zu schreiben, weil ihre Veröffentlichung
durch die Pressezensur des jeweiligen Staates verboten worden ist.
Im
Exil dürfen sie zwar schreiben, können aber nicht damit rechnen,
dass ihr literarisches Schaffen in irgend einer Art und Weise gefördert
wird, denn von einer staatlichen oder nicht staatlichen Förderung
profitieren sie, mit Ausnahme einiger kurdischer Schriftsteller in
Schweden, meistens nicht.
Meine
sehr geehrten Damen und Herren,
bevor
ich weiter ins Detail gehe, möchte ich Ihnen das kurdische
PEN-Zentrum als ordentliches Mitglied des Internationalen PEN
vorstellen, das sowohl eine Plattform für kurdische
Schriftsteller in Kurdistan als auch für Exilschriftsteller ist.
Wir,
das kurdische PEN-Zentrum, verstehen uns ausdrücklich als Brücke
zwischen den Schriftstellern aus den verschiedenen Teilen unserer
Heimat und den Schriftstellern der Länder, in denen Kurden leben.
Auf
die, wie ich meine wichtige Funktion des kurdischen PEN-Zentrums möchte
ich aber im weiteren Verlauf meines Vortrages eingehen.
Bevor
ich mich noch näher mit der Situation der kurdischen
Schriftsteller und der kurdischen Literatur im Exil, insbesondere
in Deutschland, beschäftigen werde, möchte ich ihnen einen
kurzen geschichtlichen Abriss des Schaffens von kurdischen
Literaten im Exil geben.
Wie
Ihnen bekannt sein dürfte, wurde Kurdistan, ein
geschlossenes Gebiet von ca. 500 000 qkm, in dem
mehrheitlich Kurden leben, beim Zusammenbruch des osmanischen
Reiches gegen den Willen des kurdischen Volkes auf vier neu gegründete
Staaten, nämlich auf die Türkei, Iran, Irak und Syrien
aufgeteilt.
Die
wichtigsten kurdischen kulturellen Aktivitäten im Exil gingen
damals von der „Gesellschaft zur Wiedererweckung Kurdistans“
aus, die von Sherif Pasha auf der Friedenskonferenz nach dem
ersten Weltkrieg im Jahre 1920 vertreten wurde.
Sherif
Pasha, ein Kurde aus Südkurdistan war bis dahin Botschafter des
osmanischen Reiches in Stockholm und lebte später in Paris.
Diese
Aufteilung Kurdistans wurde durch das 1923 in Lausanne
ratifizierte Abkommen vollzogen, nach dem die türkische Souveränität
über einen großen Teil des kurdischen Territoriums und über der
Hälfte der damaligen kurdischen Gesamtbevölkerung besiegelt
wurde.
Einige
Monate später verbot die türkische Regierung unter Mustafa Kemal
den Unterricht in kurdischer Sprache, ihren Gebrauch in der Öffentlichkeit,
auch alle anderen kurdischen Traditionen wie Musik, Tanz und Gesänge.
Kurdische
Intellektuelle, die sich dieser Zwangsassimilierung widersetzten,
wurden ermordet oder gingen ins Exil.
Einige
von ihnen gingen zunächst ins Exil nach Deutschland, so die
beiden Brüder Djeladet und Kamuran Bedir Khan. Kamuran Bedirkhan
studierte in Leibzig und promovierte in Germanistik und Djeladet
Bedirkhan schloß sein Studium der Jura in München ab.
Zu
diesem Zeitpunkt kann erstmals in größerem Umfang von einem
Wirken kurdischer Intellektueller außerhalb der kurdischen
Gebiete berichtet werden.
Ziel
dieser kurdischen Intellektuellen war im wesentlichen, die
kurdische Sprache sowie Bildung und Literatur weiter zu
entwickeln.
Djeladet
Bedir Khan legte 1932 in der vom ihm gegründeten Zeitschrift
„Hawar“ ein kurdisch- lateinisches Alphabet vor und eine
Grammatik, die bis heute für das Nordkurdische ihre Gültigkeit
bewahrt hat.
Das
literarische Schaffen, u.a. die Herausgabe von Büchern und
Zeitschriften im kleinen Umfang und die Sammlung bzw. Übersetzung
kurdischer Gedichte und Volksmärchen blieben jedoch auf wenige
Gruppierungen beschränkt.
Weitere
wichtige kulturelle Aktivitäten, insbesondere auf dem Gebiet der
kurdischen Literatur und der Erforschung der kurdischen Sprache
gingen von den in der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere in
Armenien, beheimateten Kurden aus.
Nach
dem Tode Stalins 1953 wurde das Verbot der kurdischen Sprache
aufgehoben, danach war der Weg frei für einige kurdische
Zeitungen und Radioprogramme.
Innerhalb
der Union der Schriftsteller Armeniens gab es eine kurdische
Sektion, am armenischen Institut für Orientalistik wurde eine
Fachrichtung für Kurdologie eingerichtet.
Bis
zum Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 80iger Jahre war eine
relativ freie Betätigung kurdischer Schriftsteller mit
staatlicher Unterstützung möglich, die dann aufgrund von
nationalistischen Strömungen innerhalb der neu gebildeten
Nationalstaaten ihr Ende fand.
Zahlreiche
kurdische Schriftsteller und Wissenschaftler, die ihr ganzes Leben
in der ehemaligen Sowjetunion verbracht haben, sind in den letzten
Jahren nach Westeuropa, viele von ihnen nach Deutschland
emigriert.
Die
massiven Unterdrückungsmaßnahmen, die nicht nur von der Türkei,
sondern auch vom Iran und nach ihrer Eigenständigkeit auch von
den irakischen und syrischen Regierungen ausgingen, mit denen
jedes Streben nach kurdischer Identität durch Sprache, Kultur und
Literatur beantwortet wurde, führten dann insbesondere ab Beginn
der 60iger Jahre zu einer Auswanderungswelle kurdischer Menschen
und allen voran kurdischer Intellektueller und Schriftsteller,
bevorzugtes Ziel war Deutschland und Schweden.
In
dieser Zeit gingen die kulturellen Aktivitäten in Europa von
Exilkurden hauptsächlich von der im Jahre 1956 in Wiesbaden gegründeten
KSSE (Kurdische Studentenvereinigung in Europa), aus.
Waren
es zunächst Studenten aus dem syrischen und irakischen Teil
Kurdistans, die die kulturellen Aktivitäten in Europa
dominierten, änderte sich dies durch die Migration von
Gastarbeitern in den sechziger Jahren und durch die nachfolgenden
großen Flüchtlingswellen, die durch Unterdrückungsmaßnahmen in
Kurdistan ausgelöst wurden.
Insbesondere
führten die blutige Niederschlagung der Kurdenaufstände im Irak,
die zunehmenden Repressionen durch das Militär in der Türkei,
die religiös-chauvinistische Politik des Iran und die ständigen
Unterdrückungsmechanismen des syrischen Baath-Regimes gegen
Andersdenkende zu einer Fluchtbewegung von vielen kurdischen
Intellektuellen, die einen Flüchtlingsstatus in einem der europäischen
Länder erhalten haben.
Die
derzeitige Situation ist so, dass die meisten Impulse in der
kurdischen Literatur aus dem europäischen Exil kommen,
insbesondere aus Schweden und Deutschland.
Man
mag das zwar sehr bedauern, aber die Gründe dafür liegen auf der
Hand: Es gibt mehr Meinungs- und Pressefreiheit als die
Besatzerstaaten Kurdistans erlauben, Presseerzeugnisse und Bücher
können nahezu ungehindert vertrieben werden, obwohl es, bis auf
Schweden, keine staatliche oder nichtstaatliche Unterstützung
kurdischer Schriftsteller bzw. Publikationen gibt.
Welche
Auswirkungen hat nun die Zwangsemigration so vieler Schriftsteller
und Intellektuellen auf die kurdische Literatur und auf die
Autoren selbst?
Um
die Auswirkungen des Exils, die Einflußnahme der Fremde auf die
kurdische Literatur und Dichtung zu behandeln, muß ich zunächst
ein paar Worte zum Stellenwert von Dichtung und Literatur in der
kurdischen Gesellschaft sagen, denn sie unterscheidet sich nämlich
erheblich von dem der westeuropäischen Kulturen.
Kurdische
Literatur, insbesondere Gedichte, sind sehr viel mehr mit dem
Alltagsgeschehen verbunden als in Westeuropa.
Während
Gedichte in den westeuropäischen Ländern einer abgehobenen Sphäre
bzw. einer höherer Kultur zuzurechnen sind und kaum Einfluß auf
das Alltagsleben der Menschen nehmen, bestimmen Gedichte und Epen
alle gesellschaftlichen Ereignisse des kurdischen Volkes.
Begleitet
mit Musik werden sie bei Gelegenheiten aller Art vorgetragen, bei
Trauerfeiern, Festen oder sonstigen Gelegenheiten, bei denen sich
mehrere Menschen treffen.
Mit
Gedichten werden sowohl persönliche als auch politische
Ereignisse kommentiert, es gibt Spottverse, Lobgedichte auf
politische Persönlichkeiten, Heldenepen, Liebesgedichte und
vieles mehr, man kann sagen, dass die Dichtung die ganze
Spannbreite des kurdischen Lebensgefühls abdeckt.
Darüber
hinaus hat der Dichter in der kurdischen Gesellschaft einen hohen
Stellenwert in allen Bevölkerungsschichten.
Als
der Leichnam des bekannten kurdischen Dichters Cegerxwin 1984 nach
Kurdistan / Syrien überführt wurde, sind trotz eines Verbots über
100.000 Menschen zu seinem Begräbnis gekommen.
Wie
verändert nun das Exil die kurdische Literatur?
Man
muss feststellen, dass die Auswirkungen des Exils, in einer
Gesamtschau betrachtet, sowohl positive als auch negative Folgen
auf die kurdische Literatur und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft
haben.
Die
positiven Folgen sind eindeutig das rasante Anwachsen kurdischen
Schrifttums in den letzten Jahrzehnten, nicht nur der diversen
Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch der Sammlung und Veröffentlichung
von kurdischen Epen, Geschichten, Märchen, die bisher nur mündlich
überliefert worden sind.
Darüber
hinaus entstanden zahlreiche kurdische Verlage, Druckereien und
Buchläden in vielen westeuropäischen Ländern, besonders hier in
Deutschland.
Die
Werke vieler bekannter kurdischer Autoren aus der Vergangenheit
und der Gegenwart konnten veröffentlicht werden, berühmte Werke
der Weltliteratur wurden in die kurdische Sprache übersetzt.
Werke
kurdischer Autoren werden auch international wahrgenommen und, was
noch entscheidender ist, sie werden als kurdische Autoren und
nicht als türkische, persische oder arabische Dichter
wahrgenommen.
Yasar
Kemal beispielsweise, der selbst Kurde ist,
ist international als türkischer Dichter bekannt geworden,
obwohl er seine Werke aus dem reichen Schatz der kurdischen mündlich
überlieferten Literatur geschöpft hat.
Von
größter Bedeutung sind in dieser Hinsicht jedoch die Begründung
von eigenen kurdischen Satellitenfernsehkanälen, insbesondere des
seit 1995 existierenden Senders MED-TV, der in der Vergangenheit
auf politischem Druck der Türkei verboten, jetzt relativ
ungehindert unter dem Namen ROJ -TV sendet. Auch gibt es
mittlerweile neben zahlreichen Internetseiten andere kurdische
Sender in Süd-Kurdistan, so Kurdistan-TV und Kurd-TV die auch
hier in Europa zu empfangen sind.
Diese
Sender, die sowohl in kurdischer Sprache bzw. in ihren
Hauptdialekten als auch in Türkisch, Arabisch und auch Aramäisch
ausstrahlen, sind für Kurden im Exil und in der Heimat gleichermaßen
erreichbar.
Sie
verstehen sich überwiegend als Kultur- und Informationsträger
und ihren Wert, insbesondere im kulturellen Bereich, kann gar
nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Kultur,
Kunst, Schauspiel und Musik nehmen ein Drittel der gesamten
Sendezeit ein, es gibt Dichterlesungen und Sendungen über das
Leben und Werk von Dichterinnen und Dichter.
Für
viele Kurden in der Heimat hat dies die Bedeutung einer
Kulturrevolution und die Sender haben daher einen großen
politischen Einfluss auf die Menschen in Kurdistan, auf den trotz
mittlerweile positiven Tendenzen besonders in der Türkei versucht
wird, durch staatlichen Druck zu reagieren.
Eine
negative Auswirkung des Exils ist jedoch, dass die traditionelle
Verbindung der kurdischen Literatur mit dem Volk immer mehr
verschwindet.
Insbesondere
die über Generationen überlieferte kurdische Literatur, die
aufgrund der Zwangsemigration vieler Kurden nicht mehr so gepflegt
werden kann wie in früheren Jahrzehnten, droht in Vergessenheit
zu geraten.
Selbst
wenn sie gesammelt und aufgeschrieben wird, ist jedoch der
unmittelbare Bezug zum Volk verloren gegangen, dadurch nämlich,
dass sie ihre ursprüngliche Bedeutung in der kurdischen
Gesellschaft verloren hat.
Wenn
es auch sicherlich nicht möglich ist, die kurdische Exilliteratur
inhaltlich oder ihrer literarischen Form nach von der kurdischen
Literatur in Kurdistan abzugrenzen,
so
hat die Exilliteratur doch in einem erheblichen Umfang dazu
beigetragen, dass in der kurdischen Literatur und auch im Theater
einige westliche Ausdrucksformen, besonders in der modernen
politischen Literatur, Platz genommen haben.
und
nicht zuletzt demokratisches und liberales Gedankengut verarbeitet
worden ist.
Die
kurdischen Exilautoren sind natürlich nicht frei von den Eindrücken
der politischen Situation in ihrem Exilland, dies wirkt sich in
unterschiedlicher Art und Weise auf ihre Arbeit aus.
Bei
Autoren, die bereits in Kurdistan schriftstellerisch tätig waren
und nach Deutschland fliehen mussten, ist meistens eine starke
Bindung zu Kurdistan zu erkennen, was Thema und Schreibtraditionen
anbetrifft, die auch
im Exil erhalten bleibt.
Autoren
der darauf folgenden Generationen, die erst in Europa mit dem
Schreiben begonnen haben, haben häufig Schwierigkeiten mit ihrer
Identität und ihre Auseinandersetzung mit Literatur und Kunst
hilft ihnen oft dabei, sich selbst zu finden.
Gerade
bei den Werken dieser Künstler ist es so, dass sich die Kultur
der Heimat und des Gastlandes miteinander vermischen.
Es
können sich in diesen Werken große Spannungen auf der Gefühlsebene
aufbauen, einerseits durch die Isolation in der Fremde, der
Sehnsucht nach dem eigenen Ursprung aber auch durch die Möglichkeiten,
über Dinge zu schreiben, die in der eigenen Gesellschaft tabu
sind.
Darüber
hinaus ist das Verhältnis des Exillandes Deutschland zu Kurdistan
bzw. zu den Staaten, die Kurdistan besetzt halten, ein wichtiges
Thema für kurdische Exilschriftsteller.
Für
viele ist es unerträglich, dass ein Land wie Deutschland, in dem
sie seit Jahrzehnten leben und auch emotionale Bindungen aufgebaut
haben, den Staat, der sie seit ihrer Kindheit unterdrückt hat,
der ihr Dorf und vielleicht die Familie zerstört hat, so
vorbehaltlos militärisch und politisch unterstützt.
Ein
weiteres großes Problem vieler kurdischer Autoren ist, dass sie häufig
nicht ihre eigene Muttersprache in Wort und Schrift erlernt haben.
Kurdisch
war zwar zumeist die in der Familie von der Geburt an gesprochene
Sprache, aber da der Schulunterricht nicht in kurdischer Sprache
erfolgte
haben
sie häufig nicht das notwendige sprachliche Rüstzeug, um sich
schriftlich in ihrer Muttersprache auszudrücken.
Einige
erlernen die kurdische Schriftsprache im Exil, andere sind
gezwungen, sich anderer Sprachen zu bedienen, um ihre Gedanken
auszudrücken.
Das
ist häufig Türkisch, Arabisch und Persisch, aber auch die zum
Teil die Sprache des jeweiligen Gastlandes.
Es
gibt aus den genannten Gründen kaum einen kurdischen
Schriftsteller, der „nur“ in seiner Muttersprache schreibt,
die meisten sind auch als Übersetzer ihrer eigenen Werke tätig.
Die
gleichen Probleme gibt es bei den kurdischen Lesern.
Literatur
lebt von der Anteilnahme seiner Leserschaft und auch hier ist es
das größte Problem, dass ein großer Teil der kurdischen
Leserschaft es nicht gelernt hat, in Kurdisch zu lesen.
Darüber
hinaus gibt es keine einheitliche kurdische Leserschaft:
die
in Kurdistan / Türkei lebenden Kurden sind in lateinischer
Schrift, die Kurden die aus Kurdistan / Irak /Syrien und Iran
stammen, in arabischer Schrift alphabetisiert worden.
Auch
für die Kurden im Exil wird in dieser Hinsicht nicht viel getan,
mit Ausnahme von Schweden, wo es Kurdischunterricht an den Schulen
gibt und kurdische Schriftsteller auch vom Staat unterstützt
werden.
Deutschland
beispielsweise, wo die meisten Kurden in Europa leben, folgte
bisher den ideologischen Vorstellungen des türkischen Staates und
bot den kurdischen Kindern keinen muttersprachlichen Unterricht
an.
Ganz
langsam und mit viel Überzeugungsarbeit ändert sich diese
Situation, so dass einige wenige Bundesländer beginnen, auch
Kurdischunterricht für kurdische Kinder anzubieten.
Ich
bin aber sicher, dass durch die Gesetzesnovelle der
Bundesregierung zur Integration von ausländischen Menschen in der
Bundesrepublik weitere Fortschritte gemacht werden.
Allerdings
dürfen die Integrationsbemühungen nicht nur bei der Sprache
stehen bleiben, es müssen viele Brücken gebaut werden zwischen
den Menschen, die aus dem Ausland gekommen sind und den hier
lebenden Deutschen.
Insbesondere
wir Kurden haben ein großes Interesse an der deutschen Kultur und
wir hoffen, dass wir ein wenig dazu beitragen können, dass die
deutschen Menschen etwas neugierig werden auf unsere Lebensweise,
auf unsere Kultur und Literatur.
Sehr
geehrte Damen und Herren,
leider
muß ich zum Ende meiner Ausführungen kommen, obwohl zu diesem
Thema sicher noch viel zu sagen wäre.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einmal das Kurdische PEN-Zentrum erwähnen, um Ihnen die Bedeutung des Zentrums, nicht nur für die kurdischen Exilautoren, sondern auch für die Autoren in unserer Heimat zu verdeutlichen.
Wir sind sehr
bemüht darum, den Dialog zwischen Exilautoren und Autoren, die
trotz der Unfreiheit in der Heimat leben und arbeiten, nicht abreißen
zu lassen, im Gegenteil, wir wollen einander helfen und durch
einen Gedankenaustausch Impulse für unser literarisches Schaffen
erhalten.
Wir sehen uns
des weiteren als Verbindungsglied zu Schriftstellern anderer
Nationen, um gemeinsame Interessen auf einer internationalen Bühne
zur Sprache zu bringen
und wir würden
natürlich auch gerne ein Rädchen im Getriebe der neuen
Integrationsbemühungen in Deutschland sein,
insbesondere um
ein gegenseitiges Kulturverständnis und damit mehr Toleranz zu
schaffen.
Ich
bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
copyright © 2002-2004 info@pen-kurd.org