Dr. Zorab Aloian

Das Yezidentum

 

Dr. Zorab Aloians Beitrag zum Seminar Die Geschichte der kurdischen Yeziden; ihre Religion; Gründe, die dazu führten, ihr Land zu verlassen, Zukunftsperspektiven in Deutschland organisiert von Deutsch-Ausländische Gemeinschaft Westerstede e.V. am 17.02.20059

 

Im heutigen Gespräch werde ich das Yezidentum im Allgemeinen, dessen Mythen und die Situation der yezidischen Gruppen in Deutschland versuchen, zu präsentieren.

 

Die Geschichte meiner Familie zeigt das Schicksal der yezidischen Kurden

Meine Großeltern stammen aus Kars, Nord Kurdistan (Kurdistan-Turkei). Kars war ein Ort im historischen Serhed Gebiet, wo, wie 1913 die osmanische Statistiken zeigen, 37.000 Yeziden lebten. Nur 8.000 von ihnen konnten nach dem Ersten Weltkrieg dem Genozid entkommen und nach Armenien und Georgien (damals Teil der Russischen Monarchie) fliehen. Dieser Genozid richtete sich gegen Armenier, Christen, nicht muslimische Kurden und alle andere kurdischen Patrioten. Meine Großeltern konnten nach Armenien fliehen und meine Eltern sind dort geboren und zur Schule gegangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind meine Eltern nach Georgien ausgewandert und ich bin in Georgien geboren und aufgewachsen. Nach dem Gymnasium fuhr ich nach Leningrad (Sankt Petersburg), Russland, wo ich an der Universität Sprachwissenschaft und Geschichte studiert habe. Als die UdSSR unterging, bin ich nach Budapest, Ungarn, gegangen, um weiter an der Central-European University und Eotvos Lorand Universität zu studieren. Zur Zeit wohne ich in Deutschland und es scheint sich eine alte Erfahrung zu bestätigen, dass wie unsere Verwandte sagen, bei uns nicht eine Generation an dem selben Ort bleibt und nicht begraben wird. Aus dem Grund verfolge ich die Integrationsdiskussion in Deutschland mit großem Interesse.

Napoleon Bonaparte soll gesagt haben, Geographie sei Schicksal. Die Geschichte der Yeziden beweist die Richtigkeit dieses Aphorismus auf schreckliche Weise: Seit Anbeginn der Geschichte war die Heimat der Yeziden – Kurdistan – das zentrale Durchgangsland zwischen Kleinasien und Mesopotamien und deshalb immer wider Schauplatz diverser Machtkämpfe.

 

Die Yeziden gehören innerhalb der kurdischen Gemeinschaft zu einer kleinen religiösen Minderheit. Heute gibt es nur Kurden, die Anhänger dieser Religion sind. Es gibt keine anderen Nationen und Völker, die Anhänger der yezidischen Glaubensgemeinschaft sind. Die Yeziden sind Kurden und teilen insofern ihr Schicksal. Sie leben in der Türkei, im Irak, in Syrien, in Teilen der ehemaligen Sowjetunion (besonders Armenien, Georgien und der Russischen Föderation) und heute auch in Europa (überwiegend in Deutschland).

Mit der Islamisierungswelle in Kurdistan hat sich auch ihr Schicksal entschieden. Die Mehrheit der Kurden (aber nicht alle) wurde zum Islam bekehrt. Die Yeziden, zusammen mit anderen alten Religionsgruppen der Kurden wie Shabak, Yaresan, Kakei, Christen und Juden, hielten an ihrem Glauben fest und waren fortan als Minderheit mit Unterdrückung, Diskriminierung und einer Verfolgung, die als Massaker bezeichnet werden kann, konfrontiert.

Wie bekannt, sind laut Koran und Islam, nur Sabea, Juden und Christen als die Völker des Buches anerkannt und akzeptiert im islamischen Raum. Die Yeziden, die bis ins 14. Jahrhundert die Mehrheit bei den Kurden waren, gehörten nicht zu dieser privilegierten Kategorie und hatten keine Schutzgesetze im Islam-dominierten Osmanischen und Persischen Reich. Die Religion der Yeziden wurde im Osmanischen Reich und in der türkischen Republik nicht ins Verwaltungssystem und in die Gesellschaft integriert, weil sie nicht zu den monotheistischen „Buchreligionen“ gehörten. Die Yeziden gehören daher nicht zu den im Lausanner Abkommen anerkannten Minderheiten und können deswegen in der heutigen türkischen Republik keinen Anspruch auf die Rechte der Minderheiten erheben. Sie besitzen keinen rechtlichen Status. 

Es gibt keine verlässlichen Daten über die Größe der yezidischen Bevölkerung, da die Zahl der Yeziden in keinem der Länder, in denen sie leben bzw. lebten, statistisch erfasst ist. Ich persönlich schätze die Zahl der yezidischen Kurden weltweit zwischen 700.000 und 1 Million.

Es ist zu einem Bestandteil der yezidischen Geschichte geworden, sich immer gegen Unterdrückung und Vertreibung zu wehren und sich oft in Bergregionen zurückziehen. Nur dort konnten sie ihre Religion unbehelligt ausüben und mündlich an die nächsten Generationen weitergeben. Erst seit etwa 30 Jahren haben Wissenschaftler die Chance, yezidische mündliche Literatur, Gebete, Erzählungen und Gedicht über kosmische Vorstellungen, zu veröffentlichen.

 

Die meiste Literatur über Yeziden, nach dem Kurdischen und Arabischen, existiert in Russisch, weil seit dem 18. Jahrhundert die yezidische Gebiete in der Grenzeregion zwischen dem Russischen und dem Osmanischen Reiche liegen. Außerdem hatten seit dem 19. Jahrhundert die Europäer Interesse am yezidischen Glauben gezeig. So gibt es heute viel Material auf Englisch, Französisch und Italienisch. Die Yeziden faszinierten auch Karl May, der in seinem Buch „Durchs wilde Kurdistan“ Sympathien für die Yeziden zeigt:

„Nach derselben hielt Mir Scheik Khan eine kurze Ansprache an die Priester. Er schilderte in kurzem Worten die Notwendigkeit, seinen Wandel von jeder Sünde rein zu halten, allen Menschen Gutes zu tun, seinem Glauben treu zu bleiben und ihn gegen alle Feinde zu verteidigen.

Wir stiegen die nach Baadri zu gelegene Höhe hinan. Überall trafen wir Männer, Frauen und Kinder mit Fackeln und Lichtern, und von allen wurden wir mit einer wirklich kindlichen Freude begrüßt und angeredet... Wer den Genuß vollständig haben wollte, mußte sich selbst in Dunkel befinden.“ 

Jahrhunderte lang hatten viele Autoren positive Vorstellungen über die Yeziden geäußert. Zum Beispiel, schrieb ein andere Schriftsteller, der berühmte türkische Autor kurdischer Herkunft Yaþar Kemal („Firat Suyu Kann Akiyor Baksana, S. 245“):

„... dreimal am Tag wenden sie sich an die Sonne und beten. Ihre Gebete sind nicht wie unsere, einstudiert. Jeder der will, mag er Kind, jung oder alt, Emir oder Scheich sein, stellt sich vor die Sonne und erzählt ihr das, was in diesem Augenblick sein Herz spricht. Vielleicht sind dieses die schönsten Gebete, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Vielleicht entspringen die schönsten Lieder, die schönsten Dichtungen diesen Gebeten. Vielleicht wurzeln alle Legenden und Sagen Mesopotamiens in diesen Gebeten“.

Die Yeziden sprechen Kurdisch, eine indogermanische Sprache der Iranischen Sprachgruppe. Alle yezidischen mündlichen Texten, Gebete und so weiter sind auf Kurdisch, das von 40-50 Millionen Leuten im Nahen Osten gesprochen wird.

 

Die Gemeinde Yeziden

Heut zu Tage ist das Yezidentum der Glaube an die Einigung und Einheit, an einen Gott, obwohl es durch die Geschichte hindurch auch Politeismus und Dualismus erlebt hatte.

Es gibt viele verschiedene Theorien über die Herkunft und den Namen der Yeziden. Trotzdem teile ich die Meinung, dass der Begriff „Yezidentum“, “Ezdayi“, „Yezidi“ aus dem kurdischen Wort “Yezdan“, „Ezda“ – für Gott, kommt.

Die Religion der Yeziden besteht aus Regeln, Verboten, Geboten, Ritualen, Erzählungen und Mythen. Außer Gott existieren in der yezidischen Religion die sieben Erzengel, die wahrscheinlich eine zoroastrianische kulturelle Abstammung haben. In die täglichen Gebete der Yeziden werden diese Engel miteinbezogen. Oberhaupt der sieben Engel ist Tawusi Melek, die Engel Pfau, der von Gott mit der Aufsicht über die Erde beauftragt worden ist, und der im Besonderen die Yeziden schützen soll. Neben Tawusi Melek, dem Engel Pfau, gibt es noch andere Heilige, der wichtigste ist Scheich Adi (1071-1161), der im 11.-12. Jahrhundert das Yezidentum reformiert hat. Laut yezidischer Kosmologie soll Scheich Adi das Gute verkörpern. Scheich Adi hat viele Elementen des Sufismus, einem islamischen Mystizismus, ins Yezidentum gebracht.

 

Mir (Fürst, Prinz)

Der Ranghöchste, innerhalb dieser Hierarchien ist der Mir von Scheichan; er hat die uneingeschränkte Macht und Befugnis, über sein Volk nach seinem Gutdünken zu entscheiden. Er braucht aber die Zustimmung des Geistlichen Parlaments (Meclîsa Ruhanî), das aus 7 Personen besteht. Mirs traditioneller Sitz liegt in Baadre, einige Kilometer von dem Heiligtum Lalisch in Kurdistan-Irak entfernt.  

   

Scheichs

Die ranghöchste Kaste nach dem Emir bilden die Scheichs. Das Wort selbst ist ein arabisches Wort und bedeutet soviel wie Gelehrter, Führer oder Oberhaupt. Die Scheichs sind die geistigen Führer der Gemeinschaft. Jeder Scheichs-Familie ist eine Anzahl von Murids zugeteilt worden, für die sie zuständig und verantwortlich ist. Die Scheichs-Familie hat die Aufgabe, die Murids in religiösen Fragen zu helfen und die religiösen Zeremonien mit ihnen abzuhalten. Dafür erhalten die Scheichs von den Murids eine jährliche Summe Geld.

 

Pirs

Die nächste Stufe in der Hierarchie der Yeziden nehmen die Pirs ein. Gemäß der Religion haben die Pirs die gleiche religiöse Stellung wie die Scheichs, diese sind aber zum Teil höher angesehen als die Pirs.  

 

Qewwals (Erzähler von religiösen Gedichten und Erzählungen)

Die Qewwals leben in zwei Dörfern von Basik u Bahzani, die etwa 35 km von Mosul entfernt liegen. Die Qewwals lernen von ihren Vätern alle religiösen Gedichte, mündlichen Geschichten der Yeziden und alle heiligen Erzählungen auswendig. Sie sind somit das religiöse Gedächtnis der Yeziden.

 

Kochek

Die Nächsten in der Hierarchie sind die Kochek. Sie sind im Gegensatz zu den anderen nur eine Laienbruderschaft. Ihrer Kaste kann jeder Yezide beitreten, der seine Kräfte und Dienste dem Scheich Adi unterstellen will. Ihre Aufgabe hier besteht zum größten Teil darin, bei den Festen Brennholz aus den Bergen zu holen und auch sonst für das leibliche Wohl der Anwesenden zu sorgen. 

Murid

Die Murid (Laien) stellen die Mehrheit der yezidischen Glaubensgemeinschaft dar, diese Gruppe bezieht ihren Lebensunterhalt aus Landwirtschaft und Handel. Die Pflicht dieser Gruppe ist, ihren sogenannten Oberen zu dienen und ihnen eine Art von Steuer aus ihrem Einkommen abzugeben. Jede Murid–Familie hat einen Scheich und einen Pir.

 

Die heiligen Elementen der Yeziden

Die Sonne, das Feuer, der Mond, die Erde, das Wasser und die Luft sind die heiligen Elemente der Yeziden. Drei grundlegenden Eigenschaften gelten für jeden Yeziden:

1. Rasti: Die Wahrheit, Gerechtigkeit. Jeder Yezide ist verpflichtet stets die Wahrheit zu sagen und an das Wahrhafte zu glauben.

2. Zanin: Das Bekenntnis, Wissen.

3. Scherm: der Scham. Jeder, der über Schamgefühle verfügt, wird nie etwas schlechtes tun.

Über die Bedeutung der Musik im Rahmen der yezidischen Mythologie wird folgendes überliefert: Erst wurde der Körper erschaffen, und dann die Seele, die den Körper betreten sollte, um ihn mit Leben zu erfüllen. Sie war aber unwillig und weigerte sich. Gott erschuf die Musik und konnte sie dadurch dazu bewegen. Am Anfang des Lebens war die Musik.

             

Feierlichkeiten und Zeremonien

Newroz

 Das Newrozfest hat auch bei den Yeziden eine besondere Bedeutung. Der Legende zufolge beginnt die kurdische Zeitrechnung 612 vor Christus, als der Schmied Kawa den Tyrannen Dahak erschlägt und das kurdische Volk befreit. Die Kurden feiern jedes Jahr am 21.März Newroz, das Neue Jahr – und Widerstandfest, als Symbol ihrer Befreiung. Man zündet ein Feuer an, singt und tanzt herum und springt über das Feuer. Newroz (21. März, seit 612 v. Chr.- Neues Jahr → jeitzt nach dem kurdischem Kalendar: 2619).

 

Charschema Sor

Dieses Fest wird bei den Yeziden am ersten Mittwoch im April gefeiert. Das Fest spielt sich folgendermaßen ab: Am Festtag muss in jedem Haus Fleisch sein, wobei das Vieh bereits am Vortrag geschlachtet und das Fleisch in der Nacht zubereitet werden soll, um dann am Mittwochmorgen von den Priestern gesegnet zu werden. Auch der Toten wird gedacht: im Laufe des Tages begeben sich die Frauen auf den Friedhof und legen Nahrungsmittel auf den Gräbern nieder. Das fest selber wird zu Ehren von Tawusi Melek gefeiert. Außerdem glauben die Yeziden, dass an diesem Tag alle Engeln auf die Erde kommen.

 

Cejna Cemaiye - Scheich Adi Feierlichkeiten

Zu Ehren Scheich Adis wird im heiligen Tempel von Lalisch vom 23. bis zum 30. September gefeiert. Die  Religionsführer der Yeziden versammeln sich jedes Jahr im Lalisch. Diese Feierlichkeit ist das wichtigste Ereignis des ganzen Jahres.

 

Fasten

Die Yeziden fasten im Jahr 2 Mal für drei Tage. Die erste 3 Tage wird für die Sonnenfeier nach dem ersten Freitag im Dezember gefastet. Sie beginnen am Montag und fasten für drei Tage, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Das Fasten im Dezember für drei Tage ist gemäß der Religion der Yeziden für jeden Pflicht. In einigen Regionen, wie bei den Yeziden in der Türkei fastet man im Dezember nicht nur drei, sondern neun Tage. Zu Ehren Xidir Ilyas (Sankt Georg oder Mar Bahram) wird im Februar gefastet.

 

Das Ritual zur Harrbeschneidung

Im siebten oder neunten Monat nach der Geburt eines Jungen ist es erlaubt, seine Haare zu schneiden.  Der Scheich des Kindes schneidet das Haar von beiden Seiten und nimmt drei Locken (Bisk); zwei werden den Eltern gegeben und eine behält der Scheich. Während der Zeremonie  sagt der Scheich ein kurzes Gebet.
 

Das Ritual des Bruders/der Schwester für das Leben nach dem Tod/Jenseits (Biraye Axrete)

Jeder Yezide muss nach den religiösen Doktrinen einen Bruder oder eine Schwester haben, der/die ihm im Leben nach dem Tod beisteht. Die Auswahl des Bruders oder der Schwester trifft die Scheich Kaste. Biraye Axirete spielt vor allem bei den Beerdigungszeremonien eine sehr wichtige Rolle.

 

Der Tawusi Melek

Tawusi Idole spielen in der yezidischen Religion eine große Rolle. Im Zusammenhang mit dem Tawusi Melek gibt es viele verschiedene Versionen des Schöpfungsberichts, die ich nicht alle hier aufführen kann.

Gott ist nur der Schöpfer, nicht auch der Erhalter der Welt. Er ist nicht aktiv und kümmert sich nicht um die Welt. Das tätige, ausführende Organ des göttlichen Willens ist Tawusi Melek, der das Alter Ego Gottes ist. Die Yeziden glauben offenbar an keine Hölle, an keinen Teufel im judeo-christo-islamischen Sinn und an keine Höllenstrafe. Aber die Yeziden mussten einen Kompromiss finden, um sich ihren christlichen und muslimischen Nachbarn zu erklären.

7000 Jahre lang hat Tawusi Melek wegen die Sünden der Menschheit geweint. Mit den Tränen von Tawusi Melek soll das Höllenfeuer gelöscht worden sein. Zeitweise wurde Tawusi Melek zwar als Teufel (Scheytan) angesehen, aber durch seine Rehabilitierung wieder in den Stand des Engels gehoben.

Die Welt bewegt sich durch einen zyklischen Verlauf vom Leben zum Tod und wieder vom Tod zum Leben durch Transmigration der Seelen. Wenn jemand gestorben ist sagen die Yeziden, dass er „das Kleid gewechselt hat“ (kiras guharin). Der Körper ist vergänglich, aber die Seele ist unsterblich.

 

Einige Tabus

Es gibt eine Vielzahl von Tabus.

Das Schweinetabu: Es gibt mehrere Erklärungen, warum es den Yeziden verboten sein könnte, Schweinefleisch zu essen. Eine dieser erkläre der islamische Einfluss, was aber das Verbot von Alkohol mit einschließen würde. Dem ist aber nicht so. Eine andere These ist, das sich dieses Tabu bereits bei den vorchristlichen Armeniern findet. Auch hier tritt das alte Ägypten in Erscheinung, denn bei den alten Ägyptern galt das Schweinefleisch als unrein. Wahrscheinlich hat dieses Tabu einen hygienischen Grund, weil Schweinfleisch im warmen Klima des Nahen Ostens schnell verdirbt.

Das Lattichtabu: Ein anderes davon ist das Lattichtabu, so eigenartig es für Westeuropäer erscheinen mag, so selbstverständlich ist es für die Yeziden, den Lattich niemals als Lebensmittel zu verwenden oder gar in die Nähe der Lattichfelder zu gehen oder ihn gar zu berühren. Manche erklären dieses Tabu durch einen Vergleich mit den alten Ägyptern. Im alten Ägypten war der Lattich bekanntlich dem Min, einen der ältesten Hauptgötter des alten Ägyptens. Das Verbot des Lattichs könnte hauptsächlich damit zusammenhängen, das Min als „Gott der Fruchtbarkeit“ angesehen wurde und der Lattich somit als eine dem Fruchtbarkeitsgott geweihte Pflanze war.

Eine alte yezidische Legende behauptet, dass der Lattich als Wiedersacher Gottes auftritt, dem ermüdeten Wanderer (Gott oder Tawusi Melek) den erbetenen Schatten  verwehrte.

Die Bedeutung der Farbe Blau: Die Farbe Blau wird nie zu Dekorationszwecken oder gar für Kleidung benutzt. Es besteht eine Ambivalenz aus Verehrung, und Ablehnung. Auf Kurdisch hat das Wort SHIN (Blau) zwei Bedeutungen: die Farbe Blau und Trauer. Das könnte der richtige Hintergrund für diesen Ambivalenz sein.

 

Geschichte der Yeziden

Hier kann man mit der modernen Geschichte anfangen, die an die Vergangenheit appelliert. Die dominierte Bewegung des modernen kurdischen Nationalismus bis 2000 bildete die PKK, die Ongra Gel heißt. Ihr Konzept basiert auf kulturnationalen Ideen. Diesem Konzept entsprechend findet die Nation ihre Legitimierung und ihren Anspruch auf territoriale und kulturelle Einheit in der Kontinuität der Geschichte.

Der Ursprung der Kurden wird auf die Meder zurückgeführt. Die Eroberung Kurdistans durch fremde Herrscher soll im Jahre 550 v. Chr. mit dem Sieg der Perser über die Meder begonnen haben. Im Gegensatz zu den semitischen Assyren und den mittelasiatischen Türken wird die indioeuropäische Herkunft der Meder und damit auch der Kurden betont. Die Religion Zarathustras wird als die vorislamische Religion der Kurden anerkannt. Damit unterscheidet sich der ursprüngliche Glaube der Kurden vom Islam und vorislamischen Religionen der Türken und Araber. Aus dieser Perspektive heraus werden die Yeziden als die „echten ursprünglichen Kurden“ wahrgenommen und die Religion der Yeziden als spezifische ‚kurdische’ Glaube definiert.

Einer der asylberechtigten Informanten, der seit 1989 in Deutschland lebt, begründete sein Interesse an der nationalen Bewegung folgendermaßen:

„Man darf in Deutschland nicht mehr in den alten Mustern denken. Unsere erworbenen Fähigkeiten gelten hier nichts... Als Yezidigemeinschaft müssen wir mit unserer Kraft versuchen, unsere Kinder auszubilden, um in der Gesellschaft wichtige Positionen zu haben. Zweitens ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder unsere Muttersprache nicht verlernen. Durch die Sprache wird die Kultur, die Tradition, die Denkweise einer Gesellschaft von einer Generation zur nächsten vermittelt. Wir müssen daher mit den anderen Kurden zusammenhalten, damit wir überleben und uns zu einer modernen Nation entwickeln können“(Breddermann, S. 84).    

Es ist erwähnenswert zu sagen, dass die heutigen Bewohner Kurdistans, nämlich die Nachfahren der Meder und Kardukan, die schon vor den Türken und Arabern neben vielen Völkern sowie den Persern, Griechen, Römer, Byzanz, Sumerer, Armenier und Assyrern lebten.


Verfolgung der yezidischen Kurden

Was aber den verstorbenen Ad-Damlouji anbetrifft, so schreibt dieser auf der Seite 428 seines Buches „Das Yezidentum“ folgendes:

„Wahrlich spielten Entscheidungen durch religiöse Gutachten (Al-Fatawa), die eine Gruppe von Gelehrten des Islams verkündeten, eine wichtige und gefährliche Rolle im Leben dieser Leute. Dadurch wurden sie in zermürbende  Kriege verwickelt, die über drei Perioden andauerten. Sie erlitten alle Arten des Schmerzes und der Qual, sie ergaben sich aber an keinem Tag. Würden wir diese Gelehrten nach den Gründen fragen, die sie zur Verkündung dieser Al-Fatawa bewegten, die dieses Land während der ganzen Zeitspanne in Chaos und Lethargie versetzten, würden sie antworten: Es ist die Religion. Als ob die Religion in ihren Seitenteilen zerrissen und in ihren Stützpfeilern zerstört worden wäre“.

Die Massaker an den und die Islamisierung der Yeziden sind in der kollektiven Erinnerungen sehr schmerzhaft. Es wird in alltäglichem Sprachgebrauch über die Verfolgung und Gewalt, ob in physischer Form, geredet.

Um einem Menschen, einer Nation oder einer Religion politisch und militärisch schaden zu können, braucht man irgendeine Legitimation. Die sogenannten „Glaubenskriege“, die im Namen eines Gottes und gerade deswegen “legitimiert“ gegen die Andersgläubigen geführt werden, sind im Grunde genommen ein purer Gewaltakt, ein Versuch der absoluten Vernichtung.

In 13. Jahrhundert hatten die Yeziden die Chance einen kurdischen Staat mit yezidischer Religion zu gründen, die yeizidsche Armee hat die Kämpfe gegen die herrschenden Mongolen und Seldschuken jedoch verloren.  Die Fahne der Yeziden – Rot, Gelb und Grün – ist heut zu Tage die offizielle Fahne der PKK.

Ich zeige nur die Operationen gegen die Yeziden im 18. Jahrhundert und nur in einem Gebiet im heutigen Kurdistan-Irak.

1715: der Vali von Baghdad, Hasan Pascha benutzt die Araber Tayy-Beduinnen gegen die Yeziden,

1733: Ahmed Pascha verwüstet die Yezidi- Dörfer am Zab Fluß,

1752: Suleyman Pascha tötet zahllose Menschen bei einem Angriff auf die Yeziden des Sindschar,

1767: Der Vali von Mosul, Amin Pascha, entsendet seinen Sohn um den Sindschar zu plündern,

1773: der Vali von Mosul plündert den Sindschar,

1779: der Vali von Mosul entsendet seinen Bruder um den Sindschar zu plündern,

1785: der Vali von Mosul, Abd al-Baqi, wird bei einer Strafexpedition besiegt und getötet,

1790: Cholo Beg, der Mir des Scheichan, interveniert in einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen dem Pascha von Amadiya und einigen seiner Verwandten. Er wird hierbei getötet,

1791: die Tayy Araber überfallen den Sindschar,

1792: Plünderung des Sindschar durch Mohammad Pascha von Mosul,

1793: Strafexpedition des gleichen Vali gegen den yezidischen Mihirkan,

1794: eine Truppe die von Suleyman Pascha entsendet wurde plündert den Sindschar,

1800: unterstützt von Beduinen der Obeyd, Hamdan und Tayy (Araber) verwüstet Abd al Aziz Beg von Bagdad den Scheichan und zerstört 25 Dörfer der Yeziden.


Yeziden in Deutschland

Die meisten der in Deutschland lebenden Yeziden suchten Zuflucht bei Angehörigen ihrer Gemeinschaft, die als Arbeitsmigranten hier herkamen. Da die Yeziden eine sehr strenge endogame Gruppe darstellen, bilden die Verwandschaftsbeziehungen, trotz der Verstreutheit der Gemeinde über ein sehr weites Gebiet ein enges Netz. Dieses Netz ermöglichte eine Kettenimmigration nach Deutschland. Andere sind aus politischen Gründen nach Deutschland geflohen. Schnell gelang es den Yeziden, Gemeinden in vielen Städten Deutschlands zu bilden, vor allem in Niedersachsen (Kreis Celle), Nordrhein-Westfalen (Emmerich) und in Saarland. In der Türkei wurde die Vertreibung der Yeziden bereits vollzogen. Man kann nicht mehr von einer Existenz der Yezidigemeinschaft in der türkischen Republik reden. Die türkischen Yeziden in Deutschland haben keine Heimat mehr, in die sie zurückkehren könnten. Dieser Zustand unterscheidet sie von den anderen Migranten aus der Türkei, die in der Rückkehr in ihre Heimat eine Alternative zum Leben in Deutschland sehen.         

Zum ersten Mal in der modernen Geschichte können sich nach Hunderten Jahren der religiösen Unterdrückung im Osmanischen und Persischen Reich und später in den Islam-dominierten Staaten – Irak, Syrien und die Türkei und auch von islamistischen Kurden - die Yeziden in Deutschland organisieren. 1993 haben in Celle 200 Vertreter der Yeziden aus Deutschland die Entscheidung getroffen, hier als Gemeinde zu überleben. Um Kontakten mit Yeziden in der Heimat zu halten, müssen sie ein offizielles Zentrum gründen. 1996 wurde mit 110 Teilnähmern in Bielefeld die „Union der Yeziden aus Kurdistan“ gegründet.

Die Föderation der Yezidischen Kurden vereinigt die yezidischen Organisationen bundesweit und möchte in Zukunft einen Weg für yezidische Organisationen aus anderen Ländern öffnen. Es gibt heute eine ziemlich große yezidische Bevölkerung in Belgien, Holland, Russland, der Ukraine, in Armenien und Georgien. Die Föderation will diese Gruppen zusammenbringen und Ihre Beziehungen mit Yeziden, die in Kurdistan Gebietes in der Türkei, in Syrien und in Irak leben, verstärken.


(Es gibt viele Beispiele von aktuellen Aktivitäten der Föderation in Deutschland, die zeigen, dass die Yeziden versuchen einen Modus Vivendi mit Deutschen und Minderheiten zu finden. Das ist die richtige Politik von kleinen Schritten, der die Yeziden sich besser mit der neuen Heimat verbinden können.    

(Am 19.11.2002. kamen die Yeziden aus der Föderation zum Bundesamt um Johannes Düchting, der Autor eines Buches über uns, treffen.

Am 21.11.2001. hatten die Vertreter der Föderation Gemeinden aus NRW getroffen. Sie haben in Rathaus Bielefeld ein Treffen mit Gemeinde.

Am 17.12.2001. hatte der Yezidische Verein die Deutsche Studenten eingeladen und über Yezidentum eine Diskussion geführt.

Außerdem, seit 2 Jahren treffen die Yeziden regelmäßig die Vertreter des Roten Kreuzes, Polizei und Jugendamt und diskutieren über die Problemen. Solche Sammlungen findeten am 24.11.2001, 20.02.2002 und 16.04.2002 statt. Am 22.06.2002. werden die Yeziden an einem Kulturfest teilnehmen und eigene Folkloregruppen präsentieren.

Regelmäßig besuchen die Vertreter der Föderation die Evangelische Kirche und ohne Terminen dürfen sie zum Bundesamt gehen.)

Im April 2002 in Celle beim Kongress der Föderation und später mehrmals in Oldenburg habe ich persönlich erlebt, wie die Frage der Integration diskutiert wurde. Die alte Yeziden äußern Ängste, dass Integration den Verlust der yezidischen religiösen Besonderheiten bedeutet. Der Vorstand vom Kongress und der Vorstand der Yezidischen Gemeinde in Oldenburg sowohl als auch die jugendliche erklären, dass in Deutschland die Yeziden auf der einen Seite ihre ethnische und kulturelle Identität behalten müssen, auf der anderen Seite sich der  europäischen Gesellschaft aber öffnen, weil hier keine aggressive Unterdrückung stattfinde.

Die Yeziden sind eine Minderheit innerhalb der Minderheiten und sind deswegen benachteiligt. Man muss zu Kenntnis nehmen, dass Toleranz, Akzeptanz und freies Zusammenleben bedeutet. Heut zu Tage haben die Yeziden Sorgen, weil kein Land sie unterstützt und sie nicht in ihrer Heimat sind. Vielleicht kann das europäische Projekt die Stimme der Yeziden deutliche machen, weil in Europa Minderheiten beachtet werden. Manche sagen, dass in Europa existiert religiöse Freiheit mit Defiziten, aber die Yeziden hätten sich gefreut, wenn sie eine solche Situation in der Türkei vorgefunden hätten.


Yezidische Frauen

1. Die yezidische Familie ist normalerweise monogam. Gemäss yezidischer Tradition darf der Mann eine zweite Frau nur heiraten, wenn die erste unfruchtbar ist.

2. Die yezidischen Mädchen dürfen zwar nicht wählen, welchen Mann sie heiraten. Sie dürfen aber die Vorschläge der eigenen Familie und Verwandten ablehnen, wenn der vorgeschlagene Junge ihnen nicht gefällt.

3. Im Mittelalter lebten Yeziden unter muslimischer Mehrheit, die die Yeziden immer islamisieren wollten. Deswegen verboten die yezidischen Mirs (religiöse Führer), den yeizidischen Jungen und Mädchen mit Muslimen studieren. 1907 hat der yezidische Mir Ismail Beg Chol gesagt, dass die Junge und Mädchen moderne Wissenschaft und Kunst studieren sollten. Seitdem ist die Anzahl der studierenden Jugendlichen (besonders Mädchen) höher, als die der muslimischen Kurden.

 

Ein Beispiel aus einem yezidischen Text

Zum Schluss möchte ich einen yezidischen Text vorlesen: „Das Lied der Überlegenden“ oder „Das Lied der Laien“ (Beyta Cindî). Die kurze Übersetzung lautet: Oh Überlegender, steh auf, du hast genug geschlafen, in Dunkelheit gab es viele dunkele Ereignisse. Nun musst du diese aufräumen, um Gott zu dienen.  

Cindiyo rabe roj e

Bes vê xewa hindoje

Xewa berê sibê zor edab û doj e

            Cindiyo, rabe, rabe

            Bes bi vê xewê tu þa be,

            Xewa berê sibê zor ezab e

Rabe ji xewêd þirîne

Bes gorê teng bibîne

Feqîr dibê kerr bin, dibê kîn e

            Rabe ji xewêd tariye

            Xew heram dibûn li cindiye

            Wê li Xudanên maþan û cenbeqiye

Rabe ji xewêd sibehe

Xew heram dibû li medehe

Wê li Xudanê xerqehe

            Rabe xewêd hingora

            Xew heram dibû li zora

            Wê li Xudanêd xerqêd bi mohra

Rabe ji tarî bave

Qesd bike merzêd ave

Ciwan bike destan û çave

Eva bû adetê me zirbave


Extra

Im Jahre 1872 haben die Yeziden in einem Brief vom Osmanischen Reich verlangt, dass ihnen zugesichert werden sollte, nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden. Darüber hinaus werden darin einige wichtige Grundlagen des Yezidentums beschrieben.

- Es ist unmöglich für einen Yeziden, in die Armee zu gehen.

- Jede(r) Yezide muss 3 mal im Jahr-im April, September und November-die Symbole von Tawusi Melek besuchen.

- Jede(r) Yezide muss das Heiligtum Lalisch einmal im Jahr besuchen. Er soll vom 6.Oktober bis zum 13. Oktober das Heiligtum von Scheich Adi besuchen.

- Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang muss ein Yezide zu einem Platz gehen, wo sich keine Muslims, Christen  und Juden befinden. Er soll beten.

- Wenn ein Yezide stirbt, dann muss er Biraye Axirete, ein Scheich, ein Pir oder ein Qewwal anwesend sein, der für ihn um Vergebung bittet.

- Jede(r) Yezide sollte Erde vom Grab von Scheich Adi bei sich haben, das ihn beschützt.

- Wenn ein Yezide fastet, dann soll er zu Hause fasten. Jede Morgen vor dem Fasten muss der Yezide zu seinem Scheich oder Pir gehen, und bevor er am Abend sein Fasten bricht, muss er sie ebenfalls besuchen. Bevor er mit dem Essen beginnt, soll der Fastende zwei oder drei Gläser vom heiligen Wein des Pirs oder Scheichs trinken.

- Jede(r) Yezide muss einen/eine Bruder/Schwester für das Leben nach dem Tod/Biraye Axirete haben.

- Jede(r) Yezide muss ein Unterhemd tragen, das sich Gerivan nennt.

- Yeziden sollen keine Kleidung tragen, die eine blaue Farbe hat.

 

Es gibt noch ein weiteres Dokument von 1908, das von Ismail Beg, dem Prinzen der Yeziden, verfasst wurde, und dass er den Yeziden in Armenien geschickt hat. Das Dokument von Ismail  Beg, dem Sohn Ebdi Beg besagt folgendes:

- Wir glauben an einen Gott, den Schöpfer des Himmels, der Erde  und Allen Lebens.

- Das Wort Gottes wird von dem Vater an den Sohn weitergegeben. Dies wird in den Erzählungen des Gyliye Azim [Das Heiligste Wort] gesagt.

- Es ist den Yeziden verboten, eine Beziehung mit Personen einer anderen Nation (Rasse, Religion) einzugehen. Wer sich nicht daran hält, gehört nicht mehr dieser Religion an.

- Die Yeziden müssen die Menschen anderer Nationen, anderer Herkunft, anderer Rasse und anderen Glaubens mit Respekt behandeln.

- Jede(r) Yezide muss nach unseren Regeln Gott dienen. Tut er dies nicht, dann folgt er nicht dem Weg Gottes.

- Ein Yezide darf nicht die Frau eines anderen entführen; Vielmehr soll er dem oder der Entführten helfen und Schutz gewähren.

- Die Scheichs der Yeziden sind in drei Klans eingeteilt... Jeder Klan darf nur Angehörige aus seiner eigenen Scheich-Gruppe heiraten.

- Die Pirs sind in zwei Gruppen eingeteilt... Jeder Angehörige einer Pir-Gruppe soll nur Mitglieder seiner eigenen Gruppe heiraten.

- Mitgliedern der Kaste der Murids ist es nicht erlaubt, Mitglieder aus der Kaste der Scheichs oder Pirs zu heiraten.

- Gott hat die Welt und alle Lebenden Kreaturen in 6 Tagen geschaffen. Am 7. Tag ruhte er. Deswegen sollen die Yeziden 6 Tage arbeiten und am 7. Tag ruhen.

- Kein Yezide sollte sich scheiden lassen. Außer wenn durch drei Zeugen eine Untreue bestätigt werden kann.

- Den Yeziden ist es nich erlaubt, Geld gegen Zinsen zu verleihen.

- Ein Yezide darf nicht am Mittwoch baden oder Geschlechtsverkehr haben.

- Wucher ist streng verboten.

- Diebstahl ist strengstens verboten. Diebe müssen bestraft werden.

- Ein Yezide muss respektvoll und behutsam mit Menschen anderer Nationen und Herkunft umgehen. Er darf nicht hinter dem Eigentum anderer hersein. Wer diese Regeln nicht einhält, verlässt den Weg Gottes.

- Ein Yezide soll die Gesetze des Landes befolgen, in dem er sich befindet.

- Ein Yezide darf keine falschen Schwüre leisten. Die Yeziden müssen Schulen bauen und ihre Kinder in der Wissenschaft und in den Sprachen ausbilden.                      

 

Mythen

Nachdem Gott eine weiße Perle erschuf, erschuf Er aber dazu einen Vogel Namens Anfar, auf dessen Rücken er die Perle deponierte, um sich dann selbst auf dieser für 40 000 Jahre niederzulassen. Dort auf dem Rücken Anfars begann Gott die sieben Engel zu erschaffen, am Sonntag erschuf er den Tawusi Melek, die erste Emanation Gottes, in dessen Hand alle Macht gelegt ist und der sozusagen als ausführendes Organ des göttlichen Willens fungiert. Dies anderen sechs Engel waren dem Tawusi Melek unterstellt und hatten alle von ihm eine Aufgabe in der Schöpfung zugeteilt bekommen. Danach erschuf Gott die sieben Himmel, die Erde, die Sonne und den Mond. Nur die Schöpfung des Menschen und der Tiere blieb seinem letzten Engel Nurail überlassen. Tawusi Melek wurde kurz nach seiner Schöpfung, da er sich selbst hochmütig mit Gott gleichstellte, aus dem Paradies in die Hölle verbannt und als Scheytan (Teufel) betitelt.  

 

Newroz

Eine alte Legende erzählt von dem grausamen Tyrannen Dahak, der in grauer Vorzeit das Land beherrschte. Aus seinen beiden Schultern wuchsen böse Schlangen. Dahak fütterte die Schlangen mit den Gehirnen jünger Männer, damit die Schlangen nicht sein Gehirn frässen. Jeden Tag mussten zwei Jungemänner des Volkes getötet werden, um Dahaks Schlangen zu füttern. Eines Tages rief der Schmied Kawa das Volk zum Aufstand auf. Am 21 März marschierte das Volk unter seiner Führung mit brennenden Fackeln zum Schloss, besiegte Dahak und tötete die Schlangen.

 

 

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